Germanwings Co-Pilot war allein im Cockpit der Unglücksmaschine

Nach offiziellen Angaben war der Co-Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine vor dem Unglück allein im Cockpit. Er soll den automatischen Sinkflug bewusst ausgelöst haben.

Olivier Cousin (M), Leiter der Bergrettungsstaffel Quelle: dpa

Zum Zeitpunkt des Absturzes des Germanwings -Jets in den französischen Alpen hat sich nach offiziellen Angaben der Ermittler nur der Co-Pilot im Cockpit des Airbus aufgehalten. Wie die Auswertungen der Stimmrekorderdaten ergeben haben, hat der Flugkapitän kurz vor dem Unglück den Co-Piloten gebeten, das Kommando zu übernehmen. Anschließend verriegelte der Co-Pilot offenbar die Kabinentür und leitete bewusst den Sinkflug ein. Er reagierte weder auf die Ansprache des Piloten, noch auf Kontaktversuche der Fluglotsen, sei aber am Leben gewesen.

"Schwieriges Gelände"

An der Unglücksstelle haben die Ermittler des Germanwings-Absturzes mit dem schwer zugänglichen Gelände zu kämpfen. „Die Arbeit ist extrem schwierig, das Gelände ist gefährlich. Es ist steil und rutschig“, sagte der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin, am Donnerstag.

Insgesamt waren am Donnerstag rund 70 Menschen an der Unglücksstelle. Rund zwölf Ermittler waren unterwegs, um die Spuren zu sichern und die zweite Blackbox zu finden. Etwa sechs weitere suchten die Leichen.

Die Ermittler werden von erfahrenen Bergrettern an einem Seil gesichert. Sie sind mit Steigeisen und Eispickel unterwegs. Auch am Donnerstag sollten Opfer ins Tal gebracht werden.

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

Zwei Tage nach dem Absturz der Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Absturzursache. Lufthansa und die Tochter Germanwings wollen am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz über die Ursachensuche informieren. Um 14.30 Uhr wollen am Flughafen Köln/Bonn Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Thomas Winkelmann, Sprecher der Germanwings-Geschäftsführung, weitere Informationen mitteilen.

Hinterbliebene werden abgeschirmt

Im französischen Ort Seyne-les-Alpes nahe der Unfallstelle des verunglückten Flugzeugs bereiten sich die Menschen derweil auf die Ankunft der Angehörigen vor. Das Sportzentrum, in dem eine Art Kapelle als Trauerraum für die Angehörigen eingerichtet wurde, war am Donnerstag abgeriegelt. Gendarmen kontrollierten den Zugang. Die Familien sollten Ruhe haben für ihre Trauer. Im Rathaus erstellten Mitarbeiter eine Liste von Einheimischen, die Menschen aufnehmen können.

Die Lufthansa bestätigte, dass am Donnerstag rund 50 Angehörige auf dem südfranzösischen Flughafen Marseille-Provence gelandet sind. Sie waren am Morgen vom Flughafen Düsseldorf gestartet. Mit an Bord des Airbus A321 war auch ein Betreuer-Team aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen. Außerdem ist ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Auch aus Barcelona wurde am Vormittag ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

An die Absturzstelle selbst können die Hinterbliebenen aber nicht. „Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich“, sagte am Donnerstag der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron.

Der A320 mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte. An Bord waren 72 Deutsche, davon kamen wiederum 64 aus Nordrhein-Westfalen, wie NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Donnerstag mitteilte. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 50 Opfer.

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