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Flughafengebühren Preise für Flugtickets könnten fallen

Mit einem umstrittenen Vorschlag will die EU-Kommission für mehr Wettbewerb an europäischen Flughäfen sorgen. Für Passagiere bringt das viele Vorteile

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Anzeigentafel in der Abflughalle Quelle: AP

Weniger Verspätungen, mehr Service und kürzere Wartezeiten bei der Gepäckabfertigung: Wenn es nach der EU-Kommission geht, können Flugpassagiere bald entspannter reisen – und dabei auch noch Geld sparen. Vergangene Woche sprach sich EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel für mehr Wettbewerb bei der Flugzeugabfertigung auf dem Rollfeld aus.

Auf Großflughäfen sollen sich in Zukunft drei statt wie bisher zwei Dienstleister um das Gepäck der Flugpassagiere kümmern und die Maschinen abflugfertig machen. Auch bei der Vergabe von Start- und Landeerlaubnissen, den sogenannten Slots will Kallas bald mehr Konkurrenz sehen. Airlines sollen ihre Genehmigungen nur behalten dürfen, wenn sie diese zu 85 Prozent auslasten. So könnten bis 2025 rund 24 Millionen Fluggäste zusätzlich befördert werden. Bisher lag die vorgeschriebene Auslastung bei 80 Prozent.

Billigflieger nennen noch keine konkreten Pläne

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    Die Fluggesellschaften begrüßen den Vorschlag als Beitrag zur Stärkung der Luftverkehrswirtschaft. Und auch für Fluggäste wäre das neue Gesetz ein Gewinn. Sie könnten in Zukunft nicht nur mit pünktlicheren sondern auch billigeren Flügen rechnen. „Das neue Gesetz könnte für Flugpassagiere einige Vorteile bringen“, sagt Johannes Reichmuth, Professor am Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr an der RWTH Aachen.

    „Was die Airlines weniger für die Bodenabfertigung der Flugzeuge zahlen, können sie in Form von günstigeren Tickets an die Kunden weitergeben“, meint er. Ein Aspekt, der vor allem bei Billigfliegern durchschlagen könnte. German Wings und Air Berlin nannten dazu am Freitag keine konkreten Pläne.

    Reichmuth: „Ob auch die neuen Vergaberegeln bei Start- und Landegenehmigungen zu günstigeren Tickets führen, ist ungewiss.“ Mit der Erhöhung der Mindestauslastung von 80 auf 85 Prozent steige zwar prinzipiell der Zwang auch auf  weniger beliebten Strecken mehr Flüge anzubieten. Das könne für einzelne Airlines aber auch zu Kosteneffizienz und damit zu höheren Preisen führen.

    Gewerkschaften protestieren

    Die Preise für die Abfertigung von Flugzeugen sind in den vergangenen Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Quelle: AP

    Des einen Freud ist des anderen Leid. Wenn die Flugpreise wirklich sinken würde, ginge das vermutlich zu Lasten der Beschäftigten bei den Bodenverkehrsdiensten, mutmaßt Reichmuth. Für Gewerkschaften nicht nur eine Vermutung. Sie protestieren und drohen mit Streiks.

    Und auch die Flughafenbetreiber warnen, eine weitere Liberalisierung des Marktes führe zu Abstrichen bei Servicequalität und Sicherheit. Jens Gieseke vom Flughafenverband ADV: „Wir haben schon jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht.“ In den vergangenen Jahren seien die Preise für die Abfertigung der Flugzeuge schon rund 30 Prozent gesunken. Die Kosten für die Abfertigung einer Airbus A 320-Maschine am Hamburger Flughafen beispielsweise hätten sich in zehn Jahren sogar halbiert.

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      Es kann eng werden auf dem Flughafen

      Gieseke geht davon aus, dass mit zusätzlichen Wettbewerbern zusätzliche Probleme auf die Flughäfen zukämen. Wenn alle Dienstleister ihre eigenen Passagierbrücken und Gepäckwagen über das Rollfeld fahren würden, was bisher die Regel sei, könne es eng auf dem Flughafen werden.

      Flughafenexperte Reichmuth bestätigt das. Möglicherweise müssten dann neue Gebäude gebaut werden. „Das kostet Geld. Und ob es dann insgesamt effizienter wird, kann vorher keiner sagen.“

      Was die Abgeordneten im Europäischen Parlament davon halten, wird sich bei der nächsten Abstimmung zeigen. Wenn auch die Regierungschefs der EU-Staaten den Vorschlag durchwinken, wäre er Gesetz.

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