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Flugreise "Mit Koffern reisen ist teuer"

Wer mit seinen großen Koffern zum Flughafen fährt, zahlt heute häufig einige hundert Euro extra - und das nicht nur bei Billigfliegern. Reiserechtsexperte Ernst Führich erklärt die Tücken der Flugbuchungen.

Die wichtigsten Rechte von Fahr- und Fluggästen
Fluggesellschaften dürfen für aufgegebenes Gepäck Zusatzgebühren verlangen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am 18. September entschieden. Eine spanische Regelung, die solche Aufschläge zumindest für den ersten Koffer verbietet, sei nicht mit EU-Recht vereinbar, urteilten die Richter (Rechtssache C-487/12). Für Handgepäck oder am Flughafen gekaufte Waren dürfen indes keine Zusatzkosten anfallen, unterstrichen die Richter - vorausgesetzt, normale Maße werden nicht überschritten. Das Geschäftsmodell insbesondere von Billigflug-Anbietern bestehe darin, die Flüge selbst zu niedrigen Preisen anzubieten und für ergänzende Dienstleistungen zusätzliches Geld zu verlangen, so der EuGH. Dabei sei es „nicht auszuschließen, dass einige Fluggäste es vorziehen, ohne aufgegebenes Gepäck zu reisen, wenn dies den Preis ihres Flugtickets verringert.“ Allerdings müssten die Kosten bei der Buchung klar vorherzusehen sein. Ob dies der Fall ist, müssten bei Bedarf nationale Behörden prüfen. Quelle: dpa
Reiseveranstalter müssen in einer Reisebestätigung nicht die genaue Uhrzeit von Hin- und Rückflug angeben. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe und wies damit eine Klage von Verbraucherschützern zurück (Az: X ZR 1/14). Der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Verbraucherverbände wollte erreichen, dass ein Reiseveranstalter den Abschluss ein Vertrages nicht ohne genaue Uhrzeiten der Flüge bestätigen darf. In den Vorinstanzen waren die Verbraucherschützer gescheitert; auch die BGH-Richter folgten dem nicht. Die Angabe „Genaue Flugzeiten noch nicht bekannt“ sei nicht zu beanstanden, urteilten sie. Wenn beim Abschluss des Vertrags lediglich das Datum vereinbart worden sei, müsse auch die Bestätigung keine genaueren Angaben enthalten. Quelle: dpa
Ein Flugzeug ist erst bei Öffnung einer Tür wirklich angekommen - und dieser Zeitpunkt ist maßgeblich für die Bestimmung von Flugverspätungen. Das hat der Europäische Gerichtshof am 4. September 2014 in Luxemburg klargestellt (Rechtssache C-452/13). Denn solange die Türen geschlossen sind, könnten Reisende nur eingeschränkt mit der Außenwelt kommunizieren. Dies ende erst, wenn Reisende den Flieger verlassen könnten. Hintergrund war ein Streit zwischen Germanwings und einem Passagier. Bei einer Verspätung von über drei Stunden steht Reisenden gemäß einem früheren Urteil des Europäischen Gerichtshofs eine Ausgleichszahlung von 250 Euro zu. Quelle: AP
Billig-Fluggesellschaften dürfen aller Voraussicht nach auch künftig eine gesonderte Gebühr für den Transport von Gepäckstücken verlangen. Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) kommt in einem am Donnerstag in Luxemburg vorgelegten Gutachten zu dem Schluss, diese Art der Preis-Zusammensetzung dürfe in der EU nicht verboten werden. Die Unternehmen dürften selbst entscheiden, ob sie die Gepäckkosten gleich in den Grundpreis des Flugscheins einrechnen oder aber dafür eine Zusatzgebühr verlangen. Das höchste EU-Gericht folgt meist, aber nicht immer dem Gutachten seines Generalanwalts. Das Urteil des EuGH wird erst in einigen Monaten erwartet. Das Gericht muss zu einem Fall aus Spanien Stellung nehmen: Dort sind Zusatzkosten für Gepäck untersagt. Dagegen hatte sich die Billig-Fluggesellschaft Vueling gewendet, die von einer Kundin wegen 40 Euro verklagt worden war. Quelle: dpa
Annullierte Flüge, beschädigte Koffer: Flugreisende beschweren sich in Massen über Ärger mit den Airlines. Innerhalb von nur zehn Wochen sind bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Nahverkehr (SöP) in Berlin knapp 700 Anträge auf Schlichtung eingegangen. Bei zwei Dritteln der Beschwerden sei es um Verspätungen oder gestrichene Verbindungen gegangen, sagte SöP-Geschäftsführer Heinz Klewe. Die Zahl der Anträge überrascht. Flugreisende können sich erst seit November an die Schiedsstelle wenden, sofern ihre Klagen bei den Fluglinien zuvor erfolglos blieben. Schätzungen gehen nun von jährlich 30.000 Anträgen auf Schlichtungen im Flugverkehr aus. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr hatten 3000 Bahnkunden die SöP um Hilfe gebeten. Quelle: dpa
Geld zurück bei VerspätungenOb Unwetter oder Streik: Bahnreisende haben auch bei höherer Gewalt Anspruch auf Entschädigung für Verspätungen. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am Donnerstag entschieden. Reisende haben laut EU-Gesetz bei Verspätungen von ein bis zwei Stunden ein Recht auf Erstattung von mindestens einem Viertel des Preises der Fahrkarte. Ab zwei Stunden muss das Bahnunternehmen mindestens die Hälfte des Preises erstatten. Diese Regelung steht im Einklang mit internationalem Recht, entschied das Gericht nun zu einem Fall aus Österreich. Quelle: dpa
Schäden durch VögelFluggäste müssen Verspätungen wegen Vogelschlags ohne Entschädigung hinnehmen. Wenn Vögel das Triebwerk ihrer Maschine beschädigen, haben die Passagiere kein Anrecht auf eine Ausgleichszahlung von etwa 600 Euro, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe. Juristisch betrachtet gehöre Vogelschlag zu den „außergewöhnlichen Umständen“, die von den Fluggesellschaften nicht beeinflusst werden können. Deshalb seien sie auch nicht dafür verantwortlich zu machen. Der BGH schloss sich mit seinem Urteil den Vorinstanzen an. Verhandelt wurden zwei Fälle von Touristen, die im afrikanischen Gambia und in Fuerteventura festsaßen, weil Vögel in das Triebwerk der Flieger geraten waren. In Fuerteventura geschah dies beim Start, der daraufhin abgebrochen werden musste. Die Kläger wurden auf eine andere Fluggesellschaft gebucht und nach Hamburg statt nach Hannover geflogen. Sie erreichten ihr Zuhause mit einem Tag Verspätung. In Gambia wurde das Triebwerk des Flugzeuges beim Landeanflug von Vögeln so stark zerstört, dass ein Rückflug ausgeschlossen war. Es musste ein neues Flugzeug aus Europa angefordert werden, das erst nach mehreren Stunden eintraf. Diesen Fall wiesen die BGH-Richter nochmals ans Landgericht zurück, um Detailfragen zu klären. Den Hinweis der Kläger, dass solche Unfälle mit sogenannten Vergrämungsaktionen für Vögel mit Falken oder Böllern verhindert werden könnten, hielt der Vorsitzende BGH-Richter Peter Meier-Beck nicht für relevant. Solche Aktionen lägen nicht in der Verantwortung der Fluggesellschaften sondern der Airports. „Zudem können Vögel ja auch außerhalb des Geländes ins Triebwerk geraten.“ Auch die Forderung der Kläger, die Fluggesellschaften hätten für schnelleren Ersatz zu sorgen, hielt Meier-Beck nicht für umsetzbar. Die Fluggesellschaften könnten nicht an jedem Airport Ersatzflieger samt Mannschaft vorhalten. Dies sei nicht zu finanzieren. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Führich, die Lufthansa führt ab September eine Extragebühr von 16 Euro pro Ticket ein, wenn der Kunde nicht direkt bei ihr, sondern über andere Reservierungssysteme bucht. Darf sie das? 

Ernst Führich: Ja, die Extra-Gebühr müssen dann aber die Reiseportale bei den Kundenbuchungen transparent machen, die Lufthansa-Flüge werden dadurch bei den Portalen, die einen Wettbewerbsvergleich zulassen, teurer. Wer die 16 Euro sparen möchte, muss direkt bei der Airline buchen.

Zur Person

Am Donnerstag, 11. Juni, wird die Europäische Union die neue Fluggastrechteverordnung beschließen. Was könnte sich für Fluggäste ändern?

Eventuell werden künftig Entschädigungen erst ab fünf Stunden Verspätung gezahlt. Bisher gibt es für die Kunden schon dann Geld, wenn ein Flug drei Stunden zu spät landet. Die derzeitige EU-Kommission ist recht industriefreundlich. Es ist auch möglich, dass sich Airlines stärker bei außergewöhnlichen Umständen der Haftung entziehen können. Sie würden gerne technische Defekte als außergewöhnliche Umstände gelten lassen, um Kunden keine Entschädigung zahlen zu müssen, wenn Defekte zu Verspätungen führen. Dies würde allerdings die ständige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs aushebeln.

Der Reiserechtsexperte Ernst Führich im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Immer wieder gibt es Ärger um versteckte Gebühren. Hat die vor einem Jahr umgesetzte Verbraucherrechte-Richtlinie die nicht beseitigt?

Nein, sie hat wenig gebracht. Im Wesentlichen wurde im Preisrecht ein Begriff ersetzt. In Deutschland gab es früher bei Reisebuchungen einen Endpreis, jetzt muss bei touristischen Dienstleistungen ein Gesamtpreis angegeben werden. Ziel ist, dass bei allen Buchungen für den Kunden die Pflichtbestandteile des Preises zu einem Gesamtpreis addiert werden und noch einzeln aufgeschlüsselt werden. Doch was Pflichtbestandteile sind und was nicht, kann ja zwischen Anbietern und Verbrauchern noch unterschiedlich interpretiert werden. Bei Buchungen müssen sich Urlauber auch darüber im Klaren sein, dass sie kein 14tägiges Widerrufsrecht bei Buchungen von Reisen und Flügen haben. Nur, wenn man sich vertippt hat, muss die Möglichkeit bestehen, seine Eingabe zu korrigieren.

Bei welchen Preisbestandteilen einer Flugreise müssen die Kunden bei der Buchung besonders vorsichtig sein? Fangen wir mal beim Gepäck an.

Fluggäste sollten bei Koffern sehr vorsichtig sein. Mit Koffern reisen ist heute unter Umständen sehr teuer. Und das gilt nicht mehr nur bei Billigfliegern, sondern auch bei den traditionellen Fluggesellschaften. Immer häufiger wird der Kunde dort auch für aufgegebene Koffer zur Kasse gebeten. Und die Preise sind mitunter sehr hoch. Pro Koffer und jeweils für Hin- und Rückflug werden dann zwischen 20 und 90 Euro fällig. Der Europäische Gerichtshof hat im vergangenen Jahr entschieden, dass Fluggesellschaften für Gepäckstücke, die am Flughafen Check-In aufgegeben werden, zusätzlich Gebühren erheben dürfen, damit ist das quasi Gesetz. Allerdings gilt das nur für aufzugebende Gepäckstücke, nicht jedoch für das Handgepäck, das muss frei sein, kann aber beim Gewicht einer Beschränkung unterliegen. Die Zusatzkosten für die Koffer müssen zwar bereits bei der Buchung transparent aufgelistet werden, aber mit der Transparenz ist das so eine Sache. Häufig sind Angaben nicht ganz klar, oder sie unterscheiden sich bei den Fluggesellschaften von Tarif zu Tarif. Und bei der Buchung einer Reise ist ja häufig dem Reisenden auch noch gar nicht klar, wie viel Gepäck man benötigen wird. Ob sich die Airlines oder etwa auch die Vermittlungsportale an die transparente Darstellung halten, wird national vom Luftfahrtbundesamt (LBA) geprüft.

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