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Fluglinie zu verkaufen Wer der beste Käufer für Condor wäre

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Wer ist am besten?

Wer kann was?

Wer für die Condor am besten ist, hängt von drei Faktoren ab: Geld, Hilfe beim Betrieb und Kundenakzeptanz

a) Geld und viel davon
Ein neuer Eigentümer muss erstmal mindestens eine halbe Milliarde Euro einplanen. Diesen Betrag schuldet Condor dem Steuerzahler für die Rückzahlung eines Überbrückungskredits von rund 400 Millionen Euro. Dazu kommen weitere Außenstände.
Dann sollte ein neuer Eigentümer mehrere Milliarden Euro für den Betrieb vormerken. Die Linie hat zwar 15 der vergangenen 16 Jahren profitabel gearbeitet und im vergangenen Jahr operativ 57 Millionen Euro verdient. Das dürfte in diesem Jahr sogar mehr werden. Denn Geschäftsführer Teckentrup und Sachwalter Flöther haben das Insolvenzverfahren genutzt, die im deutschen Maßstab ohnehin vergleichsweise niedrigen Kosten erneut um bis zu gut vier Prozent zu drücken.

Doch das ist nicht genug. Weil die hochverschuldete Ex-Mutter Thomas Cook viel Geld brauchte, hat Condor relativ wenig investiert. Vor allem die betagte Flotte gilt als stark erneuerungsbedürftig. Um zumindest die Hälfte der bis zu 60 Maschinen zu ersetzen, sind bis zu drei Milliarden Euro nötig. „Und selbst wenn die geleast werden, sind schnell Zahllungen von eine halbe Milliarde Euro fällig“, so ein Manager eines Konkurrenten. Dazu sollte ein neuer Eigentümer zumindest im Übergang mit wieder sinkenden Gewinnen rechnen. Denn die neuen Maschinen werden wohl höhere Leasingraten kosten als die alten.

Wertung:
Apollo hat die tiefsten Taschen und dank des breiten Portfolios auch die nötige Geduld.
Lot würde die Leistungen schaffen, aber mit etwas Mühe.

Bei Greybull ist das nicht ganz klar. Mit Investments dieser Größenordnung haben sie wenig Erfahrung.

b) Den Betrieb stärken
Es ist unklar, ob der beliebteste Kalauer der Flugbranche von Investorenlegende Warren Buffett oder Richard Branson stammt. Sicher ist nur sein Inhalt: „Der einfachste Weg Millionär zu werden, ist Milliardär zu sein und eine Airline aufzumachen.“ Im Klartext: Wohl in keiner Branche lässt sich so schnell so viel Geld verlieren, wenn man es nicht richtig macht. „Schon mit einem einzigen Langstreckenflugzeug lassen sich leicht 15, 20 Millionen pro Jahr versenken“; weil Teckentrup. Und Condor hat rund 20 davon. Darum muss ein neuer Investor neben großen Schecks auch dabei helfen, das Tagesgeschäft zu stärken. Denn so ausgefeilt die Linie bislang auch arbeitet: Angesichts der bevorstehenden Flottenerneuerung und der wachsenden Konkurrenz kann selbst Teckentrup Hilfe brauchen. Dabei geht es um die richtige Flottenplanung, darum, das passende Netz zu bauen und am Ende für niedrigere Kosten durch Synergien in Einkauf oder bei der Vermarktung zu sorgen.

Wertung:
Lot bietet als weltweit tätige Airline und mit einem starken Heimatmarkt den größten Nutzen
Apollo kommt dem nahe. Der Fonds hat begrenzte Flugerfahrung, bietet aber dank der Leasingtochter günstige Jets.
Greybull hat relativ geringe Branchenerfahrung.

c) Kunden halten sowie neue gewinnen

Nichts ist schädlicher für die Auslastung einer Fluglinie als ein Insolvenzverfahren. „Spätestens als nach der Pleite von Air Berlin und Germania tausende Flugscheine ersatzlos verfallen sind, bucht da jeder Kunde mit einem bangen Gewissen“, weiß ein führender Manager der Konkurrenz. Dazu kommt als besonderes Problem, dass bei Condor bislang rund 20 Prozent der Passagiere von der ehemaligen Konzernmutter Thomas Cook kamen und dafür dem Vernehmen nach einen Aufschlag auf den Marktpreis kassierte.

Die Lücke gilt es zu füllen. Dafür muss die Condor nun Kunden bei den anderen Veranstaltern holen und sich auf den touristischen Langstrecken auch als Einzelplatzanbieter durchsetzen. Das ist nicht ganz leicht. Denn auch TUI und Lufthansa wollen auf der touristischen Langstrecke wachsen.
Wertung:
Das Apollo-Konsortium bringt dank der Reiseveranstalter den größten Nutzen.
Lot kann mit seinem Vertrieb und der Hilfe der Star Alliance einen Beitrag leisten, wenn auch einen geringeren.
Greybull kann mangels eigener Airlines hier wenig bewirken.

Wer sollte es werden?

Den größten Nutzen würde Condor eine Übernahme durch das Apollo-Konsortium bringen. Die Gruppe hat das meiste Geld, kann die Flugzeuge füllen und hat Erfahrung im Fluggeschäft.
Lot könnte für Condor auch von – wenn auch geringeren – Nutzen sein.
Greybull hingegen kann Condor über das Geld hinaus praktisch keinen Vorteil bieten.

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