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Flugausfälle Air Berlin kämpft nach Krankmeldungen um Flugbetrieb

Den zweiten Tag in Folge machen Krankmeldungen von Piloten der insolventen Air Berlin zu schaffen. Auch Eurowings-Flüge sind mittlerweile betroffen.

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Ein Flugzeug von Air Berlin Quelle: REUTERS

Ins Bieterverfahren um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat sich einem Medienbericht zufolge ein neuer Interessent eingeschaltet. Wie die "Bild"-Zeitung vorab berichtet, hat die chinesische Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, LinkGlobal, in einer schriftlichen Absichtsbekundung ihr Interesse an einer Übernahme von Air Berlin mitgeteilt. "Wir wurden informiert, dass Air Berlin einen verlässlichen Investor für eine Übernahme sucht. Hiermit bekunden wir unser Interesse und unsere Absicht in dieser Angelegenheit", zitierte das Blatt den Geschäftsführer von LinkGlobal, Jonathan Pang, aus einem Schreiben, das auf den 31. August datiert sei.

Ein konkretes Angebot soll demnach vor Ablauf der Frist an diesem Freitag um 14.00 Uhr beim Insolvenzverwalter eingereicht werden. Offenbar plane Pang eine Verlegung der Airline nach Parchim. "Wir glauben, dass wir eine Win-Win-Situation für Air Berlin und den Flughafen Parchim schaffen können, wenn wir die Basis der Fluggesellschaft auf unseren Flughafen in Parchim verlegen können", schreibt Pang laut der Zeitung weiter. Der Insolvenzverwalter von Air Berlin äußerte sich auf Anfrage des Blattes nicht zu dem Schreiben.

Angesichts zahlreicher Krankmeldungen bei Air Berlin nimmt derweil der Druck auf die Piloten der insolventen Fluglinie zu, die Arbeit wieder aufzunehmen. „Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) der „Bild“-Zeitung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte, „den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrechtzuerhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen“.

An diesem Mittwoch fallen vermutlich wieder zahlreiche Flüge aus. Es „liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor“, schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und seine Kollegen Oliver Iffert und Martina Niemann am Dienstag in einem internen Brief an die Piloten. Wie viele Flüge tatsächlich betroffen sind, wollte die Airline am Mittwochmorgen bekanntgeben. Der Flughafen Düsseldorf teilte bereits mit, Air Berlin habe für Mittwoch 30 Starts und Landungen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gestrichen. Eigentlich waren für Mittwoch 182 Starts und Landungen von Air-Berlin-Fliegern in Düsseldorf geplant.

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings ist betroffen. Bis zum Mittag wurden 35 Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen, wie die Fluggesellschaft über ihre Homepage mitteilte. Sie hat 33 Flugzeuge samt Besatzungen bei der insolventen Air Berlin angemietet.

Ein Sprecher in Köln rechnete mit einer stabileren Situation im Laufe des Tages. Üblicherweise bietet Eurowings 650 Flüge am Tag an. Bereits am Dienstag habe man Dutzende Flüge retten können, indem man Verstärkung aus der Lufthansa-Gruppe eingesetzt habe. Allerdings sei die Planung wegen teils auch sehr kurzfristiger Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten extrem anspruchsvoll.

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Air-Berlin-Kollegen zumeist kurzfristig krank gemeldet. Mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Die Kosten für die Airline beliefen sich nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Betriebsrat rief die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte: „Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen.“ Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es „entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren“.

Das ist Air Berlin

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen eingestellt hatte.

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