Gelbe Tonne Entsorger kommen Lösung für Gelbe Tonne näher

Eine Annäherung, aber noch kein befriedigendes Ergebnis: Der schwierige Konflikt um Marktanteile und Kosten bei der Entsorgung des Verpackungsmülls in Deutschland geht in die nächste Runde.

Das zähe Ringen um die Millionen für die Entsorgung von Verpackungsmüll ist noch nicht zu Ende. Quelle: dpa

Im Kostenstreit um den Abfall aus der gelben Tonne und dem gelben Sack nähern sich die Beteiligten nur langsam einer Lösung. Nach einem Treffen der neun Entsorgungssystembetreiber in Köln am Donnerstag in Köln sind noch immer nicht alle Unternehmen formell auf ein Angebot des Handels eingegangen, die Finanzlücke von 20,7 Millionen Euro weitgehend zu schließen. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft rief dazu auf, die nötigen Verträge mit den großen Handelsketten bis Ende nächster Woche unter Dach und Fach zu bringen.

In Deutschland fällt regelmäßig mehr Abfall an, als von Industrie und Handel gemeldet, was zu finanziellen Engpässen führt. Den Systembetreibern - wie etwa das Duale System Deutschland - liegt für dieses Jahr ein Angebot des Handels über zusätzliche 20,23 Milliarden Euro vor. Die neun Systembetreiber müssen sich aber in einzelnen Verträgen mit den jeweiligen Handelsketten Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Metro, Rewe und Tchibo verständigen.

Was künftig alles in die gelbe Tonne gehört
In den gelben Sack oder die gelbe Tonne gehören weder Glas noch Papier - das liegt auf der Hand. Ab sofort müssen Verbraucher aber noch genauer hinschauen, wohin sie ihren Müll werfen. Konserven, Dosen, Alu-Folien, Flaschen und beispielsweise Joghurtbecher gehören ebenfalls nicht in die gelbe Tonne oder den gelben Sack. Quelle: dpa
Teebeutel in den gelben Sack zu entsorgen, wird mit Änderung der EU-Richtlinien zum Tabu. Die Änderung der EU-Vorgaben sind nun ein erster Schritt zu einer Reform, die das System der gelben Tonne retten soll. Dazu sollen Schlupflöcher in den Regelungen nach und nach gestopft werden. Bisher konnten Verbraucher ihre Verpackungen beispielsweise im Supermarkt zurückgeben werden und so Abgaben an die dualen System sparen. „Nach den veröffentlichten Zahlen ist allein die Menge der Eigenrücknahmen um 166 Prozent gestiegen“, sagt der Präsident des Bundesverbands der Entsorgungswirtschaft (BDE), Peter Kurth. Quelle: dpa
Kleiderbügel sind Plastik und gehören in den gelben Sack? Weit gefehlt. Auch sie dürfen ab sofort nicht mehr in gelber Tonne oder gelbem Sack entsorgt werden. Ab 2015 sollen dann Ausnahmetatbestände wie Eigenrücknahmen ganz gestrichen werden. So soll verhindert werden, dass weitere Mengen bei den dualen Systemen abgemeldet werden. Für schwarze Schafe oder Trittbrettfahre könnten dann Strafzahlungen drohen.   Quelle: dpa
Bei der neuen Richtlinie geht es im wahrsten Sinne des Wortes auch um die Wurst, Denn deren Pelle gehört ab sofort in den Restmüll, nicht in die gelbe Tonne. Auslöser für die neuen Vorgaben war eine Beschwerde des für die Entsorgung zuständigen dualen Systems, dass die unbezahlten Abfallmengen stiegen. Bei dem dualen System (beispielsweise DSD mit dem grünen Punkt) müssen Hersteller Gebühren zahlen, wenn sie Joghurtbecher oder Milchtüten entsorgen wollen. Während aber die Mengen konstant blieben, ist die Zahl bezahlter Verpackungen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gesunken. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Ab sofort ein absoluter No-Go in gelber Tonne und gelbem Sack: Grablichter. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss zahlen. Für 2014 rechnet die EU mit einem Fehlbetrag von bis zu 350 Millionen Euro durch falsch entsorgte Verpackungen. 2013 waren von 2,4 Millionen Tonnen gesammelter Leichtverpackungsabfälle 40 Prozent „Fehlwürfe“, also falsch entsorgter Müll. „Wenn Verpackungen aus Kostengründen als selbstzurückgenommen gemeldet, aber in der Realität nicht zurückgegeben werden und im gelben Sack landen, gaukelt dies hohe Recyclingquoten vor“, kritisiert der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch. Denn da ein Recyclingzwang nur für bezahlte Abfallmengen gilt, werde so auch das Recycling geschwächt. Quelle: dpa
Milchtüten sollten in Zukunft ebenfalls nicht in den gelben Sack entsorgt werden. Der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, erklärt, warum es so verheerend sein kann, seinen Müll als selbstzurückgenommen zu melden und ihn dann trotzdem im gelben Sack zu entsorgen: „Wenn Verpackungen aus Kostengründen als selbstzurückgenommen gemeldet, aber in der Realität nicht zurückgegeben werden und im gelben Sack landen, gaukelt dies hohe Recyclingquoten vor." Denn da ein Recyclingzwang nur für bezahlte Abfallmengen gilt, werde so auch das Recycling geschwächt. Quelle: AP

Darüber bestand bei dem Treffen am Donnerstag Einigkeit, wie es hieß. Schon in der Vorwoche war geklärt worden, wie die zusätzlichen Mengen verteilt werden. Die Gefahr, dass die Tonnen nicht geleert werden, ist damit zunächst gebannt.

Bei dem System sollen eigentlich Verpackungshersteller, Industrie und Handel die Kosten für die Entsorgung des Verpackungsmülls tragen. Die Idee dahinter ist der Anreiz, möglichst wenig Material zu verwenden und so die Umwelt zu schonen. In dem dualen System stehen die Betreiber zwischen Handel und Entsorgern

Das Millionendefizit ist unter anderem dadurch entstanden, dass Handel und Industrie deutlich geringere Verpackungsmengen an die Systembetreiber meldeten als tatsächlich in Umlauf kamen.

Ab dem 1. Januar 2015 werden für die Gelbe Tone und den Gelben Sack neue Regeln gelten. Mit der überarbeiteten Verpackungsverordnung sollen die Schlupflöcher geschlossen werden.

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) kritisierte, dass Kommunen und Länder die tatsächlichen Mengen nicht kontrollierten. BDE-Präsident Peter Kurth sprach von einem „massenhaften Missbrauch der Verpackungsverordnung“: „Die Entsorger sind die Leidtragenden am Ende der Kette“, sagte er.

Unter den neun Systembetreibern ist man sich auch noch uneinig über die Marktanteile im laufenden dritten Quartal. Ein höherer Anteil bedeutet höhere Zahlungen an die Entsorgungsfirmen. Nach der gemeinsamen Mitteilung der Betreiber sind zwei von ihnen - Interseroh und DSD - nur noch eine Woche lang bereit, die zuletzt gültigen Marktanteile zu akzeptieren.

Der Vorstandschef der Berliner Alba Group, zu der Interseroh gehört, sagte dazu, dem Unternehmen liege viel am Erhalt des dualen Systems. „Aber auch in einem marktwirtschaftlich organisierten System müssen die Gesetze eingehalten werden. Fest steht: Wir haben in der ersten Jahreshälfte Kosten übernommen, die deutlich über unserem tatsächlichen Marktanteil lagen.“ Es müsse daher schnell Transparenz über das Marktgeschehen auf allen Ebenen hergestellt werden.

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