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Flixbus-Chef Stenger „Die E-Busse sollen als solche erkennbar sein“

Mit Strom statt Diesel sollen künftig auf einer Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt die Fahrgäste in dem neuen Elektro-Flixbus befördert werden. Ein groß angelegter Test mit einigen Überraschungen für die Passagiere.

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C9 heißt das Modell des Herstellers BYD, das Flixbus künftig einsetzen will. Der Deutschland-Chef von Flixbux, Fabian Stenger erklärt, wo die Probleme lagen und warum der Bus eine andere Farbe hat.

Herr Stenger, Sie starten mit einem Test, einen E-Bus einzusetzen. Er kostet in der Anschaffung doppelt so viel wie ein vergleichbares Dieselfahrzeug. Kann das überhaupt wirtschaftlich sein?
Das soll sich im Testbetrieb in den kommenden zwölf Monaten unter anderem auch zeigen. Unsere Erwartungshaltung ist, dass – ähnlich wie bei einem E-Auto – auch beim E-Bus die Wartungskosten niedriger liegen und er verschleißärmer ist als ein normaler Bus. Das bringt hoffentlich einen Kostenvorteil. Gleichzeitig ist es so, dass der Strom im Vergleich zu den derzeit hohen Dieselpreisen im Vorteil ist. Wir werden also sehen, wie viel teurer es mit dem E-Bus im Normalbetrieb ist als mit einem Diesel.

Die Reichweite des Busses ist etwa doppelt so hoch wie die Strecke, die Sie damit befahren wollen. Welche Rolle spielen die Ladezeiten für Ihre Nutzung?
In diesem Testszenario, das wir kreiert haben, sind genau diese Fragen berücksichtigt. Das Fahrzeug kann vier Mal am Tag zwischen Mannheim und Frankfurt hin- und herfahren. Der Fahrplan ist so gebaut, dass zwischen den Fahrten ausreichend Zeit zum Laden bleibt, um ausreichend Kapazität für die nächste Strecke zu haben. Die Strecke liegt bei etwa 110 bis 115 Kilometern, die Reichweite beträgt 200 Kilometer, wir machen dann eine Teilladung. Eine Gesamtladung dauert etwa drei bis vier Stunden, aber man kann die Ladung auch unterbrechen, wenn ausreichend Kapazität für eine Strecke vorhanden ist.

Nehmen wir an, der Test verläuft positiv – wie viele Strecken in Ihrem Angebot eignen sich dann für den E-Bus?
Wenn es keinen technologischen Fortschritt gäbe – war wir allerdings nicht annehmen – dann wäre nach der Testphase die Hoffnung, dass die Reichweite entsprechend wächst. Je höher die Reichweite, desto mehr Strecken kommen in Frage. Insbesondere das Dreieck Hamburg, Berlin, Hannover ist wegen der hohen Nachfrage zwischen diesen Städten prädestiniert für solche Busse. Aktuell könnten wir es mit diesem Fahrzeug aber nicht darstellen. Für uns ist zunächst wichtig, herauszufinden, ob es sich operativ stabil einsetzen lässt. Wir brauchen Erfahrungswerte, ob die Batteriekapazitäten über die Zeit stabil bleiben – das sind Angaben, die uns vom Hersteller gemacht werden und die wir nun im Alltag überprüfen.

Das Fahrzeug stammt aus China. Weil es dort günstiger ist, oder weil in Europa oder gar Deutschland keine Alternativen angeboten werden?
Die große Herausforderung war, überhaupt ein Fahrzeug für den deutschen Markt zugelassen zu bekommen. Einen Hersteller aus Deutschland gibt es nicht. Und es sind insgesamt nur wenige Anbieter mit einem Fahrzeug. Mit BYD sind wir den Weg gegangen, um das Fahrzeug für den deutschen Markt zu adaptieren.

Was für Änderungen sind nötig?
Es ist als Typ „Überlandbus“ zugelassen und nicht als Reisebus, obwohl wir ihn so nutzen werden. Ein Detail ist deswegen zum Beispiel, dass wir im Bus Handschlaufen anbringen mussten, damit sich stehende Passagiere festhalten können – bei uns in den Bussen gibt es aber gar keine Passagiere, die stehen und es ist auch verboten, sich während der Fahrt hinzustellen. Solche Dinge müssen Sie klären.
Hat der E-Antrieb einen Einfluss auf die Preise?
Für den Kunden ist das transparent. Er sieht, dass er ein E-Fahrzeug bucht. Grundsätzlich sind das die gleichen Preise wie beim Dieselantrieb. Aber sollte eine hohe Nachfrage nach Fahrten mit dem E-Bus entstehen, würden die Preise angepasst – das ermitteln unsere Pricing-Systeme abhängig von der Buchungssituation und nicht von der Antriebsart.

Der Bus hat eine andere Farbe. Ist das Ihr neues Flix-Bus-Grün?
Wir haben ein Fahrzeug geschaffen, das einzigartig ist. Der Bus hat blaue und grüne Farbelemente, die signalisieren sollen, dass er emissionsfrei fährt. Der Kunde soll sehen, dass es sich um ein E-Fahrzeug handelt.

Was ändert sich für den Passagier im E-Bus?
Der E-Bus unterliegt den gleichen Besonderheiten wie E-Autos – wer schon mal eines gefahren ist, kennt die geringere Lärmentwicklung und den ständigen und kräftigen Vortrieb, den sie auch im Bus spüren werden.

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