Germanwings-Absturz Opferanwalt: „Schuldfrage ist geklärt“

Der Copilot ließ die Germanwings-Maschine im März nach bisherigen Erkenntnissen gezielt abstürzen. Für ihr Personal sei die Airline verantwortlich. Lufthansa/Germanwings müsse darum für die Schäden aufkommen.

Fassungslosigkeit und Entsetzen bei Lufthansa und Germanwings
Der Copilot des Germanwings-Unglücksjets hat den Airbus nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich in eine Felswand gesteuert und 149 Menschen mit in den Tod gerissen. "Es ist davon auszugehen, dass der Copilot bewusst die Zerstörung des Flugzeuges eingeleitet hat", erklärte Brice Robin von der Staatsanwaltschaft Marseille am Donnerstag. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gebe es nicht. Die Ermittler bemühten sich derzeit bei ihren deutschen Kollegen um konkretere Informationen zu den Lebensumständen des 28-jährigen Ersten Offiziers Andreas L., der die deutsche Staatangehörigkeit besitze. Quelle: AP
Der Staatsanwalt bezog sich auf das Protokoll der letzten 30 Minuten vor dem Absturz, in denen der Stimmenrekorder alle Geräusche im Cockpit des A320 aufgenommen hatte. Dabei sei zu hören, wie der Kapitän Andreas L. zur Übernahme des Steuers auffordere und dann - vermutlich für eine Toilettenpause - das Cockpit verlasse. Kurz darauf habe Andreas L. dem Bordcomputer die Anweisung erteilt, in den Sinkflug überzugehen. Dies könne nicht versehentlich geschehen und müsse daher eine bewusste Handlung gewesen sein. Quelle: dpa
Zugleich habe er den Piloten nicht mehr ins Cockpit gelassen, sagte Robin. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist es Vorschrift, dass der Arbeitsplatz in allen Passagierjets von einer gepanzerten Tür geschützt sein muss. Andreas L. habe weder auf Rufe noch auf Schläge gegen die Tür reagiert, erklärte der Staatsanwalt. Auch Aufforderungen des Towers in Marseille, einen Notruf abzusetzen, habe er ignoriert. Bis zum Zerschellen des A320 sei von ihm kein Wort mehr zu hören. Auf der Aufnahme sei nur noch sein ruhiges Atmen zu vernehmen. All dies lasse darauf schließen, dass Andreas L. die Maschine absichtlich zum Absturz brachte, sagte Robin. "Wir müssen von einer willentlichen Tötung ausgehen...Er hat sich bewusst geweigert, die Tür zu öffnen, und er hat bewusst den Knopf (zur Einleitung des Sinkflugs) gedrückt, um die Maschine runterzubringen." Bisher hatte die Staatsanwaltschaft in Marseille dagegen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Quelle: REUTERS
Carsten Spohr Quelle: dpa
Im Foyer des Lufthansa Aviation Center am Flughafen in Frankfurt/Main liegt ein Kondolenzbuch für Mitarbeiter der Lufthansa aus. Quelle: dpa
Blumen und ein Aufsteller mit der Aufschrift "In deep sorrow" ("In tiefer Trauer") Quelle: dpa
Eine Luftaufnahme der Gendarmerie zeigt die Absturzstelle des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen. Quelle: AP
Ein Jugendzentrum mit Sportanlagen in Seyne-les-Alpes wurde als Trauerkapelle eingerichtet Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy gedenken der Opfer. Quelle: AP
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande in Seyne-les-Alpes Quelle: dpa
Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft reiste an den Unglücksort. Quelle: dpa
Hubschrauber der französischen Gendarmerie fliegen über den Ort Seyne-les-Alpes Quelle: dpa
Alpine Kletterer bereiten sich am Mittwoch nahe Seyne Les Alpes auf ihren Einsatz an der Unfallstelle vor. Quelle: dpa
Karte: Germanwings 4U9525 stürzte an dieser Stelle ab. Quelle: dpa
Feuerwehrleute verfolgen die Arbeit der zahlreichen Journalisten in Seyne Les Alpes, Frankreich Quelle: dpa
Augenzeugen berichteten von zahlreichen Trümmern Quelle: AP
Ein Rettungshubschrauber überfliegt die französischen Alpen. Quelle: REUTERS
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (M, SPD), Segolene Royal, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, spanische Verkehrsministerin Ana Pastor Quelle: dpa
Gendarmerie Quelle: REUTERS
Einsatzkräfte sollen an der Absturzstelle in den französischen Alpen einen Flugschreiber des deutschen Airbusses gefunden haben Quelle: dpa

Die Schuldfrage im Fall des Germanwings-Absturzes ist zumindest nach Ansicht von Opferanwalt Christof Wellens „eindeutig geklärt“. „Wir haben es mit einer schrecklichen, ja monströsen Tat zu tun, für die Lufthansa/Germanwings verantwortlich ist“, sagte Wellens dem Fernsehsender Phoenix.

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

Bei einem vorsätzlichen Absturz, herbeigeführt durch den Copiloten, sei die Sachlage klar: „Lufthansa ist für von ihr eingesetztes Personal in voller Weise verantwortlich“, sagte Wellens, der nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit über 60 Angehörigen zivilrechtlich vertritt. „Die Schuldfrage ist mittlerweile eindeutig geklärt, denke ich.“

Er habe bislang kein Wort vernommen, dass man dies aufseiten von Lufthansa anders sehe, im Gegenteil: Die Airline habe sich zu ihrer Verantwortung bekannt. Man werde nun sehen müssen, ob sie Wort halte. „Der Lackmustest kommt noch.“ Etwaige Versäumnisse, etwa beim Umgang mit der Erkrankung des Copiloten, spielten allenfalls noch am Rande eine Rolle.

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„Die Opferfamilien brauchen sehr viel Geld, um ihr weiteres Leben zu gestalten ohne den Menschen, der verloren gegangen ist“, betonte Wellens. „Für die Angehörigen ist eine angemessene, ja hohe Entschädigung sehr wichtig. Sie ist eine Stütze für die Familie im Alltag.“ Im Fall einer Familie, die er vertrete, hätten fünf Kinder die Eltern verloren. Wellens hatte bereits nach dem Absturz der Concorde im Jahr 2000 deutsche Hinterbliebene vertreten. Er ist Vorsitzender des Mönchengladbacher Vereins Crash - Gesellschaft für Opferrechte, der sich um Angehörige von Absturzopfern kümmert.

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