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Gastronomie Diese Restaurantketten trotzen der Coronakrise

Viele Restaurants, Bars und Kneipen bangen um ihre Existenz. Doch einzelne Anbieter schalten jetzt auf Angriff und wollen trotz Coronakrise neue Lokale eröffnen und mehr Mitarbeiter einstellen.

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„Du suchst nach Gastronomie-Jobs?“, heißt es auf der Onlineseite der Burgerkette Peter Pane. „Dann bist Du bei uns genau richtig!“ Gefolgt von Dutzenden Stellenageboten. Ein ähnliches Bild bietet Branchenschwergewicht Burger King und auch die Pizzakette Domino’s sucht nach Verstärkung: Vom Pizzabäcker und -Fahrer bis zum Betriebsleiter werden auf dem Karriereportal des Unternehmens derzeit Hunderte offene Stellen angeboten. Gastroketten suchen nach Personal? Jetzt? Mitten in der Coronakrise?

Tatsächlich klingen die Jobofferten wie ein Kontrastprogramm zu den Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen. Einen Umsatzverlust in Höhe von 17,6 Milliarden Euro hat das Gastgewerbe in der Coronakrise zwischen März und Juni dieses Jahres eingefahren. Fast 11 Milliarden Euro davon entfielen allein auf die Monate April und Mai, wie der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts jüngst mitteilte. „Nach zehn Wachstumsjahren verzeichnet die Branche seit Anfang März Umsatzverluste historischen Ausmaßes“, teilte Dehoga-Präsident Guido Zöllick mit. „Unsere Betriebe waren die ersten, die unter den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung gelitten haben und werden in all ihren Betriebsformen die letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“ Die Folge: In der Gastronomie haben viele Beschäftigte in den vergangenen Monaten ihre Jobs verloren oder wurden in Kurzarbeit geschickt. Doch langsam geht es selbst in der angeschlagenen Branche wieder aufwärts.

Einzelne Anbieter schalten jetzt sogar auf Angriff und wollen trotz Coronakrise kräftig expandieren und neue Mitarbeiter einstellen. So etwa die Italo-Restaurantkette L’Osteria. Aktuell gibt es nach Unternehmensangaben 107 L‘Osterien in Deutschland, allein seit Mai sind sechs dazugekommen. Weitere fünf Lokale sollen noch in diesem Jahr folgen und für 2021 sind aktuell 17 zusätzliche Restaurants geplant. „Es könnten jedoch noch mehr werden“, heißt es beim Unternehmen. Natürlich habe man sich aufgrund der Corona-Auswirkungen zunächst alle noch nicht im Bau befindlichen Projekte genau angeschaut. Am Ende seien aber nur zwei Projekte gestoppt worden, wobei L’Osteria derzeit prüft, ob diese nicht doch wieder aufgegriffen werden.

Auch Burgerspezialist Peter Pane setzt trotz Pandemie weiter auf Expansion. Das Lübecker Unternehmen mit derzeit 38 Standorten übernimmt in Stuttgart und Köln jeweils ein Restaurant der Asia-Kette Coa. Außerdem werden in Berlin zwei ehemalige Restaurants der Steakhauskette Maredo zu Peter-Pane-Locations umgestaltet. Weitere Eröffnungen sind geplant. „Zum Ende des Jahres wird es 43 Restaurants geben“, sagt Patrick Junge, Inhaber und Geschäftsführer der Peter-Pane-Mutter Paniceus Gastro Systemzentrale, die rund 1600 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Burger-Kräfte ließen sich selbst in der Lockdownphase einiges einfallen, um das Geschäft am Laufen zu halten. So orderte Junge damals kurzerhand mehr als 300 Fahrräder und E-Bikes für seine Mitarbeiter, schaltete die Internetseite 'Peter bringt's' frei und startete einen eigenen Lieferdienst für seine Restaurants. Das Team habe „sich trotz Corona aus der Komfortzone herausgewagt“, lobt Junge seine Mannschaft, man sei heute „besser aufgestellt als vorher“.

Bei Domino's Pizza war die Auslieferung dagegen nie ein Problem, schließlich ist das Unternehmen Weltmarktführer in Sachen Pizza Home Delivery. In Deutschland ist Domino's seit 2011 präsent, übernahm 2016 Joey's Pizza und zwei Jahre später Hallo Pizza. 330 Standorte betreibt Domino's inzwischen deutschlandweit. Und dabei soll es nicht bleiben. Durch Corona sei es zwar zu kleinen Verzögerungen gekommen. „Insgesamt haben die Auswirkungen der Coronapandemie unsere Expansionspläne jedoch kaum beeinträchtigt“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Bis Juni 2021 strebt das Unternehmen demnach an, 40 weitere Pizza-Filialen zu eröffnen.


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Keine Frage, das Unternehmen mit dem rot-blauen Dominostein im Logo gehört damit zu den expansivsten Systemgastronomen in Deutschland und hat Corona bislang weitgehend unbeschadet überstanden. Gerade kleinere Anbieter, die über keine Lieferangebote verfügen und stark von den Kundenfrequenzen in den Innenstädten abhängig sind, erwischt die Krise dagegen mit voller Wucht. Fast 62 Prozent der Gastronomiebetriebe bangen um ihre Existenz, wie der Branchenverband Dehoga jüngst unter Berufung auf eine Umfrage erklärte.

Für all jene Unternehmen, die der Krise trotzen und die jetzt über genug Reserven für die Expansion verfügen, könnten sich damit indes neue Chancen auftun. Bei Peter Pane etwa registrieren die Experten „im Augenblick ein erhöhtes Aufkommen an Angeboten für Gastroflächen, die an uns herangetragen werden.“ Bewegung bei den Mietkonditionen hat „hier und da“ auch das L'Osteria-Management festgestellt. „Wir glauben jedoch, dass dies erst der Anfang einer Entwicklung angepasster Mietkonditionen ist.“

Direkt nach Ausbruch der Pandemie hätten Vermieter womöglich aus Angst vor Leerstand weniger stark auf die Solvenz der Mieter geachtet, vermutet Domino's. „Vielmehr wurde der nächstbeste Mieter ausgewählt, der bereit ist, den vollen Mietpreis zu zahlen, und die Mietfläche schnellstmöglich bezieht“. Seit August stellt man aber „wieder mehr Verhandlungsspielraum“ fest. Den will das Unternehmen nutzen: „Langfristig haben wir das Ziel von 1000 Domino's Stores in Deutschland klar vor Augen.“

Mehr zum Thema: Gastronomen werden im Winter mehr Gäste als üblich in den Außenbereichen bewirten. Die Nachfrage nach Heizpilzen boomt.

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