Flughafen Berlin Tegel könnte bis zu fünf Jahre länger laufen

Der Berliner Flughafen Tegel darf laut aktuellem Gutachten deutlich länger in Betrieb bleiben als bisher geplant. Der neue Hauptstadtflughafen könnte damit früher eröffnen.

Berlins Chaos-Flughafen könnte nun eventuell doch früher eröffnen als zuletzt angenommen. Quelle: dpa

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wagt sich aus dem Fenster – ein bisschen zumindest. „Wir wollen noch in diesem Jahr einen Termin nennen können.“ Konkreter wollte der Aufsichtsratschef des Berliner Flughafens im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nicht werden. Doch angesichts der bislang vierten Verschiebung des Eröffnungstermins des Flughafens ist allein die Ankündigung der Terminankündigung schon eine kleine Sensation.

Tatsächlich könnte das Desaster-Projekt sogar früher in Betrieb gehen als zuletzt angenommen. Nach letzten Prognosen ging der Aufsichtsrat davon aus, dass eine Eröffnung des Flughafens frühestens im Frühjahr 2015 realistisch erscheint. Doch nun könnte sich die Situation laut eines aktuellen Gutachtens des Parlamentarischen Dienstes im Auftrag der FDP-Fraktion ändern. Demnach dürfte der Flughafen Tegel – anders als bislang angenommen  - länger in Betrieb bleiben und damit den Plänen für eine schnellere Eröffnung von BER Nachdruck verleihen.

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Seit 2006 wird der künftige Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ schon gebaut Quelle: dpa
09. März 2016Die für Ende 2017 geplante Eröffnung des  Hauptstadtflughafens BER ist nach Informationen des
4. November 2015Am neuen Hauptstadtflughafen haben Firmen in den vergangenen Jahren Mitarbeiter zu Unrecht als Brandschutz-Fachleute ausgegeben. Kontrollen der Flughafengesellschaft hätten ergeben, dass die notwendigen Nachweise für die Fachkunde fehlen, teilte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei sprach er von Einzelfällen im niedrigen einstelligen Bereich seit 2012. Müller ist Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft. Er berief sich auf Angaben der Geschäftsführung um Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Demnach werden die Eignungsnachweise bei der Vergabe von Aufträgen überprüft, danach bei Personalwechseln und besonders seit August 2014 auch bei Audits. Probleme mit dem Brandschutz, etwa auch wegen überbelegter Kabeltrassen, hatten das Projekt weit zurückgeworfen. Quelle: dpa
Flughafen Berlin Brandenburg Quelle: dpa
21. August 2015Die Baufirma Imtech muss Insolvenz anmelden - und den Flughafen wirft das in seinem Zeitplan weiter zurück. Nach Einschätzung der verantwortlichen Taskforce ist es durch die Insolvenz der Gebäudetechnikfirma bisher zu einer Verzögerung der Eröffnung von zwei bis drei Wochen gekommen. Gleichwohl sieht die Flughafengesellschaft die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 „zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Erkenntnisse“ nicht gefährdet. Bis Ende September solle die sogenannte Meilensteinplanung überarbeitet werden. Die Insolvenz habe zu einem „deutlichen Rückgang“ der Mitarbeiterzahlen geführt, so die Flughafengesellschaft. Imtech und eine mitbeteiligte Firma hätten jedoch zugesagt, die Mitarbeiterzahlen schnellstmöglich wieder hochzufahren, um die zeitlichen Auswirkungen „weitestgehend zu begrenzen“. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld Quelle: dpa

40.000 Mängel warten noch auf Behebung

Die Logik dahinter: Der neue Hauptstadtflughafen könnte sukzessive eröffnen und müsste für den Betriebsstart nicht warten, bis auch die letzte Baustelle erledigt ist. Jüngsten Berichten zufolge gibt es rund 40.000 Mängel in den Terminals, die abgearbeitet werden müssten. Der Kostenrahmen für den neuen Hauptstadtflughafen von bisher 4,3 Milliarden Euro dürfte ohnehin nicht mehr ausreichen. Ein Parallelbetrieb von BER und Tegel würde die angespannte Situation entschärfen.

Für den neuen Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn wäre das ein Segen. Mehdorn hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt eine Fortführung von Tegel gefordert. Allerdings stand dem die bisherige Rechtsprechung entgegen. Die Planfeststellung sieht vor, dass Tegel sechs Monate nach Inbetriebnahme von BER eingestellt werden muss. Doch laut Wissenschaftlichem Parlamentsdienst wäre nun aber „denkbar, zunächst in einem Moratorium die Frist von sechs Monaten zumindest mittelfristig zu erweitern, um die Wirtschaftlichkeit beider Standorte zu erproben“. Martin Lindner, Stellvertretender Vorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, plädierte dafür, die Frist für Tegel „um zwei bis fünf Jahre zu erweitern“. Das würde den Druck rausnehmen, BER „in einem Satz fertig zu stellen“.

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Tatsächlich wäre es so möglich, den Flughafen BER peu à peu zu eröffnen. Zunächst könnte etwa der Linienverkehr über die neuen Terminals abgewickelt werden, während Tegel den Charterbetrieb übernimmt. Auch die Erweiterung des neuen Hauptstadtflughafens, der bereits vor der offiziellen Eröffnung an Kapazitätsgrenzen stößt, wäre so denkbar.

Mehdorn dürfte die Signale aus dem Bundestag daher mit Genugtuung hören. Der frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef hatte jüngst zudem angekündigt, den Architekten des Flughafens, Meinhard von Gerkan, erneut zu engagieren. von Gerkan wurde vor einem Jahr entlassen. Ihm drohte eine Schadensersatzklage in Höhe von 80 Millionen Euro, die die Flughafengesellschaft gegen die Planungsgemeinschaft BBI wegen fehlerhafter Planungen angestrengt hat. Nun  soll die Klage offenbar vorerst ruhen. Aus dem Umfeld der Berliner Flughafengesellschaft ist zu hören, dass die Entlassung offenbar mehr Probleme bereitete als erwartet. Der neue Technikchef Horst Amman will bis Juli ein Sanierungskonzept erarbeiten. Dafür könnte die Mitarbeit von von Gerkan durchaus hilfreich sein.

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