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Germania ist insolvent Das Ende des letzten fliegenden Mittelständlers

Nach dem Scheitern von zwei Rettungsversuchen muss die Ferienlinie Germania einen Insolvenz-Antrag stellen. Nun droht das endgültige Aus – der Flugbetrieb wurde bereits eingestellt.

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Um 14 Uhr, kurz nach dem Mittagessen, flammte in den Büros der Berliner Ferienfluglinie Germania ein letztes Mal die Hoffnung auf. Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold, so eine Meldung der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“ am Montag, habe nach einem Besuch in der Verwaltung zusammen mit zwei Investoren das nötige Geld bereitgestellt, um die angeschlagene Fluglinie zu retten.

Kurz darauf wurde klar: Aus diesem Versuch wird wieder nichts. Schon zuvor war die Hoffnung auf eine „erfolgreiche Finanzierungsrunde“ geplatzt, die Germania-Chef und Hauptgesellschafter Karsten Balke vor gut zwei Wochen versprochen hatte. Hinter dem Versuch steckte angeblich die Familie des verstorbenen Gründers Hinrich Bischoff. Am Montagnachmittag musste Germania schließlich Insolvenz anmelden.

Gleich darauf begann die Grounding genannte Pleiteprozedur einer Fluglinie. Alle Flugzeuge wurden nach Deutschland zurückgeholt. Starten dürfen sie bis auf weiteres nicht mehr. „Die Erfahrung aus den Insolvenzen anderer Fluglinien, wie der britischen Monarch oder Small Planet, zeigt: Das Grounding ist fast immer das Ende“, sagt ein führender Manager einer anderen Fluglinie. „Dass eine Linie wie Air Berlin noch ein paar Wochen weiter fliegt, ist die Ausnahme.“

Sorge bei Beschäftigten und Flughafenbetreibern

Die Nachricht über das Aus ist zunächst ein Schock für die rund 1100 Germania-Beschäftigten, die jetzt um ihre Jobs bangen müssen.

Beunruhigt sind auch die Flughafenbetreiber. Insbesondere die kleineren Landeplätze in Deutschland könnten unter dem Aus des Ferienfliegers leiden. „Hier ist Germania bisher oft der wichtigste Anbieter“, so Ralph Beisel, Chef des Deutschen Flughafenverbands ADV aus Berlin. Und schon seit dem Ende von Air Berlin starten von den kleineren Airports teils deutlich weniger Flüge. „Und am Ende werden wohl mehr Leute aus kleineren Orten entweder unwillig zu größeren Flughäfen abwandern oder statt zu fliegen das Auto nehmen“, warnt ein Flughafenmanager.

Anfang vom Ende

Das Ende von Germania hatte sich abgezeichnet. Bereits Anfang Januar gestand das Unternehmen, dass ihm das Geld auszugehen droht. Man prüfe „aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern“, hieß es. Dabei ging es dem Vernehmen nach um bis zu 20 Millionen Euro.

Das setzte offenbar eine gefährliche Abwärtsspirale in Bewegung. Nach der Erfahrung bei der insolventen Air Berlin litt der Ruf der Linie bei den Kunden. Obwohl Germania versicherte, dass der Flugbetrieb ohne Einschränkung weitergehe, gingen die Ticketverkäufe wohl zurück. „Wer kauft denn unter den Umständen noch“, beschrieb Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon kurz nach Beginn der Air-Berlin-Insolvenz im Herbst 2017 den Mechanismus.

Vergangene Woche musste Germania auf der Intranet-Seite gestehen, dass sie die Gehälter nicht beziehungsweise nur verzögert zahlen kann. Eine solche Nachricht gilt als Alarmsignal für die Aufsichtsbehörden. Denn kann eine Airline nicht genug Mittel für Betrieb und Wartung nachweisen, droht der Entzug der Betriebserlaubnis durch das Luftfahrt-Bundesamt.

Dabei hatten die Airline-Mitarbeiter bis zuletzt um den Erhalt der Linie gekämpft – und Hoffnungen in Unterstützung durch Tourismusunternehmen gesetzt. So positionierte sich Germania als Gegengewicht zu den Branchengrößen. „Wir sind in Deutschland der letzte Mittelständler und die einzige Alternative zu Billiglinien wie Ryanair oder Konzerngesellschaften wie Eurowings oder Tuifly“, erklärte ein Germania-Insider im Januar im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Zwar hatten einige Großveranstalter als die wichtigsten Abnehmer der Germania-Tickets zunächst Solidarität zugesagt. Immerhin nannte Schauinsland-Chef Gerald Kassner die Linie einen „guten, zuverlässigen Partner“ und der Flugeinkäufer für die Rewe-Touristik, Jörgen Bongartz, nannte die Linie „wichtig für Randflughäfen.“ Doch investieren oder durch großzügige Kredite helfen wollte am Ende wohl niemand.

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