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Frank Sportolari Drohnen lassen viel Raum für Phantasie

UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari erklärt, wie er sich den Einsatz von Drohnen vorstellt, wie stark UPS ins Privatkundengeschäft einsteigen will und ob bald am gleichen Tag geliefert wird.

Wie Drohnen die Wirtschaft verändern
Medikamente per DHL PaketkopterErst im November 2014 hat die Deutsche Post DHL eine Testphase mit Paketdrohnen beendet. Den allerersten Testflug absolvierte der „DHL-Paketkopter“ von einer Apotheke in Bonn zur Konzernzentrale auf der anderen Rheinseite. Anschließend kam eine DHL-Paketdrohne zum Einsatz, die die Notfallversorgung einer Inselapotheke auf Juist sicher stellen sollte. Das hat aus Sicht der Deutschen Post im Alltagsbetrieb gut funktioniert. Die ersten Versuchsflüge des Paketkopters vom Festland zur Insel Juist und zurück waren nach Angaben des Unternehmens erfolgreich. 20 Flüge seien störungsfrei verlaufen, sagte der DHL-Paketchef für Deutschland und Europa, Andrej Busch. Das unbemannte Fluggerät habe auch bei Dunkelheit, Regen und Nebel funktioniert und Medikamente transportiert. Auch Amazon, UPS und Google testen in den USA die Paketzustellung per Minihubschrauber. Quelle: Deutsche Post DHL
Drohnen in der LandwirtschaftAktuell wird vor allem in den USA intensiv über den Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft diskutiert. Luft- oder Satellitenaufnahmen des Pflanzenbestandes zu machen, war bisher teuer. Mit dem Einsatz einer Drohne könnten die Landwirte viel Geld sparen. Denn statt einer ganzen Mannschaft bedürfte es nur einer Person, die die Drohne in die Luft bringt und sie am Ende wieder einsammelt. Per Wärmebildkamera ließen sich kranke Pflanzen im Bestand frühzeitig erkennen. Das Unternehmen " Precision Hawk" bietet derartige Datensammlungen aus der Luft bereits an. Quelle: dpa
Luftaufnahmen ohne viel AufwandOb beim „Tatort“, „Alarm für Cobra 11“ oder Michael „Bully“ Herbigs neuem Kinofilm „Buddy“: Drohnen kommen zunehmend für Filmaufnahmen zum Einsatz. Wo früher Kräne klobige Filmkameras über den Drehort schwenkten oder Filmteams einen Hubschrauber besteigen mussten, machen heute zunehmend Kamera-Drohnen hochauflösende Aufnahmen aus der Luft. Quelle: dpa
Schnelle Lieferung mit „Amazon Prime Air“Wer seine Bestellung beim Online-Shop Amazon besonders dringend haben will, soll sie innerhalb der nächsten fünf Jahre über eine Drohne erhalten können.  In einem Unternehmensfilm zeigte Amazon Anfang  Dezember, wie der Schnelllieferdienst „Amazon Prime Air“ funktionieren soll.  Dabei sollen Kunden nur 30 Minuten auf ihre Bestellung warten müssen. Der Service sei betriebsbereit, heißt es aus dem Unternehmen. Es fehle noch die Genehmigung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration. Quelle: AP
Künstliche DNA an Stromleitungen anbringenImmer wieder fallen Stromleitungen Kupferdieben zum Opfer. Im Kampf gegen Kupferdiebe setzt die Deutsche Telekom zunehmend auf künstliche DNA, um die Kabel zu markieren. Das soll sie unverkäuflich machen. Für die Markierung setzt die Telekom Drohnen ein, wie dieses Foto  vom Juni in Berlin zeigt. Quelle: dpa
Den Transport in Afrika verbessernDer Packesel soll fliegen lernen, finden die Forscher von Afrotech. Die Forschungseinrichtung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne will den in Afrika weit verbreiteten Esel als Transportmittel durch Drohnen ersetzen. So wollen die Schweizer den Wohlstand in Afrika ankurbeln, dessen Verbreitung bisher auch am beschwerlichen Transport scheitert . Denn ein Bauer, der seine Ernte verkaufen will, und kein Auto besitzt, kommt in den Weiten des Kontinents nicht weit. Mit „The Flying Donkey Challenge“ haben die Schweizer einen Wettbewerb gestartet, in dem Tüftler eine Drohne entwickeln sollen, die bis zu 60 Kilogramm über lange Strecken befördern kann. Ein ähnliches Projekt ist Matternet, das ebenfalls Entwicklungsländer mit Drohnen versorgen will. Quelle: AP
Wie Drohnen die Pizzaboten ersetzenEine düstere Zukunft für Pizzaboten: Pizzen, Döner, Tacos und Burritos – all diese Speisen könnten künftig Drohnen ausliefern. Im Juni hat die Schnellrestaurantkette Domino’s Pizza in Großbritannien ihren ersten Drohnen-Testflug mit einer Pizza absolviert. Im März 2012 kündigten die Macher von „TacoCopter“ an, in den USA einen Lieferdienst für Tacos starten zu wollen. Dahinter steckt jedoch vermutlich ein PR-Gag. Konkreter ist die  Tüftler-Gruppe „Darwin Aeropsace“, die im Dezember 2012 Pläne für einen sogenannten „Burrito Bomber“ veröffentlicht hat. Wie die Burrito-Lieferung per Drohne funktionieren soll, ist öffentlich einsehbar, sodass jeder seinen eigenen „Burrito Bomber“ bauen kann. Im August 2012 haben sich Unternehmer, Ingenieure und Designer in Freiburg zusammen getan, um den sogenannten „DönerCopter“ auf die Beine zu stellen, der unbemannt Kebap ausliefern soll. Quelle: Screenshot

Herr Sportolari, haben Sie selbst schon einmal Pakete ausgetragen?

UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari

Frank Sportolari: Meine Uniform hängt zwar stets griffbereit, so wie bei UPS Management üblich. Aber ich bin hier eine Ausnahme, da ich nicht als Zusteller gearbeitet habe, sondern am 15. September 1986 als Management Trainee in der Buchhaltung bei UPS in München begonnen habe.  Ich fahre heutzutage ab und an mal mit. Es ist manchmal sehr amüsant, wenn die Leute nicht wissen, wer man ist.

An der Haustür liefern Sie Ihre Pakete aber bislang kaum ab, sondern vor allem an Firmenkunden. Dabei wächst doch vor allem das Geschäft mit den privaten Kunden, weil wie wild bei Amazon und Co. bestellt wird?

Das stimmt, doch unser Hauptgeschäft liegt im Expressgeschäft,  also der zeitkritischen Zustellung zum Beispiel von Ersatzteilen für Unternehmen. Hier investieren wir stark. An unserem Umschlagsplatz am Flughafen Köln haben wir zum wiederholten Mal expandiert und 200 Millionen Dollar investiert, so dass 190 000 Pakete pro Stunde sortiert werden können. 37 Flieger, darunter auch Jumbo Jets, starten täglich von und nach Köln.  Im Exportbereich, also beim internationalen Versand aus Deutschland, sind wir allein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahr bereits um fast zehn Prozent gewachsen und damit schneller als UPS in Europa, wo das Wachstum fünf Prozent betrug.

Aber viele Unternehmen, für die wir beispielsweise schon Ersatzteile über Nacht liefern, wollen zunehmend auch an private Kunden liefern. Viele  kommen daher auf uns zu und fragen, ob wir das machen wollen. Insgesamt liegt unser Schwerpunkt aber eher auf komplexen Logistiklösungen, also beispielsweise  der Austausch eines defekten Handys, bei dem wir ein neues liefern und das alte direkt wieder mitnehmen, und natürlich auf dem internationalen Geschäft.

Trotzdem haben Sie für Privatkunden im vergangenen  Jahr 2000 Paketshops eingerichtet, in denen Privatkunden ihre Päckchen abholen können. Wollen Sie in dem Bereich stärker wachsen als bisher?

Kerngeschäft bleibt unser Geschäft mit Firmenkunden. Wir  sind offen für den Versand an Privatkunden sowie von Privatkunden, und wir wollen allen Kunden zunehmend flexible Lösungen anbieten.

…weil Kunden es satt haben, ihre bestellten Bücher oder ganze Weinladungen am anderen Ende der Stadt abholen zu müssen, weil der Paketbote sie nicht angetroffen hat?

Genau. Wir haben 2012 die Technikplattform Kiala gekauft, mit der Kunden in den Benelux-Ländern, Frankreich und Spanien ihre Pakete nachverfolgen und zu einem bestimmen Abgabepunkt bestellen können. In den USA bieten wir über unseren Service UPS My Choice ebenfalls die Möglichkeit, den passenden Liefertermin festzulegen und einen Zustellort zu wählen. In diesem Jahr wird UPS My Choice auch in Deutschland starten.

Gehört zu einem guten Service dann nicht auch, die Bestellungen am gleichen Tag zu liefern?

Bei unseren Express-Angeboten können wir Lieferungen, die am Abend am Flughafen in Köln sind, am nächsten Tag in den gesamten USA zustellen. Dadurch kann etwa ein deutscher Mittelständler sehr gut mit einem dort ansässigen Unternehmen konkurrieren, da wir die Entfernung ein gutes Stück weit nivellieren. Erfahrungen mit Lieferungen am gleichen Tag haben wir bislang testweise über den britischen Kurierdienst Shutl gesammelt, an dem wir Anteile erworben hatten. In großen Städten kann ich mir vorstellen, dass es funktioniert. Gerade bei ländlichen Adressen wird das aber schwierig. Wenn ich bis 15 Uhr meine morgens bestellten Gummistiefel beim Trecker haben will, kann das kaum funktionieren.

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Die Deutsche Post liefert zunehmend auch Lebensmittel. Ist das für Sie auch ein Geschäftsmodell?

In speziellen Bereichen liefern wir bereits Lebensmittel aus. Wir übernehmen den Versand von Feinkostlebensmitteln wie Kobe Style Rind, das Fleischliebhaber über Otto Gourmet bestellen können oder verschicken Fisch von einem Bremer Fischhändler.

Und bald kommt dann der Fisch oder das Kobe Style Rind per Drohne ins Haus geflogen - ein gelungener PR-Gag oder Ihr Geschäft der Zukunft?

Es handelt sich hier um eine interessante Technologie. Sie lässt viel Raum für Phantasie, was das Potenzial angeht. UPS beobachtet diese Technologie und die Marktentwicklung genau. Den Einsatz kann ich mir eher in ländlichen oder schwer erreichbaren Gegenden vorstellen. Vielleicht für Lieferungen auf kleine Inseln oder in Bergregionen. Auch der Einsatz im Falle von Naturkatastrophen ist gut vorstellbar, insbesondere dann, wenn es keine Infrastruktur gibt oder diese zerstört ist.

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