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Flughafen Berlin Letzter Aufruf: Hartmut Mehdorn

Der Ex-Bahn- und Ex-Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wird neuer Chef des BER. Die Entscheidung kann man eine Verzweiflungstat nennen – oder mutig. Mehdorn selbst hat jedenfalls nichts zu verlieren. Das ist seine Chance.

Mehdorns Meilensteine und Pleiten
Hartmut Mehdorn Quelle: dapd
Ein kurzer FlugDas war es dann mit der Ära Mehdorn bei Air Berlin. Sie währte nicht lange. Am 1. September 2011 trat Hartmut Mehdorn - ehemals Chef der Deutschen Bahn - das Erbe von Joachim Hunold beim Billigflieger an - am 7. Januar 2012 gibt er seinen Rückzug bekannt. Der Job war kein leichter. Die Fluggesellschaft steckt in den roten Zahlen. Mit dem Sparprogramm Shape & Size wollte Mehdorn bis 2013 das Ebit um 200 Millionen Euro wachsen lassen. Dazu verkleinerte er die Flotte verkleinert, unrentable Strecken wurden gestrichen, die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien sollen ausgebaut werden. Der ehemalige Bahn-Chef nahm auch in der Luftfahrtbranche kein Blatt vor den Mund. Er schimpfte über die Luftverkehrssteuer und hält andere dazu an, es ihm gleich zu tun - „immer draufhauen“, sagt er. Quelle: REUTERS
Viele Proteststürme hat Hartmut Mehdorn als Bahn-Chef überstanden. Die immer neuen Enthüllungen in der Datenaffäre des Konzern räumte er nur scheibchenweise ein, auf massiven Druck hin musste er am 30. März 2009 seinen Rücktritt anbieten. Das war ihm, der seit Dezember 1999 an der Spitze des Konzerns stand, bisher so oft gelungen. Der Mann mit dem dicken Fell sah sich stets als Opfer böser Anfeindungen. Im "Stern" klagte er einmal: "Wenn in Wanne-Eickel auf dem Damenklo der Wasserhahn tropft, steht in der Zeitung: Der Mehdorn hat die Bahn nicht im Griff". Geplatzer Börsengang, Streiks, gescheiterte Tarifreformen - all das ging vorbei. Mehdorn blieb. Ein Rückblick auf Meilensteine, Pech und Pannen. Quelle: dpa
Mitarbeiter ausgespähtMehdorns letzte Panne als Bahn-Chef: Zuerst waren es 1.000 Mitarbeiter, die man zugab durch einen externen Dienstleister gecheckt zu haben, dann 173.000. Letztlich räumte Mehdorn ein, alle Mitarbeiter seien überprüft worden. Dann wurde bekannt, dass die Bahn über Jahre E-Mails von Mitarbeitern überwacht hat. Politik und Gewerkschaften schäumten, der Bahn-Chef (hier mit dem ebenfalls abgelösten Anti-Korruptionsbeauftragten Wolfgang Schaupensteiner im Hintergrund) empfand Vorwürfe in diesem Zusammenhang dagegen als "unverantwortliche Skandalisierung". Schließlich habe man ja nur Korruption bekämpfen wollen. Quelle: AP
Börsengang adeDer Börsengang war Mehdorns Lieblingsprojekt seit seinem Amtsantritt 1999. Alles hatte sich diesem Ziel unterzuordnen. Selbst als die Finanzmärkte schon längst abwärts gerauscht waren, glaubte der Vorstandschef noch an den Sprung aufs Parkett: Im Zweifel sollten eben Ölscheichs oder Staatsfonds Anteile an der Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics kaufen. Die Bundesregierung, nervös angesichts der absehbar niedrigen Einnahmen, zog die Notbremse und verschob den Börsengang auf unbestimmte Zeit. Eine schwere Schlappe für Mehdorn, der vorab noch nicht einmal über den Schritt informiert worden sein soll. Quelle: dpa
Vorstandsprämien im Fall des BörsengangsFür den Fall, dass der Teil-Börsengang erfolgreich über die Bühne geht, sollte der Bahn-Vorstand Prämien in Höhe von vier Millionen Euro erhalten. Als das bekannt wurde, war die Öffentlichkeit wieder sauer und Mehdorn der Buhmann. Der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wollte erst spät von den Bonus-Plänen gehört haben, gab sich sogleich ebenfalls schwer empört und überließ seinem Staatssekretär die Bauernopfer-Rolle. Der Börsengang floppte, die Vorstandsprämien auch. Quelle: dpa
Haarrisse in ICE-AchsenDie Überprüfung aller ICE-Neigetechnikzüge im Herbst 2008 richtete Chaos im Bahnverkehr an, nachdem bei einer Routineüberprüfung ein Haarriss an einer Achse entdeckt worden war. Mehdorn wütete angesichts der vielen Zugausfälle und Behinderungen gegen die Hersteller und drohte mit Schadensersatzforderungen. Das Eisenbahnbundesamt hatte nach einer Zugentgleisung im Juli in Köln die Bahn dazu verdonnert, die Achsen häufiger zu prüfen. Quelle: dapd

Jetzt mal halblang, Ihr Twitterer! „Und was kommt als nächstes? Benedikt wird Bahnchef?“ büttenredet Christian Jakubetz. „Josef Ackermann übernimmt Vorsitz von Brot für die Welt“, schüttelt sich taz-Redakteur Martin Kaul vor Lachen und Blogger und Kabarettist Bov Bjerg ulkt: „Ponader, das hätte man ja noch verstehen können. Aber Mehdorn?" Mit Verlaub, selten hat ein Shitstorm seinen Namen so verdient. Und selten hat der Verstand auf 140 Zeichen so majestätisch stillgestanden.

Der Mann, dem fast ein Jahrzehnt der Beiname „Bahn-Chef“ anhing und dem der Chefsessel bei Air Berlin eine unvollendete Abklingphase bescherte, kann der ideale Chef der Berliner Flughafengesellschaft werden. Der 70-Jährige hat nichts mehr zu verlieren und ist mit allen Wassern eines Managers gewaschen. Bei der Bahn hat er zumindest gezeigt, wie man eine Behörde in einen Dienstleister umwandelt. Dass der Börsengang durch die Finanzkrise ausfiel, dafür konnte er nichts. Und dass er den Datenschutz bei der Bahn missachtete und deshalb gehen musste, mindert seine Qualitäten als harten Sanierer und Durchgreifer nicht.

Vor einigen Wochen berichtete Matthias Platzeck (SPD) von den Mühen eines Headhunters. Den Verkehrsfachleuten im Bundestag schilderte der brandenburgische Ministerpräsident, wie seine Gespräche mit potenziellen Flughafen-Chefs verlaufen waren: Wann immer die Verhandlungen auf das Thema Gehalt kamen, seien die Telefonate schnell beendet gewesen.

Reihenweise holte sich der Aufsichtsrat Körbe bei deutschen Airport-Managern. Berlin ist ohnehin nicht der größte nationale Player, und noch dazu gibt es ja diese unüberschaubare Baustelle. Da hätte das finanzielle Angebot schon sehr verlockend sein müssen, um ein solchen Ritt antreten zu wollen. Selbst der lange als Hoffnungsträger gehandelte Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender wollte weder BER-Chef noch Aufsichtsratsmitglied werden. Am Ende wurde er wegen der mittlerweile üblichen Indiskretionen nicht einmal Edelberater.

Ganz nüchtern also muss man festhalten: Mehdorn ist nicht die allererste Wahl. Er ist außerdem der Mann, der noch bis vor kurzem als Air-Berlin-CEO Schadenersatzklagen gegen den Hauptstadt-Flughafen angestrengt hat, dessen Chef er nun wird. Der Mann auch, der schon als Bahn-Oberster mit dem Architekten Meinhard von Gerkan einen Strauß über das Dach des neuen Berliner Hauptbahnhofs ausfocht. Von Gerkan hat auch den BER geplant.

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