Fluggesellschaft Delta Air Lines trotzt dem Trend

Die US-Fluglinie Delta Air Lines liefert erneut gute Quartalszahlen - und zeigt, dass westliche Airlines nicht todgeweiht sind. Im Gegenteil: Sie können völlig gesunde Unternehmen sein - mit der richtigen Strategie.

Im nächsten Quartal will Delta-Airlines CEO Richard Anderson die Marge auf bis zu 16 Prozent verdoppeln. Quelle: AP

Wenn es nach den Gesetzen einer Dienstleistungsbranche geht, macht Richard Anderson eigentlich alles falsch. Die von ihm geleitete Fluglinie Delta kauft wenig neue Flugzeuge und investiert eher zurückhaltend ins Produkt. Zudem legt sie selten neue Strecken auf und hat keine besonders zufriedenen Kunden.

Doch irgendwas scheint er richtig zu machen. Denn Delta hat mal wieder eine so gute Bilanz vorgelegt, wie sie in der Flugbranche bestenfalls ein, zwei Billigflieger wie Ryanair schaffen. Und die verdienen ihr Geld dann nicht unbedingt im reinen Flugbetreib, sondern mit geschicktem Flugzeughandel.

Dennoch kam Delta auf eine operative Rendite von fast sieben Prozent auf den Umsatz. Zum Vergleich: Profitprimus Ryanair wird das aktuelle Winterquartal wohl mit einem Verlust abschließen.

Die beliebtesten Airlines der Welt
Platz 20 - Air Canada (Kanada)Die größte kanadische Airline rangiert unter den besten 20. Mit dem Service an Bord der Maschinen sind die Kunden etwas weniger zufrieden als im Vorjahr. Da erreichten die Kanadier noch Platz 19.
Platz 19 - Hainan Airlines (China)Obwohl die Airline noch keine 20 Jahre alt ist, gehört sie zu den größten der Welt. Benannt wurde sie nach einer Insel südlich von China. Die junge Flotte und das freundliche Personal verschaffen der Fluggesellschaft einen Rang unter den Top 20.
Platz 18 - Air New ZealandMit einer relativ kleinen Flotte ist das Mitglied der Star Alliance geradezu winzig im Vergleich mit den Branchenriesen. Im Service schneidet die Airline gut ab. Die Neuseeländer rangieren auf Platz 18. Quelle: rtr
Platz 17 - Korean Air (Südkorea)Der Anspruch der Koreaner ist groß: Mit einer erneuerten Flotte steigt die Airline groß im hart umkämpften asiatischen Markt ein. Der Service blieb im abgelaufenen Geschäftsjahr stabil. Quelle: AP
Platz 16 - Swiss (Schweiz)Vom Problemfall zum Vorbild: Die Lufthansa-Tochter hat turbulente Zeiten hinter sich, fliegt aber mittlerweile wieder erfolgreich. Die Zufriedenheit der Kunden war relativ stabil. Die Schweizer büßten einen Platz ein. Quelle: rtr
Platz 15 - Thai Airways (Thailand)Die staatliche Fluggesellschaft Thailands ist Mitglied der Star Alliance und vielen Deutschen als Urlaubsflieger bekannt. Im Zufriedenheitsranking hat die Fluggesellschaft dieses Mal sechs Plätze eingebüßt und fällt aus den Top 10. Quelle: Presse
Platz 14 - Malaysia Airlines (Malaysia)Für die Airline insgesamt reicht es diesmal nur für Platz 14. Im Vorjahr erreichte die Fluggesellschaft noch Platz 10. Quelle: rtr
Platz 13 - Virgin Australia (Australien)Im Jahr 2000 als Billigfluggesellschaft Virgin Blue gestartet, hat sich die australische Airline längst etabliert. Der Ableger der britischen Airlines von Milliardär Richard Branson erreicht Rang 13. Einen schlechter als im Vorjahr.
Platz 12 - EVA Air (Taiwan)Die Tochtergesellschaft einer Container-Reederei wurde im Juni 2013 in die Star Alliance aufgenommen. Beim Service gehört die taiwanesische Airline zur Weltspitze. Quelle: rtr
Platz 11 - Lufthansa (Deutschland)Ihren Anspruch als Premiumairline will Deutschlands größte Fluggesellschaft trotz eines strikten Sparkurses nicht aufgeben. Für die Top 10 reicht die Servicequalität allerdings ganz knapp nicht. Immerhin kann die Lufthansa drei Plätze gutmachen. Quelle: dpa
Platz 10 - Qantas (Australien)Die Australier gelangen nach einem enttäuschenden Platz 15 im Vorjahr wieder unter die Top 10. Quelle: dpa
Platz 9 - Turkish Airlines (Türkei)Im Sommer fliegt die türkische Airline viele Deutsche in den Urlaub. Die Erholung scheint schon beim Flug zu beginnen: Seit Jahren halten sich die Türken unter den zehn besten Airlines. Dieses Jahr rutschen sie aber zwei Ränge ab. Quelle: Presse
Platz 8 - Garuda Indonesia (Indonesien)Die staatliche indonesische Airline macht drei Plätze gut und rutscht unter die besten Zehn. Der Name leitet sich von einem Reittier einer indonesischen Gottheit ab. Quelle: GNU
Platz 7 - Etihad (Abu Dhabi)Eine weitere arabische Airline, die den Europäern auf der Langstrecke das Leben schwer macht. Durch die Kooperation mit Air France und dem Engagement bei Air Berlin ist die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi in Europa präsenter. Im Service-Ranking schneiden die Araber einen Platz schlechter ab wie im Vorjahr. Quelle: dpa
Platz 6 - Cathay Pacific (Hongkong)Die chinesische Airline verpasst mal wieder das Treppchen. Dabei gehört die Fluggesellschaft mit Basis in Hongkong zu den erfolgreichsten Airlines der letzten Jahre. Kaum eine Fluggesellschaft expandiert derzeit schneller: In den kommenden Jahren soll die Flotte aufgestockt werden. Quelle: REUTERS
Platz 5 - Asiana Airlines (Südkorea)Zwei Mal in Folge landet die Airline unter den besten drei. Doch dieses Jahr reichte es nur für Platz fünf. Quelle: dpa
Platz 4 - All Nippon Airways (Japan)Die größte japanische Fluggesellschaft gehört zu den Gewinnern des Rankings. Im schwierigen asiatischen Markt überzeugt die Airline mit ihrem Service und macht einen Platz gut. Quelle: dpa
Platz 3 - Singapore Airlines (Singapur)Mehrfach wurde die Airline aus Singapur von Skytrax schon zur besten Airline der Welt gewählt. Doch wie schon im Vorjahr reicht es diesmal „nur“ für Bronze. Quelle: REUTERS
Platz 2 - Qatar Airways (Katar)Lange hielt sich die Airline aus dem Emirat Katar an der Spitze. Die Araber kauften viele neue Flugzeuge. Doch den Top-Platz bei der Servicequalität muss Qatar abgeben. Quelle: REUTERS
Platz 1 - Emirates (Dubai)Die Ambitionen der Araber sind groß. Das bekommen besonders die europäischen Platzhirsche zu spüren, deren Heimatmarkt Emirates ins Visier genommen hat. Nicht nur die Flotte ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Auch bei der Kundenzufriedenheit schneidet die Airline immer besser ab und erobert nun den Spitzenplatz. Quelle: dapd

Und das ist erst der Anfang. Im nächsten Quartal will Delta-Chef Anderson die Marge sogar verdoppeln - auf bis zu 16 Prozent. Im vorigen Jahr gelang ihm gar ein kleiner Schock für die Flugbranche. Der Industrie bleiben in guten Jahren gerade mal drei Prozent vom Umsatz in der Kasse. Die Lufthansa ist auch nach zwei Jahren Sparprogramm weit von ihrem Ziel - sieben Prozent - entfernt. Doch Delta schaffte das Kunststück: Auch dank einer Steuergutschrift erzielte die Fluggesellschaft eine Marge von 40 Prozent und überflügelte damit sogar Apple.

Selbst ohne Sondereffekte waren es immer noch fast zehn Prozent. "Delta zeigt, wie eine moderne Fluglinie aussieht", lobt die Marktforschung Center for Aviation die US-Linie als profitabelste traditionelle Fluglinie der Welt. Das inspiriert: "Wir haben versucht, sie schamlos zu kopieren", gesteht Scott Kirby, Vize-Chef von US Airways, die gerade an der Fusion mit American Airlines arbeitet.

Die Entwicklung von Delta Air Lines ist ein kleines Wunder. Als Richard Anderson 2007 seinen Job antrat, war die Fluggesellschaft - wie alle großen US-Linien - eher ein Desaster. "Damals haben wir Delta belächelt, weil ihre Zahlen nach zehn Milliarden Dollar Verlust in zwei Jahren so schlimm waren wie der Service", erinnert sich ein hoher Lufthansa-Insider.

Die Konkurrenten führen diesen Aufschwung vor allem darauf zurück, dass sich Delta bis 2007 aller Altlasten entledigen konnte, unter denen die Flugbranche der westlichen Welt leidet: Hohe Pilotengehälter, festgefahrene Arbeitsregeln und im Boom zu teuer gekaufte Flugzeuge. Tatsächlich rührt der Erfolg aus der Zeit nach dem so genannten Gläubigerschutzverfahren her. Damals nutzte Anderson neue Strategien, die er zuvor abseits der Fliegerei als Chef des Gesundheitskonzerns UnitedHealth Group gelernt hatte: überraschende Investments und geschickte Zukäufe.

2008 schluckte Delta seinen wichtigsten US-Partner Northwest und schleifte in Rekordzeit die Doppelstrukturen. Wo andere Linien an verlustbringenden Strecken festhielten, weil sie Kunden und Mitarbeitern wichtig schienen, strich Anderson. "Wenn wir nichts verdienen, sollten wir auch nicht fliegen", so sein Credo.

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