Fifa Zwischen Korruption und Reformversuchen

Sepp Blatter will die Fifa in ein besseres Licht rücken. Reformen und eine Task Force sollen es richten, heißt es auf der Pressekonferenz. Ein Bild von dort dürfte der Fifa gar nicht gefallen: der Geldregen für Blatter.

Geldregen für Sepp Blatter
Mit einem dicken Stapel Dollarscheine trat der britische Komiker und Anti-Fifa-Aktivist Lee Nelson auf die Bühne der Fifa-Pressekonferenz. Quelle: REUTERS
Mit seiner Aktion brachte er den Plan der Fifa vollkommen durcheinander. Von seiner Aktion ließ er sich zunächst nicht abbringen. Quelle: REUTERS
Lee Nelson ist bekannt dafür Bühnen und Programme von Organisationen - insbesondere aus dem Fußball - durch eigene Aktionen zu unterbrechen. Diesmal traf es den Weltverband des Fußballs und insbesondere dessen Chef Joseph Blatter. Quelle: REUTERS
In dem Moment als die Sicherheitsmänner Lee Nelson von der Bühne führen wollen, lässt er die Scheine auf den Fifa-Präsidenten regnen. Der wirkt einen Moment lang wie versteinert. Quelle: REUTERS
Dem britischen Komiker gelingt damit ein Coup: Blatter im Geldregen - ein Bild voller Symbolik. Quelle: dpa
„Das hat nichts mit Fußball zu tun“, beschwerte sich Blatter über die Aktion. Quelle: REUTERS
Nun müsse erst einmal saubergemacht werden, kündigte der 79-Jährige an. Das übernahmen natürlich andere... Quelle: AP
Die Fifa-Pressekonferenz nach der Sitzung des Exekutivkomitees begann deshalb mit Verspätung. Quelle: REUTERS

So hatte sich Joseph Blatter den Beginn seiner Pressekonferenz nicht vorgestellt. Ein Anti-Fifa-Aktivist sorgte mit einem Bündel Geldscheine für Erheiterung oder Irritation - das kam auf den Standpunkt an. Der Komiker aus Großbritannien verstreute Dollarscheine in Richtung des Fifa-Präsidenten und wurde danach vom Sicherheitsdienst abgeführt.

„Das hat nichts mit Fußball zu tun“, sagte Blatter. Nun müsse erst einmal saubergemacht werden, kündigte der 79-Jährige an. Die Pressekonferenz nach der Sitzung des Exekutivkomitees begann deshalb mit Verspätung. Der Weltverband war nach der Festnahme von sieben Fußball-Funktionären Ende Mai in Zürich wegen des Verdachts des organisierten Verbrechens, Überweisungsbetrugs und verschwörerischer Geldwäsche in schwere Turbulenzen geraten.

Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters
Eduardo Li Quelle: dpa
Jack Austin Warner Quelle: dpa
Nicolas Leoz Quelle: dpa
Neben den Fifa-Funktionären wird gegen fünf Sportmarketing-Fachleute ermittelt, die in Geschäftsbeziehungen zur Fifa stehen. Alejandro Burzaco (50/Argentinien): In einer Aufsichtsfunktion bei einer Sportmarketing-Agentur in Argentinien tätig. Aaron Davidson (44/USA): Präsident von Traffic Sports USA, eines Eventmanagement-Unternehmens im Bereich Fußball. Hugo (70) und Mariano Jinkis (40/Argentinien): In Aufsichtsfunktionen einer Sportmarketing-Agentur in Argentinien tätig. José Margulies (75/Brasilien): Ihm wird vorgeworfen, als Vermittler bei illegalen Zahlungen im TV-Rechte-Handel aufgetreten zu sein. Die offiziellen Pressemitteilungen der Schweizer Justizbehörden sowie der US-Justizbehörden. Quelle: AP
Der Argentinier Alejandro Burzaco (r., 50 Jahre alt) ist einer der Chefs von Torneos y Competencias, einer Sportmarketing-Firma aus Argentinien. Quelle: AP
Ebenfalls ein Verdächtiger aus der Marketing-Branche: Aaron Davidson (44 Jahre) aus den USA ist Präsident von Traffic Sports Inc. Quelle: REUTERS
Hugo und Mariano Jinkis sind Leiter der Full Play Group, einer Sportmarketingfirma aus Argentinien. Quelle: AP
Wer den Fifa-Skandal verstehen will, der muss bei Charles Blazer beginnen. Er ist die Schlüsselfigur in diesem beispiellosen Krimi. Denn Charles Blazer ist der Kronzeuge der amerikanischen Ermittlungsbehörden. Er hat mit ihnen kooperiert und wichtige Informationen geliefert. Die Steuerbehörde konnte ihm nachweisen, zwischen 2005 und 2010 keine Steuererklärung abgegeben zu haben. Damit hatten die Ermittler ein Druckmittel in der Hand, um ihn zur Kooperation zu zwingen – Blazer horchte Fußballfunktionäre auf der ganzen Welt aus. Wie die Geschichte für ihn ausgeht, ist offen. Die Anklageschrift gegen ihn umfasst zehn Punkte. Quelle: AP
José Hawilla, Besitzer und Gründer der Traffic Group Zwei Tochtergesellschaften der Traffic Group, die Traffic Sports USA in Miami und die Traffic Sports International mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln, haben ein Geständnis abgelegt und sich der Verschwörung zum Betrug für schuldig bekannt. José Hawilla, Der Gründer und Eigentümer der Traffic Group, hat ebenfalls gestanden und dabei unter anderem Betrug, Geldwäsche und Justizbehinderung zugegeben. Er hat sich nach Angaben des Justizministeriums außerdem bereit erklärt, 151 Millionen Dollar zu zahlen. Quelle: AP
Daryan und Daryll Warner Nicht nur Ex-Fifa-Vizepräsident Jack Warner (Foto) ist in den Skandal verstrickt, auch seine beiden Söhne Daryan (46) und Daryll (40) sind involviert. Auch sie haben Betrug und Geldwäsche zugegeben. Offenbar kooperieren sie seither ebenfalls mit der US-Justiz. Quelle: AP

Das sollen Reformen und eine Task Force jetzt wieder gerade biegen: Eine Kommission mit einer unabhängigen Persönlichkeit an der Spitze soll die Reformen beim korruptionsgeschädigten Fußball-Weltverband Fifa überwachen und leiten. Das teilte Fifa-Präsident Joseph Blatter am Montag in Zürich mit. Dafür werde die Task Force „Reformen“ mit jeweils zwei Vertretern der Verbände aus Asien, Afrika, Europa und Nord- und Mittelamerika sowie je einem Repräsentanten aus Südamerika und Ozeanien gegründet. „Es sind zehn Spieler und ein Trainer, eine unabhängige Person“, so Blatter. Sein Nachfolger soll am 26. Februar 2016 bei einem außerordentlichen Kongress gewählt werden. Bis dahin bleibt der Schweizer im Amt.


Eine erneute Kandidatur als Chef des Fußball-Weltverbandes schloss er aus: „Am 26. Februar wird die Fifa einen neuen Präsidenten haben“, sagte der 79 Jahre alte Schweizer. „Ich denke, ich werde zu meiner Arbeit, meinem Hobby zurückkehren, als Journalist. Dieses Mal wird es das Radio sein. Das Radio ist das populärste Medium, man kann 24 Stunden Radio hören. Es ist einfacher zu sprechen als zu schreiben“, sagte Blatter.

Schon vor der Bekanntgabe des neuen Wahltermins hatte es zahlreiche Spekulationen um mögliche Kandidaten gegeben.

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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat Uefa-Chef Michel Platini eine große Unterstützung für eine eventuelle Kandidatur bei der Wahl des Nachfolgers von Fifa-Präsident Joseph Blatter am 26. Februar sicher. Der Franzose soll von zahlreichen Nationen um eine Kandidatur gebeten worden sein. „Stand heute sind die Aussichten gut, dass man Mehrheiten bekommt, die letztendlich auch ausschlaggebend sind für die Wahl eines Kandidaten“, sagte Niersbach. „Das ist der größte Unterschied der letzten Wochen im Vergleich zum Kongress Ende Mai.“

Für den Fall einer Bewerbung des Franzosen wird DFB-Chef Wolfgang Niersbach als möglicher neuer Uefa-Präsident gehandelt. „Wenn Platini sich erklären sollte, wissen wir immer noch nicht, ob er auch gewählt wird“, betonte Niersbach. Wie es bei der Uefa weitergehe, könne bei einer Vollversammlung der europäischen Verbände im September in Malta diskutiert werden, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

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