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Flughafen Berlin Hartmut Mehdorn warnt vor Fehlstart und fordert weiteres Terminal

BER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn warnt: Wann auch immer der neue Hauptstadtflughafen eröffnet - so wie geplant wird er nicht funktionieren. Mehdorn fordert weitere Investitionen.

Hartmut Mehdorn, Vorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Quelle: dpa

Mit Warnungen vor einem Fehlstart des neuen Hauptstadtflughafens für Berlin drängt Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den Aufsichtsrat zu weiteren Investitionen. „Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist“, warnt Mehdorn in seiner Präsentation für das Kontrollgremium, das am Freitag in Motzen tagt. Er will erreichen, dass die Aufseher unter anderem ein zweites, kleineres Terminal genehmigen.

Ein Eröffnungstermin wird in Motzen aller Voraussicht nach nicht genannt werden - allenfalls ein Zeitraum, in dem der Flughafen BER ungefähr in Betrieb gehen könnte. „Zur Jahresmitte 2015 wollen wir die Unwägbarkeiten so weit abgearbeitet haben, dass wir einen konkreten Eröffnungstermin nennen können“, hatte Mehdorn intern schon im November angekündigt. Ein Start vor 2017 gilt als unwahrscheinlich.

Indessen erwartet Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) von der Aufsichtsratssitzung Angaben zur Perspektive einer Fertigstellung des BER. Dazu müsse die Geschäftsführung eine Aussage machen, sagte Müller dem RBB. Gegebenenfalls müsse man „zusätzliche Finanz- und Baukompetenz“ in den Aufsichtsrat holen.

Pannenflughafen BER soll erst 2018 öffnen
Seit 2006 wird der künftige Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ schon gebaut Quelle: dpa
09. März 2016Die für Ende 2017 geplante Eröffnung des  Hauptstadtflughafens BER ist nach Informationen des "Tagesspiegels" wegen neuer Probleme beim Brandschutz gefährdet. Das Bauordnungsamt habe für den Umbau der Brandschutzanlage weitere Nachweise sowie Nachbesserungen an den Unterlagen gefordert, hieß es. Das könnte auch zusätzliche Bauarbeiten im Terminal nach sich ziehen, wie aus einem internen Schreiben des Flughafen-Technikchefs Jörg Marks hervorgeht. "Wir müssen die Anforderungen des Bauordnungsamts einbeziehen und sehen, wie wir die Nachbesserungen umsetzen können", sagte Flughafensprecher Daniel Abbou der Nachrichtenagentur dpa. Quelle: dpa
4. November 2015Am neuen Hauptstadtflughafen haben Firmen in den vergangenen Jahren Mitarbeiter zu Unrecht als Brandschutz-Fachleute ausgegeben. Kontrollen der Flughafengesellschaft hätten ergeben, dass die notwendigen Nachweise für die Fachkunde fehlen, teilte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei sprach er von Einzelfällen im niedrigen einstelligen Bereich seit 2012. Müller ist Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft. Er berief sich auf Angaben der Geschäftsführung um Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Demnach werden die Eignungsnachweise bei der Vergabe von Aufträgen überprüft, danach bei Personalwechseln und besonders seit August 2014 auch bei Audits. Probleme mit dem Brandschutz, etwa auch wegen überbelegter Kabeltrassen, hatten das Projekt weit zurückgeworfen. Quelle: dpa
Flughafen Berlin Brandenburg Quelle: dpa
21. August 2015Die Baufirma Imtech muss Insolvenz anmelden - und den Flughafen wirft das in seinem Zeitplan weiter zurück. Nach Einschätzung der verantwortlichen Taskforce ist es durch die Insolvenz der Gebäudetechnikfirma bisher zu einer Verzögerung der Eröffnung von zwei bis drei Wochen gekommen. Gleichwohl sieht die Flughafengesellschaft die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 „zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Erkenntnisse“ nicht gefährdet. Bis Ende September solle die sogenannte Meilensteinplanung überarbeitet werden. Die Insolvenz habe zu einem „deutlichen Rückgang“ der Mitarbeiterzahlen geführt, so die Flughafengesellschaft. Imtech und eine mitbeteiligte Firma hätten jedoch zugesagt, die Mitarbeiterzahlen schnellstmöglich wieder hochzufahren, um die zeitlichen Auswirkungen „weitestgehend zu begrenzen“. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld Quelle: dpa

Bis zur Eröffnung sieht Mehdorn noch viel Nachholbedarf: „Es reicht nicht, den BER wie konzipiert fertig zu bauen.“ Gepäckausgabe und Sicherheitskontrollen seien zu klein, es fehlten Check-in-Schalter, Flugzeugpositionen und Parkhäuser, heißt es in der Aufsichtsratspräsentation, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mehdorn fordert Interimslösungen und einen Masterplan für einen dauerhaften Ausbau des Flughafens.

Weiteres Terminal für bis zu zehn Millionen Passagiere

Eine Lösung gib es demnach aber für den Regierungsflughafen. Dieser soll auf dem Schönefelder Airport-Areal gebaut werden. Bis zur Fertigstellung wollte der Bund eigentlich das alte Schönefelder Terminal nutzen, weicht nun aber für die Bauzeit auf einen Interimsbau aus, der nebenan entstehen soll, wie Mehdorn erklärt.

Das gibt ihm die Möglichkeit, im alten Schönefelder Terminal weiter Passagiere abzufertigen, bis der neue Hauptstadtflughafen erweitert ist. Mehdorn will den Aufsichtsrat davon überzeugen, am Nordflügel des Neubaus ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere zu bauen.

Für Planung, Ausschreibung und Bau veranschlagt der Flughafenchef zweieinhalb bis drei Jahre. Das Terminal soll 80 Millionen Euro kosten, mit neuen Vorfeldpositionen, Parkplätzen und anderen Investitionen würden insgesamt 177 Millionen Euro fällig.

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Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere geplant; in diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt schon 28 Millionen sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon bei einer Eröffnung 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, erläutert Mehdorn. Eingerechnet ist für das erste Betriebsjahr eine Sicherheitsreserve von 25 Prozent.

Ein Flughafen-Gutachten geht von mehr als 31 Millionen Passagieren im übernächsten Jahr aus. Mehdorn will deshalb vom nächsten Jahr an einen Masterplan erarbeiten lassen, wie der Flughafen nach der Eröffnung ausgebaut wird. Der Planfeststellungsbeschluss erlaubt bis zu 45 Millionen Passagiere im Jahr. Diese Nachfrage wird nach der Prognose des Flughafens 2030 erreicht.

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