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Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman wollen Scout24 kaufen

Verschiedene Internetseiten des Online-Marktplatzbetreibers Scout24 Quelle: dpa

Die Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman wollen Scout24 für 46 Euro je Aktie oder insgesamt 5,7 Milliarden Euro übernehmen. Das Kleinanzeigenportal begrüßte das Angebot.

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In Deutschland bahnt sich eine Rekordübernahme durch Finanzinvestoren an: Für den Anzeigenportal-Betreiber Scout24 wollen die Beteiligungsgesellschaften Blackstone und Hellman & Friedman bis zu 5,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Scout24-Chef Tobias Hartmann, der die Interessenten im Januar noch abblitzen ließ, stellte sich am Freitag hinter das leicht nachgebesserte Angebot von 46 Euro je Aktie. Kommt der Deal zustande, wäre es die bislang größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland durch Private Equity. Auf Platz zwei rutscht damit der hessische Arzneimittelhersteller Stada, für den Bain und Cinven einst 5,6 Milliarden Euro einschließlich Schulden zahlten.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Scout24-Aktien schossen um zwölf Prozent auf 46,48 Euro in die Höhe und waren damit die größten Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Blackstone und Hellman & Friedman wollen mehr als 50 Prozent an Scout24 einsammeln – gelingt das nicht, scheitert die Übernahme. Mit 46 Euro liegt das Gebot 27 Prozent über dem Kurs von Mitte Dezember, als die ersten Gerüchte über ein Interesse von Investoren am Betreiber der größten deutschen Häuser- und Wohnungsseite Immobilienscout24.de aufgetaucht waren.

Angesichts niedriger Zinsen suchen Finanzinvestoren weltweit hängeringend nach Anlagemöglichkeiten für das Geld, das ihnen reiche Familien, Pensionskassen, Versicherer und andere große Anleger anvertrauen. Allein Blackstone hatte im Januar noch fast 113 Milliarden Dollar übrig, für die der Investor Unternehmen kaufen wollte. In Deutschland ist auch der Lichttechnikkonzern Osram ins Visier von Private Equity geraten – hier wollen sich Bain Capital und Carlyle zusammentun. Zuletzt sind die Finanzinvestoren aber wieder etwas vorsichtiger geworden, denn die Konjunktur kühlt sich in Europa gerade ab. Wird zu teuer eingekauft, lassen sich die gezahlten Preise über Jahre nicht mehr hereinholen. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2007, kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise, stecken vielen noch in den Knochen.

Scout24-Chef Hartmann hatte vor einigen Wochen noch gezögert, sich auf die Avancen einzulassen. Aber er konnte Blackstone und Hellman & Friedman am Ende doch noch ein bisschen mehr Geld abtrotzen – für 2,50 Euro mehr je Aktie schlug er nun ein. Damit zahlen die Käufer rund 4,9 Milliarden Euro für die Scout24-Aktie, zudem übernehmen sie etwa 800 Millionen an Schulden. „Ich freue mich über unsere gemeinsame langfristige Vision und unser Ziel, Scout24 zu einem führenden europäischen Digitalunternehmen zu machen“, erklärte Hartmann. „Hellman & Friedman und Blackstone werden von Scout24 als vertrauenswürdige und langfristige Partner geschätzt, die als ehemalige Eigentümer mit dem Unternehmen vertraut sind.“ Für die beiden Beteiligungsfirmen ist es in der Tat ein Wiedersehen mit Scout24: Die beiden Investoren waren 2014 schon einmal bei dem Unternehmen eingestiegen und brachten es 2015 an die Börse. Nach dem Börsengang zogen sie sich nach und nach zurück, die letzten Aktien verkauften sie erst im Sommer 2018.

Nun sehen sie offenbar neue Chancen, Scout24 voranzubringen. Beide Investoren seien entschlossen, in Talente, Produkte und Technologien zu investieren und das Management bei der Expansion zu unterstützen. „Scout24 verfügt über eine ausgezeichnete Marktposition“, erklärte Blackstone-Manager Robert Reid. „Das Unternehmen muss jedoch jetzt die Weichen stellen, um die komplexen Herausforderungen zu meistern, insbesondere des intensiven Wettbewerbs und anstehender regulatorischer Veränderungen.“

Zu den Konkurrenten von Scout24 zählen die Portale Immowelt und Immonet des Medienkonzerns Axel Springer. Das wichtigste Regulierungsthema, das die Branche umtreibt, sind politische Überlegungen, die erlaubte Maklerprovision zu senken und zudem wie bei der Vermietung nun auch beim Kauf dem Auftraggeber und nicht mehr automatisch dem Käufer aufzuerlegen.

Der Scout24-Konzern, zu dem neben Immobilienscout24 auch die Internetportale Autoscout24 und Finanzcheck gehören, war im vergangenen Jahr erneut deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg um 12,5 Prozent auf 531,7 Millionen Euro, der Betriebsgewinn Gewinn (Ebitda) legte um 10,5 Prozent auf 257,3 Millionen Euro zu. An Autoscout24 hatte unlängst auch der Berliner Gebrauchtwagenhändler Auto1 Interesse gezeigt, wie Insider berichteten. Bei Scout24 sei das Start-up aber mit dem Vorstoß abgeblitzt.

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