Frankfurter Flughafen Der Streik geht weiter

Die rund 200 streikenden Vorfeldmitarbeiter am Frankfurter Flughafen setzen ihren Ausstand fort. Die Folgen sind gravierend - sie könnten sich noch zuspitzen.

Lange Warteschlangen am Frankfurter Flughafen

Am heutigen Freitag will die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mit 14 Stunden doppelt so lange streiken wie am Donnerstag. Zahlreiche Flüge werden ausfallen oder verspätet ankommen. Laut dem Flughafenbetreiber Fraport sind bereits 282 Flüge für Freitag abgesagt.

Am Donnerstag waren 172 von 526 geplanten Flügen in der Streikzeit ausgefallen. Am Freitag sollten in der streikbedrohten Zeit von 8 bis 22 Uhr sogar 1082 Maschinen starten oder landen. Der Flughafen geht aber dennoch davon aus, mindestens 50 Prozent des Flugbetriebs sicherstellen zu können.

Bildergalerie: Wer Deutschland lahmlegen kann

Wer Deutschland lahmlegen kann
Gewerkschaft der Flugsicherung: Die GdF beziffert ihren Organisationsgrad auf deutlich mehr als 80 Prozent der etwa 2000 Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS). Auch in den anderen Berufsgruppen für den unmittelbaren operativen Betrieb, zum Beispiel Techniker und Flugdatenverarbeiter, sei die Quote ähnlich hoch. Das Personal (vor allem Fluglotsen, aber auch Techniker und Ingenieure) arbeitet in vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands. Quelle: dapd
Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat gerade einmal knapp 3000 Mitglieder - der Flugsicherung. Trotzdem ist ihre Macht groß, denn wenn die Fluglotsen in den Ausstand treten, darf kein Flugzeug mehr abheben. Erst kürzlich drohte die GdF, durch einen Streik den gesamten Flugverkehr lahmzulagen. Dann sagte sie den Ausstand aufgrund der Vulkanasche-Wolke zunächst ab und einigte sich schließlich noch vor einem Streik mit den Arbeitgebern. Quelle: dpa
Unabhängige Flugbegleiter Organisation: Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation hat , nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Mitglieder. Sie vertritt das Kabinenpersonal der Fluggesellschaften. Flugbegleiter gründeten sie 1992, da sie sich von den großen Gewerkschaften nicht ausreichend gut vertreten sahen. Streiks der UFO-Beschäftigten bei Lufthansa wurden im vergangenen Jahr in letzter Minute mit einer Tarifeinigung abgewandt. Auch derzeit verhandelt UFO wieder mit Lufthansa. Quelle: dpa
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (Fahrpersonal): Von den rund 11.000 Zugbegleitern der Deutschen Bahn sind nach GDL-Angaben 30 Prozent GDL-Mitglied, also etwa 35.000 Mitglieder. Die kleine Gewerkschaft sorgte vor allem mit ihren Streiks im Winter 2007/2008 für Aufsehen, als zwar nur wenige der Lokführer ihre Arbeit niederlegten, den Bahnverkehr damit aber massiv mit beeinträchtigten. Quelle: dpa
Die GDL vertritt das gesamte Fahrpersonal, neben den Lokführern also auch etwa Zugbegleiter. Ihr Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn gilt trotzdem nur für Lokführer - auch für die der anderen Bahngewerkschaften. Die GDL wehrt sich gegen den Kurs von Transnet und GDBA, denen sie eine zu große Nähe zur Bahn vorwirft. Quelle: dpa
Transnet: Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands hat die Eisenbahner ebenfalls vertreten, fusionierte am 30. November 2010 jedoch mit der Verkehrsgewerkschaft GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die bei ihrer Gründung 240.000 Mitglieder hatte. Die GDL wirft der Konkurrenz-Gewerktschaftlern stets eine zu große Nähe zu der Deutschen Bahn vor. Quelle: dpa
Vereinigung Cockpit (Flugkapitäne): Die VC vertritt rund 8200 Piloten aller deutschen Fluggesellschaften. Als die VC-Piloten bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa streikten, hoben nur noch wenige Flugzeuge ab. Meist geht es den Streikenden darum,  Erreichtes gegen Einschnitte zu verteidigen. Quelle: dpa

Die Gewerkschaft will den Streik in der kommenden Woche sogar noch verschärfen, wenn Fraport nicht einlenkt. „Wir werden nicht zurückstecken“, erklärte Tarifvorstand Markus Siebers. Bei einem Stillstand der Gespräche werde „definitiv“ wieder gestreikt und erneut 24 Stunden vorher gewarnt. Am Wochenende werde es voraussichtlich keinen Ausstand geben. Ein Fraport-Sprecher forderte die GdF erneut auf, kompromissbereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Beschäftigten wollen den Betreiber zur Annahme des Schlichterspruchs zwingen. Die Gewerkschaft fordert drastische Lohnsteigerungen für die kleine, aber mächtige Beschäftigtengruppe.

Der Frankfurter Flughafen in Zahlen

Der Streik beschert der Bahn mehr Passagiere

Ein Unternehmen profitiert von dem Streik am Frankfurter Flughafen: die Bahn hat mehr Passagiere. Es gebe ein erhöhtes Fahrgastaufkommen, sagte ein Sprecher des Unternehmens in Berlin. An den betroffenen Bahnhöfen seien mehr Mitarbeiter im Einsatz. Auch würden Züge bei Bedarf verlängert. Das sei am Donnerstag, dem ersten Streiktag, bereits geschehen.

Zusätzliche Züge setzte die Bahn bisher nicht ein. Reisende von Lufthansa und Air Berlin, die ihre innerdeutschen Flüge wegen des Streiks nicht antreten können, dürfen ihr Flugticket den Angaben nach auch am Freitag in einen Bahngutschein umtauschen.

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