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Fusion von T-Mobile US und Sprint Mega-Deal im Sinne der Telekom-Aktionäre

Fusion von T-Mobile und Sprint. Quelle: REUTERS

Ende eines zähen Ringkampfes in den USA: T-Mobile und Sprint fusionieren und fordern gemeinsam die langjährigen Mobilfunk-Marktführer AT&T und Verizon heraus.

Gäbe es Basisdemokratie bei Aktiengesellschaften, dann hätte sie bei der Deutschen Telekom blendend funktioniert. Denn wie der Stand der Fusionsgespräche zwischen den beiden US-amerikanischen Mobilfunkbetreibern T-Mobile und Sprint war, ließ sich sehr gut am Wert der T-Aktie ablesen. Als die Chefs der Deutschen Telekom, Tim Höttges, und Softbank, Masayoshi Son, im November vergangenen Jahres den Abbruch aller Gespräche verkündeten, sackte der Kurs der T-Aktie langsam ab und fiel im Februar erstmal seit langem wieder unter die 13-Euro-Marke. Kaum machten Gerüchte über eine Wiederaufnahme der abgebrochenen Gespräche die Runde, erholte sich auch die T-Aktie und hüpfte schnell wieder über die 14-Euro-Marke.

Das Votum der Aktionäre ist also eindeutig: Die überwiegende Mehrheit will, dass die Telekom ihren teuren Alleingang in den USA beendet und zusammen mit Sprint die beiden Giganten AT&T und Verizon angreift. Insofern hat Konzernchef Höttges alles richtig gemacht, als er die mehrfach festgefahrenen Verhandlungen jetzt doch noch zu einem glorreichen Abschluss gebracht hat.

In den Verhandlungen verfolgte Höttges vor allem ein Ziel: Die Telekom muss so stark in der neuen Gesellschaft vertreten sein, dass das florierende US-Geschäft weiter in der Bilanz enthalten ist und die Telekom ihre Quartalsberichte mit den höheren Wachstumsraten in den USA schmücken kann. Höttges liebt es, Wachstumsgeschichten zu erzählen. Ohne das US-Geschäft wäre das schwierig geworden. Dieses Ziel hat der Telekom-Chef nun erreicht. Die Telekom wird an einer fusionierten T-Mobile-/Sprint-Gruppe zwar nur etwas mehr als 40 Prozent der Anteile halten. Die Telekom behält aber die Stimmrechtskontrolle und kann dadurch die US-Kennzahlen auch zukünftig in ihrer Bilanz konsolidieren.

Das langjährige Sorgenkind könnte sich aus mehreren Gründen sogar zur wichtigsten Auslandsbeteiligung der Telekom mausern:

Erstens hat das Unternehmen eine konkurrenzfähige Größe erreicht: Mit Sprint zusammen stößt T-Mobile in eine Liga vor, die bisher von AT&T und Verizon besetzt war. Zusammen kommt das fusionierte Unternehmen auf 127 Millionen Kunden und konkurriert damit auf Augenhöhe mit den bisherigen Marktführern.

Zweitens bleibt T-Mobile-Chef John Legere als Kapitän an Bord und soll auch die neue Gesellschaft führen. Das Kommunikationsgenie war bisher der Garant dafür, dass Kunden von AT&T und Verizon weglaufen und zu T-Mobile wechseln. „Ich kann es kaum abwarten zu sehen, wie viele Kunden AT&T im ersten Quartal verloren hat“, hatte Legere erst vor wenigen Tagen auf Twitter gefrotzelt. Der Twitter-König soll auch Chef des fusionierten Unternehmens bleiben.

Und drittens genießt die einstmals so ramponierte Marke T-Mobile in den USA inzwischen einen so guten Ruf, dass es grob fahrlässig gewesen wäre, das fusionierte Unternehmen unter einem anderen Namen laufen zu lassen. Deshalb ist es eine gute Entscheidung, wenn auch Sprint und Softbank dem Erfolg Tribut zollen und T-Mobile als Dachmarke den Vorzug geben.

Gerade noch rechtzeitig vor der Hauptversammlung am 17. Mai hat Telekom-Chef Höttges in den USA alles so angerichtet, dass die Aktionäre ihm zujubeln und auf weitere Kurssteigerungen hoffen können.

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