WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gastrokette kalkuliert neu L'Osteria wagt sich aus der Corona-Starre

Im April startete L'Osteria sein TakeAway- und Delivery-Angebot in 79 Restaurants in der Bundesrepublik. Quelle: Presse

Wie die ganze Branche trifft Corona auch L'Osteria heftig. Wie also reagieren? Zunächst war die Rede von einem Lieferdienst. Dann schloss die Restaurant-Kette komplett, kalkulierte neu – und meldet sich jetzt zurück.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Eine „kleine Pizza-Pause“ nannte L'Osteria seine durch Corona erzwungene Auszeit noch vor drei Wochen. Am 20. März hatte sich die auf Pizza und Pasta spezialisierte Kette entschieden, alle 102 Filialen deutschlandweit schlossen. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Hans im Glück oder Peter Pane, die ihren Betrieb wenigstens in der Küche (und zumindest bei einem Teil ihrer Standorte) aufrechterhalten wollten und voll auf Essenslieferungen setzten, entschied die Geschäftsführung bei L'Osteria: Öfen aus! Zu schwierig sei die Kalkulation, der Nutzen zu unsicher, hieß es damals. Das Unternehmen meldete Kurzarbeit für seine Mitarbeiter an und versprach den Kunden „Wir sind bald wieder für Euch da“.

An diesem Plan wurde seitdem in der Zentrale in Nürnberg gearbeitet. Hinter den Kulissen feilte man bei L'Osteria an dem schon vor der Schließung eilig aufgesetzten TakeAway- und Delivery-Konzept – etwa einer eigenen Lieferdienst-Plattform, an die alle Restaurants angeschlossen werden sollten.

Dann folgte eine Testphase in der Region Köln-Bonn und in München. „Die Nachfrage war deutlich, die Zahlen vielversprechend“, sagt L'Osteria-Chef Mirko Silz. „Das hat uns ermutigt.“ Infolgedessen öffneten 79 Restaurants wieder ihre Küchen. Dazu zählen Großstädte wie Berlin, Köln, Düsseldorf, München und Frankfurt, aber auch Städte wie Heilbronn, Amberg, Aachen und Oldenburg. Das Angebot bei L'Osteria verspricht, wie bei den meisten Restaurants, jetzt Bestellung, Bezahlung, Abholung und Lieferung vollkommen kontaktlos.

Die Entscheidung, welche Filialen wieder öffnen durften, war auch eine Standortfrage: L'Osteria entschied sich vor allem für Restaurants, die in Wohngebieten liegen oder mit dem Auto gut erreichbar sind. Bei Letzteren gibt es Pickup-Stationen. „Die Restaurants, die aktuell noch nicht für TakeAway- und Delivery geöffnet haben, liegen an Standorten, an denen es derzeit kaum Frequenz gibt. Dies sind insbesondere Verkehrsstandorte wie an Flughäfen und Bahnhöfen“, erklärt Silz.

Ganz ausgeschlossen, dass noch weitere Filialen folgen, ist es nicht. Theoretisch sei das eigene Plattformsystem so ausgelegt, dass alle Filialen teilnehmen. Das gilt auch für die außerdeutschen Standorte. In den Niederlanden, Tschechien und Luxemburg liefert L'Osteria ebenfalls seit vergangener Woche. Österreich ist für diese Woche geplant. Insgesamt ist L’Osteria an über vertreten.

Während bei Peter Pane die Service-Mitarbeiter fünf Kilometer um die Filiale mit dem Fahrrad liefern und Hans im Glück mit Lieferando kooperiert, schickt L'Osteria seine Servicekräfte mit dem Mietwagen auf Liefertour. Durch eine Kooperation mit dem Mietwagenriesen Sixt, zunächst auf vier Wochen angelegt, stehen jedem teilnehmenden L'Osteria-Restaurant ein oder zwei Fahrzeuge zur Verfügung, um Pizza und Pasta zu den Kunden zu bringen.

Die Entscheidung, selbst auszuliefern, hat vor allem für die L'Osteria-Mitarbeiter einen entscheidenden Vorteil: „Wir können einige von ihnen aus der Kurzarbeit zurückholen“, so Silz.

Die Verluste damit wettzumachen, die Corona dem Unternehmen mit seinen mittlerweile 120 Standorte in acht europäischen Ländern beschert, damit rechnet auch in Nürnberg niemand. 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verspricht sich L'Osteria für die vier Wochen der Projektphase. Allerdings hegt Silz die Hoffnung, dass die geschaffene Infrastruktur mittel- und bestmöglich auch langfristig Zusatzumsatz in die Kasse spülen könnte. „Bei Wiedereröffnung und abhängig von den jeweiligen dann noch geltenden Beschränkungen, etwa der Personenanzahl in geschlossenen Räumen, halten wir es für realistisch, dass sich der Außerhaus-Anteil am Gesamtumsatz bei 20 Prozent einpendelt.“ Da klingt eine Redewendung an, die wohl vielerorts dieser Tage bemüht wird: Wir wollen gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Ob das gelingen kann, hängt sicherlich auch davon ab, wann die Krise ein Ende nimmt – oder zumindest davon, wie schnell die Restaurants wieder Kunden in ihren Räumen bewirtet dürfen.

Mehr zum Thema
Aggressiv und mit teurem Einsatz hat sich Lieferando in Deutschland das Monopol bei den Online-Essenslieferdiensten erkämpft. In diesem Jahr sollte die Milliardenwette endlich aufgehen. Dann kam Corona. Lesen Sie, warum Lieferando, anders als erwartet, gar nicht von der Coronakrise profitiert.
Die Beschränkungen wegen der Coronakrise treffen Restaurantketten besonders schwer. Vapiano spricht von Zahlungsunfähigkeit, Maredo meldet Insolvenz an. Andere Anbieter haben Wege gefunden, die Krise zu bekämpfen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%