Fluglinien Brüchige Bilanz bei Air Berlin

Auch ein halbes Jahr unter dem neuen Chefwechsel Stefan Pichler sind die Zahlen schlecht und die Probleme groß. Trotz radikaler Umbaupläne und guter Vorzeichen bleibt die Frage, ob der Rettungskurs des neuen Konzernlenkers schnell genug greift.

Schlechte Zahlen und große Probleme bei Air Berlin. Quelle: dpa

Wer heute den Geschäftsbericht von Air Berlin für das erste Halbjahr 2015 aufschlug, hatte ein Déjà-vu. „Die Ergebnisse können nicht zufriedenstellen“, begrüßt Vorstandschef Stefan Pichler dort seine Aktionäre. Fast genau diese Worten wählten in den vergangenen vier Jahren bereits seine drei Amtsvorgänger Joachim Hunold, Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer.

Aus gutem Grund. Denn erneut verbucht die Linie einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Pichler versuchte seine Leser gleich zu beruhigen, dass sein Umbauprogramm erste Erfolge zeige, weil er viele Schleuderpreise und unprofitable Flüge gestrichen habe. Dazu deutete Pichler bei der Bilanzvorstellung einen gründlichen Umbau an, bei dem er sich von Teilen des Konzerns trennen wolle.

Doch am Ende kann das angesichts der vielen ausstehenden Probleme keinen Leser beruhigen. Denn auch wenn Pichler mehr bewegt hat als seine Vorgänger, droht die Zeit knapp zu werden. Das Dramatische an der Air-Berlin-Bilanz ist zum einen die Höhe der Verluste, die sich in diesem Jahrzehnt auf rund 1,6 Milliarden Euro summiert – fast ein halber Jahresumsatz. Dazu ist das schon seit langem negative Eigenkapital erneut abgesackt auf nunmehr 575 Millionen Euro. Wenn man die als Eigenkapital getarnten Einlagen vor allem vom Großaktionär Etihad mal rausrechnet, sind es sogar fast 900 Millionen. Eine Menge, angesichts der bevorstehenden Kostenbelastungen.

Die Chronik von Air Berlin

Dazu ist die von Pichler ausgemachte Verbesserung des operativen Geschäfts brüchiger als es der Manager darstellt. Zwar erlöste Air Berlin im zweiten Quartal im Schnitt ein halbes Promille mehr, wenn die Linie einen Passagier einen Kilometer weit flog. Doch leider steigen die Kosten dafür um anderthalb Prozent. Das lag vor allem daran, dass Air Berlin an ihren Flughäfen, für die Flugüberwachung und das Personal mehr Geld zahlen muss. Und zu guter Letzt bekam Air Berlin mehr neue Flugzeuge.

Nichtsdestotrotz versucht Pichler, trotz seiner bayerisch-grantigen Art, Optimismus zu zeigen. Denn die aktuelle Entwicklung verläuft aus seiner Sicht so, wie er es bei seinem Amtsantritt im Februar in einem Drei-Phasen-Plan vorhergesagt hat. Der erste Teil – Neuausrichtung des Managements - sei geschafft, so Pichler.

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