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Flughafen Nachtflugverbot stürzt Frankfurt ins Chaos

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Mit der Schnee kommt der Kollaps


Flugzeug im Anflug auf Frankfurt Quelle: dpa

Denn die Regelung geht für die Fluglinien richtig ins Geld. Allein die Lufthansa rechnet mit mindestens 50 Millionen Euro Mehrkosten im Jahr. Weil sie in jedem Fall ihren Passagieren Hotels und Verpflegung zahlen müssen, schlägt jeder Abbruch mit bis zu einer halben Million Euro zu Buche. Dazu hat die Angst vor einer Nacht auf einem Frankfurter Feldbett laut einer internen Berechnung bereits gut 10.000 Kranichkunden zur Konkurrenz getrieben. „Das brauchen wir bei der wachsenden Bedrohung durch Fluglinien vom Golf so wenig wie eine Lungenentzündung“, sagt ein Kollege von Lufthanseat Kratky.

Und das könnte erst der Anfang sein. Spätestens im Winter droht mit der jetzigen Regelung der Kollaps. An schneereichen Tagen wie dem 30. November 2010 sind am Abend oft mehrere Hundert Maschinen verspätet. Bei schlechtem Wetter oder anderen Störungen wie Streiks sind auch Starts bis Mitternacht erlaubt. Im Gegensatz zu früher und nahezu allen anderen europäischen Flughäfen dürfte nach der neuen Regelung aber nur ein geringer Teil der Wartenden in dieser kurzen Zeit noch abheben. Dann könnten Zigtausende Passagiere teilweise für Tage stranden. „Da haben wir echt die Hosen voll“, sagt ein führender Manager einer deutschen Fluglinie.

Sowohl Fraport als auch die Lufthansa hatten vor rund zehn Jahren in einem Mediationsverfahren mit Unternehmen der Region, Politikern und Anwohnern die nächtliche Stille ohne Einschränkung mitgetragen, weil ihnen die neue Bahn pro Stunde bis zu 126 Starts und Landungen statt der bisher knapp 90 erlaubt. Dafür sollte nachts nach 23 Uhr Ruhe herrschen.

Kein Spielraum

Dass die Sache anders kam, liegt an einer politischen Dummheit. Zwar hatte der damalige hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch den Landeskindern ein Nachtflugverbot versprochen. Doch erlaubte seine Regierung in der Baugenehmigung, dem sogenannten Planfeststellungsbeschluss, dann doch wieder 17 Nachtflüge. Damit trat er eine gewaltige Protestlawine los. Die ging nicht nur weit über die bei Großprojekten üblichen Klagen vor Gericht hinaus. Die betroffenen Bürger demonstrierten auch dann zu Hunderten in den Terminals, als die Gerichte die unbedingte Nachtruhe bestätigten. Daraufhin bekam es aus Sicht der Flugunternehmen die CDU mit der Angst. „Um nach den Prozessen nicht auch noch die Macht in Hessen zu verlieren“, vermutet ein Airline-Vorstand, „will die Regierung bei den Bürgern offenbar durch Härte gegenüber uns punkten, indem sie nach 23 Uhr möglichst wenig Flüge zulässt.“

Nachtflugregelungen an europäischen Flughäfen

Den Vorwurf will Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch nicht auf sich sitzen lassen. „Wir entscheiden weder zu rigide noch zu locker, sondern innerhalb des Rahmens, der uns durch Recht und Gesetz gegeben ist. Für uns ist der Planfeststellungsbeschluss bindend.“ Danach seien in Frankfurt Abflüge nach 23 Uhr möglich, wenn die Fluglinie belegen könne, dass sie an der Verspätung keine Schuld trifft. Dabei sieht Rentsch keinen Spielraum. „Wir stehen zwischen den Fluggesellschaften und den Bürgerinitiativen als Wächter des Rechtsstaats. Da gibt es von uns für keine Seite Rabatt.“

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