Fußballwettskandal Größeres Ausmaß

Wie viele Spiele wurden tatsächlich manipuliert?

Ein Modellbauer des Miniaturwunderlands klebt Miniaturfußballspieler auf einen Wettschein Quelle: dpa

Die Zahl der möglicherweise manipulierten Fußballspiele in Europa liegt wahrscheinlich höher als bislang bekannt. Laut Hochrechnungen, die auf Angaben des europäischen Fußballverbandes Uefa beruhen, stehen in Europa jährlich etwa 300 der 31 000 Profi-Partien unter Verdacht. Die europäische Polizeibehörde Europol hatte Anfang der Woche nur von 380 ominösen Spielen in vier Jahren, von 2008 bis 2011, gesprochen. Damit wäre die Zahl der möglicherweise manipulierten Spiele rund dreimal so hoch wie von Europol angenommen. "Die Größenordnung stimmt", sagt Andreas Krannich, Geschäftsführer bei Sportradar, zu den Schätzungen. Sportradar deckt etwa für die Uefa und die Deutsche Fußball-Liga Auffälligkeiten bei Sportwetten auf.

Europaweit ermitteln die Behörden gegen 425 Funktionäre, Schiedsrichter, Spieler und mutmaßliche Drahtzieher. Die entscheidenden Hintermänner sitzen in Asien. Mutmaßlicher Gesamtgewinn der Betrüger: acht Millionen Euro.

Doch während die Wettpaten Gewinne abschöpfen, sind deren Verfolger zerstritten. Die elektronischen Warnsysteme, wie sie Fifa und Uefa benutzen, seien völlig unzureichend, heißt es bei der in Deutschland zuständigen Staatsanwaltschaft Bochum.

Der Uefa-Dienstleister Sportradar, ein Schweizer Unternehmen mit weltweit 500 Mitarbeitern, sammelt für die weltweit wichtigsten Lotterie- und Wettanbieter Daten über Fußballspiele. Im Visier haben die Spezialisten auch die Entwicklung der entsprechenden Wettquoten. Wenn jemand eine hohe Summe wettet, die deutlich über dem durchschnittlichen Einsatz liegt, schlägt das System Alarm.

Die elektronischen Kontrollen von Sportradar und anderen Dienstleistern lassen sich relativ leicht umgehen, heißt es aus Europol-Kreisen – etwa indem die Wetteinsätze auf viele kleine Annahmestellen verteilt werden. Zudem fielen die halblegalen oder illegalen asiatischen Zockerbuden durchs Raster, die nach den Erkenntnissen der Ermittler den Großteil der Wettbetrügereien ausmachen.

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Sportradar-Manager Krannich kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Der weitaus größte Teil der manipulationsverdächtigen Spiele lässt sich über unser System erkennen. Wir können auch in Asien auffällige Bewegungen schnell erfassen, weil wir natürlich auch dort alle relevanten Buchmacher und ihre Angebote erfassen und überwachen."

Allerdings räumt Krannich ein, die Schlagkraft gegen die internationale organisierte Kriminalität könne höher sein, wenn die Ermittlungsbehörden untereinander besser vernetzt wären und mit Sportverbänden wie zum Beispiel der Uefa und dem DFB enger zusammenarbeiten würden.

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