WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Germanwings-Absturz Wie die Untersuchung des Unglücks weitergeht

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine gibt es erste Antworten - und noch mehr Fragen. Die Arbeit der Helfer und Ermittler hat erst begonnen. So geht die Spurensuche im Falle des Flugs 4U9525 weiter.

In den französischen Alpen gehen die Ermittlungen an der Absturzstelle der Germanwings-Maschine weiter. Bergungskräfte durchsuchen das Gebiet auch mit Helikoptern. Quelle: dpa

Vier Tage nach dem Flugzeugunglück in den französischen Alpen stehen die Ermittler noch immer vor ungeklärten Fragen: Wo ist der Flugdatenschreiber, der die wichtigen Daten des Flugs und des Flugzeugs aufzeichnet? Was tat Co-Pilot Andreas L. in den letzten Minuten im Cockpit? Und warum flog er die Maschine, obwohl der für den Tag krankgeschrieben war?

Die Bergungsarbeiten und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften in Frankreich und in Düsseldorf dürften in den kommenden Tagen weitere Erkenntnisse liefern. Welche Schritte die Behörden als nächstes unternehmen. 

Die Opfer werden geborgen

Bevor die Helfer die Trümmer der Maschine aufsammeln, suchen sie die sterblichen Überreste der Passagiere. Laut einem Bericht des Deutschlandfunks haben die Helfer an der Absturzstelle in Südfrankreich am Mittwochabend mit der Arbeit begonnen. Um die Opfer zu identifizieren, vergleichen Experten DNA-Proben in einem Labor mit Proben der Verwandten, die an die Unglücksstelle gereist sind. Auch Fingerabdrücke und eine Analyse von Gebissen mit älteren Röntgenbildern können den Experten bei der Identifizierung der Opfer helfen.

Genauen Angaben zur Dauer der Bergungsarbeiten könne er nicht machen, erklärte ein Sprecher der Bergungsmannschaft und verwies auf die extrem schwierigen Bedingungen in dem schwer zugänglichen Gelände der Absturzregion. Er ließ offen, wie viele Einsatzkräfte dort derzeit arbeiten. Insgesamt seien rund 50 Experten mit Bergung und Analyse befasst, darunter auch ein Spezialist des Bundeskriminalamts. 

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

Die Helfer suchen den Flugdatenschreiber

Er ist das Tagebuch des A320: Der Flugdatenschreiber, nach dem die Ermittler in den Bergen bei Barcelonette seit Tagen suchen. Die zerborstene Hülle des Geräts haben die Helfer bereits gefunden. Aber der Datenchip mit den Aufzeichnungen und der Peilsender, mit dem man den Flugschreiber bis zu zwei Kilometer weit orten kann, sind noch verschollen.

Das etwa 30 Zentimeter lange Gerät ist so stark gepanzert, dass es auch einen Absturz bei hoher Geschwindigkeit überstehen kann. Doch in diesem Fall scheint der Aufprall zu stark gewesen zu sein. Ziel der Bergungskräfte ist es, den Datenchip in den nächsten zwei Wochen zu finden. Wenn er noch intakt ist, können sie mehr als hundert Flugparameter daraus auslesen: Etwa wie hoch, schnell und in welchem Neigungswinkel der Jet geflogen ist, wie die Ruder und Klappen eingestellt waren und wie die Triebwerke gearbeitet haben.

Zuständig für die Analyse der Daten das französische Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la Sécurité de l'Aviation civile, kurz Bea. Dessen Experten haben bereits den Stimmrekorder aus dem Cockpit gefunden und mit der Auswertung begonnen. Auf dem darin enthaltenen Tonband sollen das Atmen des Co-Piloten und ein Hämmern an der Cockpit-Tür zu hören sein.

Unterstützung erhalten die BEA-Experten von sechs Flugunfalluntersuchern der deutschen Bundestelle für Flugunfalluntersuchung mit Sitz in Braunschweig, die nach Frankreich beordert wurden.

Trümmerteile werden geborgen

Als nächstes werden die Bergungskräfte die Trümmerteile des A320 auflesen. Da das Flugzeug an einem steilen Hang aufgeprallt ist, wird die Arbeit mühselig. Einige Helfer müssen ihre Kollegen mit Seilen am Hang sichern. Dass die tausenden von Bruchstücken den Ermittlern aber noch viel verraten können, ist fraglich. Gewöhnlich interessieren sich die Spurensucher besonders für die Steuerinstrumente aus dem Cockpit und die Triebwerke. Doch Bildern von der Absturzstelle zufolge ist der Jet beim Aufprall in zahllose Teile zersplittert. 

Schrecklicher Verdacht: Co-Pilot flog absichtlich in den Tod

Ermittlungen gegen den Co-Piloten

In Deutschland ermitteln die Behörden unterdessen im Umfeld des Co-Piloten Andreas L.. Der 27-Jährige war laut der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf am Tag des Absturzes krankgeschrieben und hätte nicht ins Cockpit steigen dürfen. Die Ermittler hätten in seinen Wohnungen in Düsseldorf und Montabaur "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen" gefunden, heißt es in einem Schreiben der Ermittler. Und weiter: "Vernehmungen hierzu sowie die Auswertung von Behandlungsunterlagen werden noch einige Tage in Anspruch nehmen". Sobald belastbare Erkenntnisse vorlägen, werde man die Angehörigen und die Öffentlichkeit informieren.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%