Flixbus-Chef Engert „Greyhound unterschätzt uns“

Jochen Engert, Co-Gründer und Geschäftsführer der FlixMobility GmbH. Quelle: Presse

Flixbus-Chef Jochen Engert über amerikanische Kunden, den Wettbewerber Greyhound und seine Enttäuschung über den Bushersteller Daimler.

Herr Engert, vor fünf Jahren ist Flixbus das erste Mal von München nach Nürnberg gefahren. Nun starten Sie in den USA. Der Markt dort ist seit Jahrzehnten liberalisiert. Kann der Eintritt in einen so reifen Markt überhaupt gelingen?
Wir sind überzeugt, dass wir gute Chancen haben. Im Prinzip war die Entwicklung in den USA ja sogar Vorbild für unsere Expansion in Länder wie Italien oder Schweden. Vor zehn Jahren ist das britische Unternehmen Megabus dort an den Start gegangen. Das Unternehmen hat sich inzwischen erfolgreich gegen Marktführer Greyhound etabliert. Wir glauben, dass noch viel Platz für uns und weiteres Wachstum da ist.

Als Sie vor einigen Wochen Ihren Start in den USA angekündigt haben, haben wir mal umgehört. Bei Greyhound hat man eher mit den Schultern gezuckt, den Namen Flixbus hat man dort noch nie gehört. Überschätzen Sie sich möglicherweise ein bisschen?
Ich würde sagen, dass uns der Wettbewerber unterschätzt. Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren grünen Bussen genauso erfolgreich sein können wie in Deutschland. Wir wollen mit qualitativ hochwertigen Bussen preiswerte Mobilität anbieten – kostenloses WLAN inklusive. Ich glaube, dass man bei Greyhound inzwischen sehr genau weiß, wer wir sind.

Kostenloses WLAN bieten auch andere Wettbewerber wie Megabus an…
Es kommt auch auf die richtigen Strecken, Haltestellen und Zeiten an und vor allen Dingen auf ein technologie- und datengetriebenes Vertriebssystem. Wir analysieren gerade den Markt und werden noch in diesem Jahr mit den ersten Linien starten.

Zur Person

Wo geht es los?
Unser Büro liegt in Los Angeles. Es liegt daher auf der Hand, dass wir an der Westküste starten. Ich verrate auch kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir die großen Metropolen L.A., San Francisco und Las Vegas im Blick haben. Aber wir werden auch kleinere Städte anfahren.

Sind Ihre Investoren eigentlich auch so begeistert wie Sie?
Es hat intensive Diskussionen gegeben, aber André, Daniel und ich, also wir drei Gründer, sind überzeugt, dass der Schritt in die USA genau richtig ist. Ich habe mich gerade mit einem Busunternehmer aus den USA unterhalten, der seinen Skiurlaub in Europa für einen Besuch bei uns unterbrochen hat. Wir sind uns einig: Mobilität verändert sich gerade weltweit. Auch in den USA steigen die Menschen vom Auto auf Bus und Bahn um. Neue Mobilitätsformen wie Car- und Ridesharing treiben unser Geschäft. Wir sehen ein großes Potenzial in den USA. Nun analysieren wir gerade, wie der amerikanische Kunde genau tickt.

Und wie tickt er?
Amerikanische Kunden sind es gewohnt, weitere Strecken zu fahren als in Europa. In Deutschland fährt ein Kunde im Schnitt drei bis vier Stunden. In den USA wird der Durchschnittsreisende mit Sicherheit mehrere Stunden unterwegs sein. Aber im Prinzip wollen wir die Kunden in den USA mit unserer gewohnt guten Qualität überzeugen. Das Image von Fernbussen in den USA ist mies, da können wir neue Akzente setzen. Vielleicht müssen wir aber an die Busse eine US-Flagge machen.

In Deutschland sind Sie vor allem mit Bussen der Marken Setra von Daimler unterwegs. Ist das auch Ihre Präferenz für den US-Markt?
Wir würden sehr gerne mit Setra oder Mercedes Tourismo an den Start gehen. Wir und unsere Partner haben damit in Europa extrem gute Erfahrungen gemacht. Zudem wären der Markenname und der Mercedes-Stern gute Werbung für uns. Aber Daimler verkauft derzeit keine für uns passenden Busmodelle für den amerikanischen Markt. Das gilt auch für Scania und MAN. Deutsche Bus-Hersteller lassen uns also etwas im Stich.

Konnten Sie die Unternehmen nicht von Ihrem enormen Wachstumstempo in Europa überzeugen? Die Konzerne lockt doch ein Millionen-Umsatz…
Das haben wir uns auch gedacht. Natürlich müssten die Bus-Hersteller ihre Busse für den US-Markt umrüsten, das ist extrem komplex. Aber wir sind schon ein wenig enttäuscht, dass die großen deutschen Hersteller nicht mit uns in die USA gehen. Ein Bus kostet immerhin zwischen 250.000 und 450.000 Euro, je nach Grüße. Wir sprechen in den USA nun mit anderen Herstellern.

Was kommt denn nach dem Einstieg in den US-Markt?
Ich persönlich finde ja den asiatischen Markt sehr interessant. Aber dafür gibt es noch keine Pläne. Erstmal wollen wir den US-Markt aufrollen.

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