Fluglinie unter Druck Wie es bei Etihad und Air Berlin weitergeht

Air Berlin hat einen Schlag kassiert. Offenbar will das Luftfahrtbundesamt dem Großaktionär Etihad wichtige Flugrechte entziehen. Doch die Schock-Meldung ist weniger fatal als sie zunächst klingt.

Aufstieg und Niedergang von Air Berlin
Kim Lundgren (l), Mitgründer und Präsident der 'Air Berlin Inc.' und Pilot, mit seinem Sohn Shane Lundgren, ebenfalls Pilot bei Air Berlin Inc. Quelle: airberlin
Joachim Hunold Quelle: airberlin
Einstieg ins Linienfluggeschäft Quelle: airberlin
Service an Bord von Air Berlin 2003 Quelle: airberlin
Niki Lauda (2009) Quelle: dpa
Airbus A 320 (2005) Quelle: airberlin
dba Air Berlin Quelle: AP
LTU Quelle: gms
Bilanz-Pressekonferenz von Air Berlin 2009 Quelle: dpa
Gala 30 Jahre Air Berlin Quelle: airberlin
Pressekonferenz 2011 in Wien, Hartmut Mehdorn(l), Niki Lauda Quelle: dapd
Hartmut Mehdorn Quelle: dapd
Etihad erhöht Anteil an Air Berlin Quelle: airberlin
Wolfgang Prock-Schauer Quelle: dpa
Stefan Pichler Quelle: dpa
Gespräche mit Lufthansa Quelle: dpa
der frühere Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann Quelle: dpa
Juli 2017Überraschend präsentierte Air Berlin einen neuen Verwaltungsratschef und damit den Nachfolger von Joachim Hunold. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann (rechts) stellte mit Ex-Bahn-Vorstand Gerd Becht einen Juristen und Übernahme-Spezialisten als neuen Chefaufseher vor. „Er ist ausgewiesener Experte für Restrukturierungen und Mergers and Aquisitions. Er wird der Air Berlin mit seiner Erfahrung frische Impulse geben“, so die Botschaft von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann. Wem das zu unklar ist: Becht ist Spezialist für das Verkaufen von Unternehmen und soll hier für mehr Schwung sorgen. Quelle: PR
August 2017Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft stellte am 15. August 2017 den Insolvenzantrag, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hat. Damit sei keine positive Fortführungsprognose mehr gegeben, erklärte die Führung von Air Berlin. Diese ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt. Der Flugbetrieb solle mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung weitergehen, erklärte Air Berlin. Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Quelle: dpa

Für Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer war die vergangene Woche noch aufreibender als die die ohnehin schon extrem anstrengenden Monate zuvor. Aber auch erfolgreicher: Rettungsmaßnahmen, mit denen er seine angeschlagene Fluglinie aus der Misere ziehen will, gingen auf. Dem gebürtigen Österreicher gelang es zum Beispiel, den Liefervertrag mit Boeing über 33 Flugzeuge loszuwerden. Damit spart sich Air-Berlin Ausgaben von mehr als 2,5 Milliarden Euro für neue Flieger, die sich die Linie angesichts ihrer maroden Finanzen derzeit nicht leisten kann. Und weil Air-Berlin-Finanzchef Ulf Hüttmeyer künftig auch im Finanzteam seines Hauptaktionärs Etihad aus Abu Dhabi sitzt, dürfte er dort künftig auch etwas mehr Einfluss haben.

Doch nun droht ein Rückschlag: Das Luftfahrtbundesamt will Etihad wichtige Flugrechte entziehen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Eine entsprechende schriftliche Ankündigung der Bundesbehörde hatte Etihad Anfang August erhalten. Der Hintergrund: Die Flugrechte seien entgegen der bestehenden Luftverkehrsabkommen genehmigt worden.

Konkret betrifft das 30 sogenannte Code-Share-Verbindungen, und damit rund die Hälfte der Kooperationsflüge, die unter einer Flugnummer von Etihad fliegen, aber von Air Berlin durchgeführt werden. Darunter sind vor allem Flüge von Berlin ins europäische Ausland. Flüge, die für die Kooperation der beiden Unternehmen von großer Bedeutung sind. Die marode Linie Air Berlin bekommt so die eigenen Flieger voll und Etihad kann Flüge von deutschen Flughäfen und zu Zielen anbieten, die sie aufgrund internationaler Verträge eigentlich nicht ansteuern dürfte.

Zu enge Verbindung

Von Konkurrenten wie der Lufthansa wurde die enge Verbindung zwischen Etihad und Air Berlin schon länger angeprangert, von den Behörden bislang aber toleriert. Im März war Etihad mit 30 Prozent bei Air Berlin als Großaktionär eingestiegen. Ein größerer Einstieg ist nicht möglich, da eine Airline den Betrieb dramatisch herunterfahren müsste, wenn mehr als 50 Prozent der Anteile in ausländischer Hand liegen. Nach den antiquierten Regeln des internationalen Luftverkehrs dürfen zwischen zwei Ländern in der Regel nur Gesellschaften fliegen, bei denen Anteilseigner aus dem Start - oder dem Zielland die Mehrheit der Stimmrechte haben. Ohne diese Verkehrsrechte wäre Air Berlin für Etihad praktisch wertlos.

Nach "Handelsblatt"-Informationen wollen sich zwar weder das Ministerium oder Luftfahrtbundesamt, noch Air Berlin und Etihad offiziell äußern. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass der Plan der Behörden die Airline überrascht. Bislang hatte man eine Regelung erwartet, die den Status Quo unangetastet lässt, aber künftige Finanzhilfe für Air Berlin von Etihad untersagt.

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