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FlugangebotWill die Lufthansa der Deutschen Bahn die Geschäftskunden abluchsen?

Der Zug bringt Sie zu spät zum Termin? Die Lufthansa will jetzt von der Unzuverlässigkeit der Bahn profitieren – und rudert dann doch wieder zurück.Artur Lebedew 13.07.2023 - 16:52 Uhr

Jetzt Partner, bald Konkurrenten? Eher nicht.

Foto: dpa

Wer sehen will, wie sich die Deutsche Bahn die Geschäftsreise der Zukunft vorstellt, muss nach Bayern. Dort pendelt seit einigen Tagen zwischen München und Mühldorf am Inn der „Ideenzug“ der Bahn mit allerlei Schnickschnack und einer eigenen Business Class: Mit verschließbaren Einzelkabinen für ungestörte Telefonate, einem eigenen Bildschirm und neuen Fensterscheiben für besseren Internetempfang. New work lässt grüßen.

Nur alles probeweise, alles Zukunftsmusik. Ob die Gimmicks kommen, entscheiden einzelne Verkehrsverbünde, die die Züge samt Ausstattung bestellen müssen. Und das Entscheidende sei ja ohnehin etwas anderes, findet etwa Hans-Ingo Biehl, Geschäftsführer beim Verband für Reisemanagement (VDR). „Was zählt, ist Verlässlichkeit.“

Und die Bahn sei gerade das nicht immer, findet er. Das ärgere auch die Businessfahrer. Gerade einmal 63 Prozent aller Fernzüge sind der Bahn zufolge im Juni pünktlich, also weniger als fünf Minuten verspätet, am Bahnhof angekommen.

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Eine Alternative dazu wäre das Fliegen. Doch mit der Pandemie wurde das innerdeutsche Flugangebot stark zurückgefahren. Die Zahl der angebotenen Strecken ist seit 2019 um 16 auf 41 gesunken, wie der Luftverkehrswirtschaft BDL berichtet. Allein Branchenprimus Lufthansa fliegt hierzulande um ein Drittel seltener als zuvor. 

Lufthansa will Inlandsflüge beleben

Jetzt kündigte das Unternehmen an, Inlandsflüge wieder zu beleben. „Tagesreisen innerhalb Deutschlands sind weniger geworden, aber der Bedarf ist weiterhin da“, hat Vertriebschef Frank Naeve dem Reiseportal FVW erzählt. Man wolle das Geschäft nicht der Bahn oder Anbietern von Videokonferenzen überlassen, sagte er. Mittlerweile haben die Äußerungen im Netz eine größere Aufmerksamkeit erreicht. Bei Twitter und Linkedin wird dem Manager in Zeiten der Klimakrise „Rückständigkeit“ vorgeworfen, und das sind die netteren Kommentare.

Vor allem in der Bahnbranche sorgen die Zitate für Irritation. „Offensichtlich verstehen sich die Lufthansa und die Deutsche Bahn nicht mehr als Partner, sondern als Konkurrenten“, sagt Matthias Stoffregen von den privaten Wettbewerbsbahnen. Jede Branche müsse beim Klimaschutz ihrer Verantwortung gerecht werden, heißt es lapidar aus dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen.

Erst im vergangenen Jahr gesellte sich die DB als sogenannter „Intermodal-Partner“ zum Fliegerbündnis Star Alliance dazu. Eine erhöhte Taktung und beschleunigte Verbindungen sollten die Bahn als Zubringer zum Flug attraktiver machen. Man arbeite „weiter an der umweltfreundlichen Vernetzung der Verkehrsträger Bahn und Flugzeug“, äußert sich eine Bahnsprecherin zum Verhältnis mit der Lufthansa.

Der Trend bei innerdeutschen Verbindungen unter den Geschäftsleuten geht jedenfalls seit Jahren in Richtung Bahn und Auto – und weg vom Flieger. Waren vor der Pandemie 2019 etwa 55 Prozent der Unternehmen vom Flug auf die Bahn umgestiegen, so sind es im vergangenen Jahr 66 Prozent gewesen, so eine aktuelle VDR-Auswertung. „Für die Unternehmen wird Nachhaltigkeit immer wichtiger“, begründet deren Chef Biehl.

Ist es mit der Bahn-Flug-Partnerschaft trotzdem vorbei und werden wegen der vielen Zugverspätungen Inlandsflüge jetzt wieder attraktiver? Eher nicht. Die deutschen Verbindungen werden seit Jahren im Wesentlichen von der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings angeboten. Ausländische Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair haben sich zurückgezogen.

Das dürfte auch so bleiben. „Unser Hauptziel in Deutschland ist es nicht, die Anzahl der Flüge zu erhöhen, sondern die Rentabilität zu optimieren“, sagte eine Sprecherin von Easyjet. Dazu wolle das Unternehmen etwa mehr Flüge von Deutschland in den Mittelmeerraum anbieten.

Auch bei der Lufthansa versucht man die Aussagen ihres Vertriebschefs einzufangen. Öffentlich bemüht sich das Unternehmen, die Wogen mit der Bahn zu glätten. Man wolle nicht die Zahl der Inlandflüge erhöhen, heißt es aus Frankfurt. Ziel sei es vielmehr, die Reisenden schneller von der Bahn in das Flugzeug zu bringen, etwa durch biometrische Boardingscanner. Das klingt dann doch viel harmloser als mancher im Netz vermutet. Wenn die Züge dann eines Tages pünktlich kommen, können sich die Geschäftsleute sicher auch über Einzelkabinen freuen.

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