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Fußball Quantensprung für die Liga

Was der Verkauf der TV-Rechte der Bundesliga für Vereine, Käufer und Zuschauer bedeutet.

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Ein Sky-Kameramann bei einem Fußballspiel Quelle: REUTERS

Nicht einmal eine halbe Stunde hat es gedauert, dann war der Spuk vorbei: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat ihr wertvollstes Gut, die Übertragungsrechte der Bundesliga, für stolze 2,5 Milliarden Euro an insgesamt fünf Medienunternehmen verkauft. Dabei war am Ende weniger überraschend, wer am Ende die Nase vorn hatte im Poker um die Rechte.

Sky setzte sich gegen den Hauptkonkurrenten Deutsche Telekom beim Kampf um die teuren Live-Rechte durch, der Magentariese ging sogar bei den IPTV-Rechten leer aus und muss nun entscheiden, wie und wo er in Sachen Fußball weitermachen will bei seinem Angebot Entertain.

ARD und ZDF wiederum sicherten sich die Rechte für Sportschau und Aktuelles Sportstudio, der Privatsender Sport 1 kaufte erneut Zweitligarechte, und der Berliner Axel Springer Verlag – ein Novum – kaufte die erstmals vergebenen Rechte, Zusammenfassungen der Samstagsspiele ab eine Stunde nach dem Abpfiff im Internet und auf Mobilgeräten gegen eine Gebühr zu zeigen. Damit steigt Springer praktisch ins TV-Geschäft ein.

628 Millionen Euro pro Saison

Der eigentliche Hammer jedoch – und darüber wirkte selbst der sonst hart gesottene und eloquente DFL-Chef Christian Seifert einigermaßen geplättet – liegt tatsächlich in der Summe, die die fünf Rechtekäufer gemeinsam ab der Saison 2013 / 2014 bis 2016 / 2017 auf den Tisch der DFL legen. Im Schnitt 628 Millionen Euro pro Saison zahlen Sky, ARD, ZDF, Sport 1 und Axel Springer fürs Kicken und Bolzen, das sind gut 50 Prozent mehr als für den aktuell laufenden Vertrag, bei dem die Liga auf im Schnitt 412 Millionen Euro kam.

Die Pakete im Überblick

Hinzu kommen noch einmal knapp 80 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung der Liga, macht in der Summe gut 700 Millionen Euro, die pro Spielzeit an die 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga ausgeschüttet werden. Ein eindrucksvolles Ergebnis für die DFL, ein Ritterschlag sicher für Christian Seifert und sein Team, die sehr geschickt und weitsichtig einen Bieterwettstreit inszenierten, der in dem Milliardenergebnis gipfelte.

Nun ist es an den erfolgreichen Bietern, allen voran Sky, die 485,7 Millionen Euro pro Saison aufgerufen haben, aus dem Rechtekauf Kapital zu schlagen. Zwar stieg die Sky-Aktie bereits seit heute früh, als erste Gerüchte die Runde machten, der Bezahlkanal habe das Rennen gemacht. Doch der horrende Kaufpreis will erst einmal wieder eingespielt werden.

Wette auf eine ungewisse Zukunft

Der DFB-Pokal Quelle: dpa

Er ist eine Wette auf die Zukunft des nach wie vor schwer defizitären Medienunternehmens. Natürlich: Ohne Fußball sähe es düster aus für Sky. Doch wie hell die Zukunft nun leuchten kann, das hängt maßgeblich davon ab, ob Vorstandschef Brian Sullivan und seine Mannschaft dauerhaft noch mehr Abonnenten gewinnen können. Die Ideen dazu sind da, den langen Atem und das Vertrauen in die Sullivan scheint Großaktionär Rupert Murdoch ebenfalls zu haben – eindrucksvoll dokumentiert mit dem Milliarden-Investment.

Auch die ARD dürfte zufrieden sein, und mit ihr die Sponsoren der Vereine, denen die Sportschau eine weithin sichtbare Plattform bietet. Zwar war auch Christian Seifert nicht müde geworden, die Bedeutung der Sendung während des Aufgalopps zum Poker herunterzureden. Doch das darf wohl getrost als Schachzug verstanden werden, dazu angetan, die Preise in die Höhe zu treiben.

Ähnliches dürfte für den steten Wink mit den angeblich so interessierten US-Internetkonzernen gelten, die bereit seien, in Bundesliga-Beine zu investieren. Unter den siegreichen Bietern sind sie jedenfalls nicht gelandet, so wichtig war ihnen das Thema wohl nicht. Für die Zuschauer ändert sich damit zunächst nicht viel im Vergleich zur laufenden Saison: die Sportschau kommt wie gehabt ab 18.30 Uhr, ergänzt nun aber auch durch die Möglichkeit, die Sendung parallel im Web und auf Mobilgeräten wie Smartphones zu verfolgen. Privatsender kamen bis auf Sport 1 nicht zum Zug – es wird nicht lange dauern, bis wieder Ärger aufkommt über das gebührenfinanzierte Einkaufsparadies bei ARD und ZDF.

Ab 2016/17 ist der DFB-Pokal unterm Hammer

Wer dagegen noch mehr Fußball und das vor allem live will, der kauft sich wie gehabt ein Sky-Paket. Gut möglich, dass Sky-Chef Sullivan über neue Einstiegspreise nachdenkt, um die Zahl der Abonnenten zu steigern. Und auch wenn die neuen Käufernamen fehlten und eben kein Internetreise zuschlug: Für Seifert und die DFL wiederum öffnet sich die Tür in Zukunft durch einen weiteren cleveren Schachzug. Ab 2016 / 17 verkauft die DFL auch die Medienrechte am DFB-Pokal.

Die hatte bislang noch der Deutsche Fußballbund in Eigenregie verkauft und ganz im Gegensatz zu den Ligarechten dabei sogar mit gerade mal 34 Millionen Euro ein Viertel weniger erlöst als zuvor. Hier dürfte noch einiges an Musik drin sein für die Liga-Spitze. Womöglich werden sich hier dann auch neue Chancen für den Verkauf von Einzelrechten an reine Internet-Anbieter ergeben.

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Anders als bei der heiligen Kuh  Bundesliga ist der Fan in Sachen DFB-Pokal vermutlich nicht ganz so konservativ und bereit, innovative Formate im Netz und gegen Extra-Zahlung zu schlucken. Für Seifert und seine Truppe heißt es jetzt erst einmal durchatmen – nach dem Spiel  ist vor dem Spiel.

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