Fussball-WM Krachmacher mit TÜV

Was für die Fans bei der Südafrika-WM 2010 die Vuvuzela-Tröte war, soll diesmal die ComBinho werden.

Bild der ComBinho Quelle: obs

Das Teil hat das Zeug dazu, zum Hit vieler Kinderzimmer und zum Schrecken der Eltern zu werden, denn man kann einen Höllenlärm damit erzeugen. „Die ComBinho ist eine Kombination der vier klassischen Samba-Instrumente Trommel, Rassel, Ratsche und Pfeife und soll deutschen Fans bei der Fußball-WM zu einem Rio-Feeling verhelfen“, sagt Gerd Kehrberg, einer der drei Gesellschafter und Gründer der Werbemittelagentur Brandivision aus Monheim bei Düsseldorf, die sich das Set ausgedacht haben.

Exklusivpartner für das Samba-Set ist Mediamarkt, wo gut zwei Millionen der im chinesischen Shenzhen produzierten Krachmacher seit April für 9,90 Euro in den Regalen liegen. Betriebswirt Kehrberg, Vertriebsexperte Frank Urbas sowie Designer Dirk Hagen Zimmermann haben Erfahrung mit erfolgreichen Fan-Artikeln: Die Vuvuzela zur WM in Südafrika war ihre Idee.

Small Talk WM

Stammgeschäft von Brandivision sind Werbemittel. „Wir entwickeln, produzieren und vertreiben Artikel, die den Verkauf anderer Produkte befeuern“, sagt Kehrberg. Rund 15 Millionen Give-aways wie Flaschenöffner oder Feuerzeuge haben die Werber seit 2009 verkauft.

Eingebaute Samba-Pfeife

In normalen Jahren ohne Fußball-Großevents kommt Brandivision auf einen Umsatz von rund drei Millionen Euro. 2014 mit der WM in Brasilien wird für das mittlerweile 16 Mitarbeiter zählende Unternehmen zum Ausnahmejahr: Rund 20 Millionen Euro Umsatz mit WM-Fanartikeln haben die Monheimer schon sicher. Neben der ComBinho sind noch im Angebot: schwarz-rot-goldene sogenannte FlagTags, das sind Autofinnen, die seitlich in die Schlitze der Motorhaube geklemmt werden und die alle Opel-Händler als Give-away an potenzielle Kunden verteilen, sowie ein Flaschenöffner mit eingebauter Samba-Pfeife, der Apito de Copa heißt.

Ganzkörper-Fanartikel im Trend

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte 2008. Kehrberg war Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen. Ein aus Südafrika zurückgekehrter Geschäftspartner erzählte ihm von der in Europa unbekannten, am Kap aber legendären Traditions-Tröte.

„Mit dem Bezug zur südafrikanischen Kultur und zum Fußball lag es auf der Hand, aus der Vuvuzela einen Fanartikel für die bevorstehende WM zu machen“, erinnert sich Kehrberg. Er sicherte sich die Namensrechte, Urbas entwickelte das Vertriebskonzept, Zimmermann kümmerte sich um die Produktion: „Wir brauchten den Segen des TÜVs, und der verlangte einen Schalldämpfer, sauber entgratete Kunststoffteile und Sollbruchstellen, damit niemand das Instrument als Schlagwaffe missbrauchen konnte.“ Vertriebspartner zur WM 2010 waren der Ölkonzern Shell, die Supermarktkette Edeka, der Mobilfunker Vodafone und die Paulaner Brauerei.

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Hergestellt wurde die Tute in Schwarz-Rot-Gelb von dem Bad Kreuznacher Spritzgussspezialisten Allit, „für unter einen Euro pro Stück und in Spitzenzeiten bis zu 65 000 Tröten am Tag“, erzählt Kehrberg. 5,2 Millionen Vuvuzelas brachten die Werbeprofis unters deutsche Fußballvolk und erwirtschafteten damit rund sieben Millionen Euro Umsatz. Das Risiko war überschaubar, „produziert wurde nur, was schon verkauft war“, so Zimmermann.

Nach Südafrika und Brasilien planen die drei Werbe-Spezis das nächste Fußball-Event: „Für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich haben wir sechs Produkte in der Entwicklung“, sagt Kehrberg, „die ersten Gespräche mit Herstellern laufen.“

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