Gerüchte EU wird Großfusion in US-Luftfahrtbranche wohl billigen

Die EU-Kommission wird die Fusion von American Airlines und US Airways unter Auflagen billigen. Die Unternehmen müssten Landerechte an den Flughäfen London Heathrow und Philadelphia abgeben.

Wer mit wem gemeinsam fliegt
Künftig gehört auch Air Berlin zur Allianz Oneworld. Der ehemalige Chef Joachim Hunold (Bildmitte) fädelte den Beitritt ein. Mit zwölf Mitgliedern, 2280 Flugzeugen und 330.000 Passagieren ist Oneworld die drittgrößte Allianz der Welt. Hier fliegen zum Beispiel American Airlines, Japan Airlines (JAL), British Airways, Cathay Pacific aus Hongkong oder die australische Qantas Airways im Verbund. Sie kooperieren, indem sie sich etwa Sitzkontingente leihen (Code-Sharing), Bonusprogramme teilen oder die Abflüge koordinieren. Der größte Vorteil aber ist, dass auf diese Weise auch Strecken angeboten werden können, die die Airlines selbst nicht fliegen dürfen. Quelle: dpa/dpaweb
Sky TeamDie zweitgrößte Allianz der Welt wurde im Jahr 2000 gegründet und umfasst ca. 14 Mitglieder. Zu den größten Airlines des Bündnisses gehören Air France/KLM, Delta Airlines, China Southern, Korean Air und Aeroflot.
Star AllianceDie größte Luftfahrtallianz der Welt ist die Star Alliance. Neben der Lufthansa fliegen unter ihrem Banner auch All Nippon Airways, Air China und United Airlines. Zum Verbund gehören insgesamt 26 Airlines mit knapp 4000 Flugzeugen und 604 Millionen Passagieren im Jahr. Zuletzt musste die Spanair wegen ihrer Insolvenz das Bündnis verlassen, die Aufnahme der Air India wurde wegen Finanzproblemen ausgesetzt. Quelle: dpa
EuropaNeben den großen Allianzen gibt es viele weitere Kooperationen und Übernahmen, die den Markt für Fluggesellschaften verändern. Insbesondere in Europa ist der Preisdruck auf die Airlines zuletzt immens gewachsen, während die Kerosinpreis steigen. Zudem könnte die geplante Luftverkehrsabgabe der EU das internationale Geschäft der nächsten Jahre verhageln. Die Airlines reagieren mit strikten Sparprogrammen und müssen dafür künftig enger zusammenarbeiten. Quelle: ap
Air Berlin und EtihadMit der Übernahme von der DBA im Jahr 2006 und der LTU im Jahr 2007 haben die Berliner in den vergangenen Jahren massiv expandiert um zu einem ernsthaften Konkurrent der Lufthansa aufzusteigen. Mittlerweile steckt die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft deswegen aber in massiven Finanzproblemen. Zuletzt gelang dem ehemaligen Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn ein großer Coup. Die Berliner kooperieren mit der aufstrebenden arabischen Airline Etihad. Die Fluggesellschaften teilen sich fast 100 gemeinsame Routen, das brachte allein im vergangenen Jahr einen zusätzlichen Umsatz von 100 Millionen Euro ein. Quelle: dpa
Lufthansa Für die Lufthansa könnte die Kooperation des deutschen Konkurrenten zum ernsthaften Problem werden. Die größte deutsche Airline fürchtet die neue arabische Konkurrenz. Christoph Franz, der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa, hatte zuletzt deutlichere Schranken gegen die starke Expansion staatlicher Fluggesellschaften vom Persischen Golf gefordert. Im Gegensatz zur Konkurrenz verweigert die Airline bisher eine engere Zusammenarbeit mit den Arabern. Möglich wäre aber eine engere Zusammenarbeit mit Turkish Airlines. Quelle: Reuters
Lufthansa und Swiss AirHoffnungsschimmer im Lufthansa-Konzern ist die Schweizer Airline Swiss Air. 2005 bereits hatte die Lufthansa die damals angeschlagene Swiss zu 100 Prozent übernommen - und dann erfolgreich saniert. Mittlerweile wächst das Passagieraufkommen der Schweizer. Als eine der wenigen Konzerntöchter können die Schweizer auch im operativen Geschäft einen Gewinn ausweisen. Quelle: Reuters

Die EU-Kommission wird Kreisen zufolge die Fusion von American Airlines und US Airways unter Auflagen billigen. Die Unternehmen müssten für das Projekt mit einem Umfang von elf Milliarden Dollar Landerechte an den Flughäfen London Heathrow und Philadelphia abgeben, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag.

"Die Fusion wird gebilligt", hieß es. Die EU-Kommission will bis Dienstag kommender Woche über das Vorhaben entscheiden. Die Konzerne hatten im Juli Zugeständnisse angeboten, um Wettbewerbsbedenken zu zerstreuen. Mit der Fusion würde die größte Fluggesellschaft der Welt entstehen.
US Airways wollte sich nicht äußern. Bei der American-Airlines-Muttergesellschaft AMR war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. American würde mit der Fusion das seit 2011 laufende Insolvenzverfahren verlassen. Auch die US-Kartellbehörden sind mit der Fusion befasst. AMR zufolge haben die Wettbewerbshüter in Kanada, Brasilien und Mexiko keine Einwände gegen das Vorhaben.

Die beiden Fluggesellschaften hatten ihre Fusion im Februar verkündet und wollen sie bis zum dritten Quartal durchziehen. Es entsteht dabei die neue Nummer eins am Himmel mit mehr als 1500 Flugzeugen und einem Jahresumsatz von annähernd 39 Milliarden Dollar (30,5 Milliarden Euro). Die neue Gesellschaft wird den Namen American Airlines tragen. American Airlines ist nach Passagierzahlen die drittgrößte Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten, US Airways ist die Nummer fünf. Zusammengenommen verdrängen sie die ebenfalls aus einer Fusion hervorgegangene United Continental vom Spitzenplatz.

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