Flughafen Hahn Wieder endet eine Frist im Verkaufspoker

Nach der Bruchlandung beim angestrebten Verkauf des Flughafens Hahn gibt es einen Neustart mit anderen Investoren. Wieder geht eine Frist zu Ende. Wird nun alles besser?

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Fluggäste 2015: 2,65 Millionen 2014: 2,77 Millionen Rückgang: 3,9 Prozent Der Flughafen der Hansestadt gehört zu den Absteigern bei der Anzahl der Passagiere: 14 Airlines fliegen von Bremen aus zu 48 Zielen in 23 Länder Europas, Nord-Afrikas und Asiens. Auch Ryanair fliegt von hier. Quelle: AP

Der Flughafen Hahn soll nach dem geplatzten Verkauf an ein mutmaßlich betrügerisches chinesisches Unternehmen im zweiten Anlauf veräußert werden. An diesem Donnerstag endet wieder eine Frist für Bewerbungen. Bisher sollen sich 18 Interessenten für den Hunsrück-Airport gemeldet haben. Ob alle Angebote seriös sind, ist unklar. Dabei geht es zunächst um den 82,5-Prozent-Anteil von Rheinland-Pfalz am Flughafen, der Rest gehört Hessen, das aber auch verkaufen will. Mehrere Interessenten konnten laut dem Innenministerium nach einer ersten Prüfung der Ernsthaftigkeit schon weitere Daten abrufen.
Haben neue Interessenten den Flughafen auch besichtigt?
Ja. Hahn-Sprecherin Hanna Koch sagt: „Es hat mehrere Besichtigungen gegeben.“ Eine genaue Zahl nennt sie nicht. Sie gehe davon aus, „dass es nationale und internationale Interessenten gewesen sind“. In der Regel würden eine einstündige Rundfahrt und ein Gespräch mit der Hahn-Chefetage angeboten.
Können sich Bewerber auch noch nach dem Donnerstag melden?
Ja. Das Innenministerium teilt in Mainz mit: „Es handelt sich dabei nicht um eine Ausschlussfrist; es können auch nach dem Termin weiterhin entsprechende Interessensbekundungen abgegeben werden.“ Spätere Bieter haben allerdings weniger Zeit, die vertraulichen Hahn-Geschäftszahlen für eine fundierte Bewerbung einzusehen.

Bester Flughafen Deutschlands

Was passiert, wenn ein Verkauf erneut platzen sollte oder nicht zustande kommt?
Wenn das passiert, wäre das ein weiteres Debakel für die rot-gelb-grüne Landesregierung in Mainz. „Absolute Priorität in diesem Verfahren hat der Verkauf“, sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Doch auch die Regierung weiß, dass es anders kommen kann. So dürften hinter den Kulissen auch schon theoretische Überlegungen laufen. Grünen-Fraktionschef Bernhard Braun kann sich vorstellen, das Gelände für Öko-Energien zu nutzen oder Gewerbe anzusiedeln. CDU-Oppositionschefin Julia Klöckner hat für den Fall, dass es keinen Flugbetrieb mehr gibt, eine Experimentierregion vorgeschlagen.

Wie sicher sitzen Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Sattel?
Seit dem Sieg der SPD bei der Landtagswahl hat das Image der Landesregierung gelitten. Dreyer sieht Versäumnisse im Innenministerium und bei der Beratergesellschaft KPMG, die grünes Licht für den Verkauf gegeben hatte, obwohl zwischenzeitlich Bedenken wegen eines Gesellschafterwechsels beim chinesischen Käufer bestanden. Das Innenministerium kritisiert KPMG. Die Berater wiederum haben laut einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in einem Brief davon gesprochen, dass die Regierung auf Zeitdruck beim Verkauf hingewiesen und Warnhinweise ignoriert habe. Das wies Dreyer am Dienstag zurück.

Was sieht der weitere Fahrplan vor?
Die KPMG und der zusätzlich engagierte Wirtschaftsberater Martin Jonas sollen die Bewerbungen für den Flughafen-Kauf bis spätestens Mitte September unter die Lupe nehmen. Es folgen laut Innenministerium Gespräche mit der Hahn-Chefetage. Die Bieter können ihre Bewerbungen zu verbindlichen Angeboten weiterentwickeln. „Anschließend folgt die abschließende Verhandlungsphase mit dem meistbietenden Interessenten“, teilt das Ministerium mit. Zu der Frage, ob der Kaufvertrag auch erst nächstes Jahr unterschrieben werden könnte, macht es keine Angaben.
Wie läuft der Flugbetrieb am Hahn derzeit eigentlich?
Äußerlich ist von seiner finanziellen Krise wenig zu sehen. Derzeit gibt es laut Hahn-Sprecherin Koch 50 Strecken für Passagiere und mit Beginn des Winterflugplans am 1. November noch 40. Die Zahl der Frachtflüge ist allerdings deutlich zurückgegangen. Mit dem Platzhirsch im Passagiergeschäft, dem irischen Billigflieger Ryanair, verhandelt die Flughafengesellschaft nach Kochs Worten über eine fünfjährige Fortsetzung des gemeinsamen Vertrags. Details nennt die Sprecherin nicht. Ryanair will von Ende Oktober an auch den nur 100 Kilometer entfernten Airport Luxemburg anfliegen. Damit könnte im Hunsrück die Zahl der Passagiere aus dem Großherzogtum sinken. Aber es gibt auch einen neuen Lichtblick: Gerade hat der Hahn eine weitere Frachtfluggesellschaft gewonnen, die lettische RAF Avia.

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