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Fritz Joussen „Chinesische Kunden sind Innovationstreiber“

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„Unser Ziel für China und die neuen Märkte ist eine Milliarde Euro ab 2022“

Wie wichtig ist TUI als Marke Made in Germany? 

Die Chinesen sind sehr markenfokussiert und kaufen am liebsten bei internationalen Anbietern. TUI ist heute der weltweit größte Touristikkonzern, in mehr als 100 Ländern der Welt aktiv. Wir sind international, aber unsere Wurzeln liegen in Deutschland. Und die Marke „Made in Germany“ ist noch einmal besonders stark in China. Deutschland hat etwas von Klassik, Kultur und guter Organisation und Qualität. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für uns. Und trotzdem setzten wir zunächst auf das B2B-Geschäft, ohne die TUI-Marke zu etablieren. Eine Marke auf einem Markt mit über einer Milliarde Menschen bekannt zu machen, ist ein erhebliches Risiko. Wir wollen jetzt nicht einige 100 Millionen Euro in Marketing investieren, sondern uns erst über unsere Hotels, Clubs und das Kundenerlebnis einen Kundenstamm aufbauen und unsere Marken bekanntmachen. 

Wo die Welt Urlaub macht

In China läuft mittlerweile alles übers Handy. In Europa setzen Sie auf Reisebüros. Exportiert TUI jetzt Reisebüros nach China?

Nein. Der TUI Vertrieb, also unsere Reiseveranstalter im Konzern, ist immer so digital wie es die Kunden und Märkte sind. Da gibt es auch in Europa sehr große Unterschiede. TUI Schweden ist fast 100 Prozent online, England 60 Prozent, Deutschland erst 20 Prozent. Wir investieren in den neuen Märkten wie China aber nicht in Offline-Infrastruktur, sondern werden nur digital vor Ort sein. Wir vermarkten unsere Robinson Clubs über chinesische Anbieter wie ctrip und Fliggy. Unsere Urlaubsreisen nach Portugal können unsere chinesischen Kunden heute schon übers Handy buchen. Jetzt geht es uns aber darum, Individualreisen anzubieten. Chinesische Urlauber wollen zunehmend nicht mehr pauschal in Gruppen buchen, sondern wie die europäischen Urlauber individueller reisen und die Bausteine zusammenstellen. Dafür braucht man einen flexiblen Buchungsprozess, den wir Ihnen bieten können. Darüber sprechen wir gerade mit Fliggy von Alibaba, die ein großes Interesse an unserer Technologie haben.   

Wie viel lassen Sie sich das Abenteuer China kosten?

…kein Abenteuer, sondern ein Plan mit konkreten Zielen und Ergebnissen, die wir ab 2022 liefern müssen. Wir haben heute 120 Mitarbeiter bei TUI China, auf die wir zugreifen. Und wir haben die IT entwickelt, die wir brauchen. Darüber hinaus wollen wir schrittweise mit den Partnern in China wachsen. 

China ist der größte Tourismusmarkt der Welt. Wird er für Sie bald wichtiger als der europäische Markt sein?

Unser Umsatz beläuft sich heute auf rund 17 Milliarden Euro, unser Ziel für China und die neuen Märkte ist eine Milliarde Euro ab 2022. Aufgrund der Größe und Dynamik, wird China sicher neben Europa, Nordamerika und Kanada ein weiterer wichtiger Markt für uns. Die chinesischen Kunden spielen aber bereits heute eine wichtige Rolle als Innovationstreiber. Wie konsumiert der Kunde, wie bestellt er? Da ist der chinesische Markt dem europäischen voraus. Ich war gerade privat für zwei Wochen in China unterwegs. Auf dem Nachtmarkt habe ich meinen Tintenfisch mit dem mobilen Bezahldienst auf dem Handy bezahlt. In Deutschland undenkbar.

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