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Germanwings soll Notlandung vertuscht haben Beunruhigende Untersuchungslücken

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Späte Untersuchung

Die Bonusprogramme der Airlines
Miles&More: Das Bonusprogramm der Lufthansa Quelle: dpa
topbonus: Das Vielfliegerprogramm von Air Berlin Quelle: dpa
Flying Blue: Das Bonusprogramm der Air France Quelle: AP
Avios: Das neue Bonusprogramm von British Airways Quelle: REUTERS
AAdvantage ist das älteste Bonusprogramm der Welt. Quelle: REUTERS

Aber nicht für ewig. Denn ein Jahr nach dem Vorfall hat die Behörde dann doch eine Untersuchung gestartet. Hier wäre es doch interessant zu wissen, warum? Hat der Behörde da jemand Beine gemacht und ein paar Befunde nachgereicht? Etwa, dass einer der Piloten ein halbes Jahr lang krankgeschrieben war?

Nun ist die Sache schwer zu klären. Denn die Aufzeichnungen, die jedes Flugzeug von seinem Betrieb und den Gesprächen der Piloten macht, wurden bereits beim nächsten Flug überschrieben, weil sie keiner aufgehoben hat. Sicher, das hätte für Germanwings einen gewissen Aufwand bedeutet. Denn die Piloten mögen es in der Regel nicht, wenn ihre Flugdaten aufgehoben werden. Aber nach diesem fast schon Nahtod-Erlebnis, hätten die Flugzeugführer sicher wenig einzuwenden gehabt.

Die größten Baustellen der Lufthansa
1. UnternehmensorganisationWährend andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen. Quelle: Reuters
2. UnternehmenskulturDie Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer mindestens ein Drittel mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken. Quelle: dpa
3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab. Quelle: Pressebild
4. Umständliche Fliegerei Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mindestens zehn verschiedene Typen und fliegt entsprechend teurer. Quelle: dpa
5. Hohe Fertigungstiefe Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien. Quelle: Pressebild
6. Zu einheitliches ProduktEgal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt. Erste Ansätze, das zu ändern gibt es allerdings. Auf einigen Europastrecken übernimmt seit 1. Juli 2013 Germanwings bisherige Routen der Lufthansa. Quelle: dpa/dpaweb
7. Verlustbringende Zukäufe Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben die Töchter wie Austrian Verluste oder drohen wie Brussels Airlines in die roten Zahlen zu rutschen. Quelle: AP

Keine Beweise für die Ursache

So bleibt die Frage, wie ein ähnlicher Vorfall künftig verhindert werden kann. Der erste Verdacht fällt nun darauf, dass eben nicht das Enteisungsmittel, ein Art Alkohol, ins Triebwerk geraten ist, sondern Öl, das mit giftigen Rückständen verdampft. Aber dafür gibt es ebenso wenig einen Beweis wie dafür, dass es diese Gifte nicht waren.

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An diesem Problem arbeitet sich die Branche schon seit Jahren ab. Auch einige Gewerkschaften und Politiker wie der grüne Bundestagsabgeordnete Markus Tressel weisen seit Jahren auf das Problem hin. Doch obwohl es bereits mehrere verdächtige Vorfälle mit diesen Giften gab, waren die Vorfälle im Einzelnen bislang kaum zu reproduzieren. Zudem gibt es bislang offenbar auch keine echte Gegenmaßnahme, weil während des Flugs die Luft für die Kabinen mit Hilfe der Triebwerke von den lebensfeindlichen bis zu minus 60 Grad auf angenehmere Werte erhitzt wird.

Aber vielleicht entschließen sich nun Politik und Hersteller allmählich doch, dem Problem etwas mehr Bedeutung beizumessen.

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