Flughafen BER Ersatz für Imtech stünde bereit

Exklusiv

Die Imtech-Insolvenz hat den Flughafen BER kalt erwischt - so scheint es. Doch tatsächlich hatte der Airport bereits vor Monaten vorgesorgt und mit einem Alternativpartner einen Vorvertrag abgeschlossen. Der könnte jederzeit einspringen.

Pannenflughafen BER soll erst 2018 öffnen
Seit 2006 wird der künftige Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ schon gebaut Quelle: dpa
09. März 2016Die für Ende 2017 geplante Eröffnung des  Hauptstadtflughafens BER ist nach Informationen des
4. November 2015Am neuen Hauptstadtflughafen haben Firmen in den vergangenen Jahren Mitarbeiter zu Unrecht als Brandschutz-Fachleute ausgegeben. Kontrollen der Flughafengesellschaft hätten ergeben, dass die notwendigen Nachweise für die Fachkunde fehlen, teilte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei sprach er von Einzelfällen im niedrigen einstelligen Bereich seit 2012. Müller ist Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft. Er berief sich auf Angaben der Geschäftsführung um Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Demnach werden die Eignungsnachweise bei der Vergabe von Aufträgen überprüft, danach bei Personalwechseln und besonders seit August 2014 auch bei Audits. Probleme mit dem Brandschutz, etwa auch wegen überbelegter Kabeltrassen, hatten das Projekt weit zurückgeworfen. Quelle: dpa
Flughafen Berlin Brandenburg Quelle: dpa
21. August 2015Die Baufirma Imtech muss Insolvenz anmelden - und den Flughafen wirft das in seinem Zeitplan weiter zurück. Nach Einschätzung der verantwortlichen Taskforce ist es durch die Insolvenz der Gebäudetechnikfirma bisher zu einer Verzögerung der Eröffnung von zwei bis drei Wochen gekommen. Gleichwohl sieht die Flughafengesellschaft die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 „zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Erkenntnisse“ nicht gefährdet. Bis Ende September solle die sogenannte Meilensteinplanung überarbeitet werden. Die Insolvenz habe zu einem „deutlichen Rückgang“ der Mitarbeiterzahlen geführt, so die Flughafengesellschaft. Imtech und eine mitbeteiligte Firma hätten jedoch zugesagt, die Mitarbeiterzahlen schnellstmöglich wieder hochzufahren, um die zeitlichen Auswirkungen „weitestgehend zu begrenzen“. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld Quelle: dpa

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) könnte bei wichtigen Teilprojekten auf Alternativen zu Imtech zurückgreifen. Das geht aus einer E-Mail des Airport-Chefs Karsten Mühlenfeld an den Aufsichtsrat vor, die der WirtschaftsWoche vorliegt.

„Die FBB hat bereits vor circa sieben Monaten Rahmenausschreibungen für Elektrotechnik-Leistungen (…) am BER gestartet“, heißt es in dem Schreiben an das Kontrollgremium. „Wir sind voll handlungsfähig“, so Mühlenfeld. „Wir haben einen rechtswirksamen Vertrag mit einem Rahmenvertragspartner abgeschlossen. Wir können also jederzeit Einzelbeauftragungen vornehmen.“ Bei dem entsprechenden Teilprojekt handelt es sich um Arbeiten an den Starkstromanlagen.

Bester Flughafen Deutschlands

Auch bei den Leistungen der Sanitärtechnik, der Sprinklertechnik, der Wärme-, der Lüftungs- sowie der Kältetechnik für das Fluggastterminal setzt Mühlenfeld auf einen möglichen Alternativ-Partner. Für dieses Gewerk „gibt es eine gesamtschulderische Arge, so dass wir hier – mit allen Schwierigkeiten durch den möglichen Wegfall von Imtech – die Arbeiten auch mit dem zweiten Arge-Partner Caverion weiterführen könnten. Hierzu gab es in der Vergangenheit bereits Gespräche.“

Die Auswirkungen auf den Zeitverzug durch die Insolvenz der Baufirma Imtech könnten damit weniger dramatisch sein als befürchtet. Allerdings gibt Mühlenfeld in der E-Mail an den Aufsichtsrat zu: „Klar ist: Die Imtech-Insolvenz wird Auswirkungen auf den Bauablauf und unsere Meilensteinplanung haben.“ Eine von Mühlenfeld eingesetzte Taskforce werde innerhalb der nächsten 14 Tage „Lösungsalternativen erarbeiten“.

Offenbar favorisiert der Airport-Chef dabei, mit Imtech weiterzuarbeiten. Mühlenfeld warnt in dem Schreiben vor „Schnellschüssen“. Mühlenfeld weiter: „Schon einmal hat die FBB einem wichtigen Projektpartner gekündigt (2012 dem Generalplaner pgbbi) – mit den Folgen dieser Entscheidung kämpft das Unternehmen noch heute. Wir führen nun die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter und den Projektbeteiligten.“

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