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Filmindustrie Deutsche Filme in Gefahr

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Schaden im Kernbereich des DFFF

Auch, wenn der DFFF – die entsprechende Ausstattung vorausgesetzt – durch seine einfache Konstruktion und seine übersichtliche Anwendung von allen Film-Subventionen die effektivste ist, bleiben auch die „klassischen“ Förderungen volkswirtschaftliche Einnahmen-Generatoren. Jeder Euro, der in die Filmproduktion geht, so hat man ausgerechnet, erzeugt nach kurzer Zeit ein Steueraufkommen von 1,72 Euro – und da ist die Verwertung noch gar nicht erfasst.

 Die für den DFFF geplanten Kürzungen hätten drastische Folgen: zehn Prozent, also sechs Million en Euro weniger, ließe das deutsche Filmproduktionsvolumen um bis zu 49 Millionen Euro einbrechen, hinzu kämen indirekte und induzierte Umsatz-Verluste von weiteren 69 Millionen Euro, 800 Beschäftigte verlören ihre Arbeit – und dem Staat entgingen Steuereinnahmen, die mit 16 Millionen Euro fast drei Mal so hoch wären wie der durch die DFFF-Kürzung eingesparte Betrag. Tatsächlich aber ist es noch viel schlimmer: Im Haushaltsentwurf stehen statt der 70 Millionen, über die der DFFF 2013 verfügen konnte, für das nächste Jahr 20 Millionen Euro weniger.

 Umgekehrt hätte eine Aufstockung ebenfalls überproportionale Auswirkungen: Sechs Millionen Euro mehr würden für 16 Millionen Euro zusätzlicher Steuereinnahmen sorgen, Umsatz und Zahl der Beschäftigten würden ebenfalls  entsprechend wachsen.

 Selbst wenn die Kürzungsabsicht zurückgenommen und vielleicht sogar eine Aufstockung des DFFF ins Auge gefasst würde, ist der Schaden in einem Kernbereich des DFFF bereits entstanden: dem der internationalen Koproduktionen. Dieser Sektor verlangt nichts mehr als Verlässlichkeit und Kontinuität. Hochbudgetierte Großprojekte benötigen einen großen Vorlauf. Wenn die Rahmenbedingungen in Deutschland in Frage gestellt sind, wandern sie eben nach Großbritannien oder Kanada, wo jährlich ein Vielfaches des DFFF-Volumens zur Verfügung steht, oder in eines der vielen Länder, in denen eine schlechtere Infrastruktur und unterentwickeltes Knowhow durch eine Kombination aus Förderung und niedrigen Löhnen ausgeglichen wird.

 Die Bedeutung eines Einsparungspotentials von 20 Millionen Euro kann man angesichts eines Gesamt-Haushaltsvolumens von 299,5 Milliarden Euro wohl als eher gering bezeichnen. Von den 100 Millionen Euro an Steuermitteln, die Bund und Länder jährlich in die Kinofilmproduktion investieren, machen 20 Millionen dann schon ein Fünftel aus, was die empfindliche Balance der Filmfinanzierung in Deutschland entscheidend stören würde. Darüber hinaus würde die Kürzung des DFFF über kurz oder lang den Abstieg Deutschlands aus der Champions League der Filmproduktion bedeuten – ein zu hoher Preis für eine vergleichsweise geringfügige Sparmaßnahme.

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 Es geht beim DFFF nicht um Filmförderung. Es geht um die Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen, die Weiterentwicklung des Produktionsstandorts mit Hightech und Knowhow, um die Steigerung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Für die Mitglieder des Haushaltsausschusses, die am 11. November die Haushaltswoche des Deutschen Bundestags vorbereiten, und für die Abgeordneten, die dem Gesetz am Ende zustimmen, sollte es eine Frage der Vernunft sein, den DFFF nicht zu kürzen, sondern im Gegenteil verlässlich und dauerhaft aufzustocken.

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