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Germanwings-Arbeitskampf Kein Mitleid mit Lufthansa

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Germanwings wurde zu lange kleingehalten


Die weltbesten Fluglinien
Die First Class in einem A340 von Emirates Quelle: AP
Ein Flugzeug der Turkisch Airlines Quelle: REUTERS
Eine Frau beim Check in bei Qantas Quelle: Presse
Zwei Flugzeuge der Air New Zealand Quelle: AP
Ein Flugzeug von Etihad Airways Quelle: AP
Flugzeuge von Thai Airways Quelle: REUTERS
Ein Paar in der First Class der Cathay Pacific Airways Quelle: Presse

Statt auf den Geist zu bauen, hat die Lufthansa-Führung lange Zeit lieber das Minus aus dem Langstreckenverkehr quersubventioniert. Das vermittelte den Eindruck, dass alles nicht so schlimm wäre.

Parallel torpedierte die Lufthansa die offensichtliche Lösung: den Verkehr an die deutlich schlankere Germanwings zu geben. Weiten Teilen der Lufthansa-Führung und des Aufsichtsrats war klar: die roten Zahlen lassen ich nicht mit kleinen Korrekturen lösen. Denn so oft die Lufthansa auch beschwor, was ihr toller Service Kunden so alles an Mehrwert bringt und mehr oder weniger gute Kunden in Vielfliegerforen immer wieder mehr Service fordern: am Ende war es immer weniger Leuten einen nennenswerten Aufpreis wert, Lufthansa zu fliegen und schon gar nicht Business Class zu buchen, wenn sie nicht wie Politiker oder Verbands-Funktionären die Kosten anderen aufbrummen konnten.

Doch statt Germanwings schrittweise das Zuschussgeschäft zu übertragen, zumal diese beim Service aufholt und die Konzernmutter in Teilen sogar übertraf, wurde der Kölner Konzerndiscounter klein gehalten, wahrscheinlich weil sich viele Lufthansa-Mitarbeiter als etwas Besseres fühlten. Während etwa die spanische Vueling, Norwegian und andere der Billigflieger-Generation nach den Pionieren Ryanair und Easyjet in zehn Jahren von null auf 70 Flieger angewachsen sind, war Germanwings noch vor kurzem nur halb so groß.

Stattdessen brüteten Mayrhuber und seine Kollegen immer neue Spar-Modelle aus. Aber obwohl sie die neuesten und günstigsten Maschinen der Lufthansa gaben, ältere Flieger bei Germanwings abluden und die Billigtochter gar aus Städten wie Hamburg vertrieben, sanken die Kosten kaum und Germanwings flog am Ende immer noch zu fast den halben Kosten.

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Dafür stieg der Zorn der Belegschaft, weil trotz aller Umbauten nichts besser wurde. Den Höhepunkt erreichte der Unmut, als Lufthansa Ende 2011 Leiharbeitern anheuerte beim sogenannten Berliner Modell. Weil die nicht nur deutlich weniger verdienten, sondern sich in der Praxis auch als weniger gut ausgebildet erwiesen, trieb das viele eigentlich reformwillige Gewerkschafter in die Opposition. Dazu fand die durch einen jahrelangen inneren Zwist geschwächte Gewerkschaft UFO für das Kabinenpersonal wieder so viel neuen Rückhalt, dass sie zu einer neuen Kraft wurde. Auf den Wettbewerb der Arbeitnehmervertreter reagierte die realistischere Großgewerkschaft Verdi notgedrungen mit härteren Forderungen.

Diese Suppe muss nun Germanwings auslöffeln. So wird es nun höhere Gehälter geben und weniger Flexibilität. Aber dafür werden die Arbeitnehmer nun länger und mit weniger Pausen arbeiten müssen. Denn die Alternative ist: Strecken abseits der Drehkreuze wie Berlin-Düsseldorf, Hamburg- Mailand oder Stuttgart-London ganz aufzugeben. Das ist die unangenehme Wahrheit. Und im Gegensatz zu früher, spricht sie die Lufthansa-Führung nun endlich auch mal aus.

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