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Gläubigerversammlung bei Air Berlin Zahlen, Fakten und ein Hauch Geisterstimmung

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Die klassischen Gläubiger werden wohl leer ausgehen

Dann beginnt die Gläubigerversammlung, der leitende Rechtspfleger verliest die Tagesordnung. Kebekus tritt ans Mikrofon: "Guten Morgen, meine Damen und Herren", sagt er, bevor er über die Details des Verfahrens spricht, über den 150-Millionen-Euro-schweren KfW-Kredit, der für Schlagzeilen gesorgt hat und über den Prozess zum Verkauf von Air Berlin. Es sind die Fakten des Untergangs, die Kebekus hier referiert. Im schwarzen Anzug mit Krawatte wirkt er dabei mehr wie ein Testamentsvollstrecker als der Trauerredner. Nüchtern benennt er die Gründe des Scheiterns: die überstürzte Expansion, die mangelhafte Integration der zugekauften Teile, der hohe Kapitalbedarf, die häufigen Managementwechsel. "Es ging lebhaft zu auf der Brücke", sagt Kebekus.

Als der Großaktionär Etihad im August 2017 die Geldströme kappte, kollabierte das Gebilde. Deren Abwicklung dürfte nun bis zu zehn Jahre dauern, sagt Kebekus. Der Mann, der in diesem Zeitraum das Verfahren steuert, betritt um kurz nach 11 Uhr die Bühne: der Jurist Flöther. Er will nun vor allem prüfen, ob es Ansprüche gegen Etihad oder frühere Verantwortliche von Air Berlin gibt. Ein Team von PwC sei mit der Prüfung der Buchhaltung beauftragt worden. Momentan aber "gibt es in dem Verfahren keine Quotenaussichten", sagt Flöther. Im Klartext: die klassischen Gläubiger - etwa Passagiere mit Ansprüchen für Flugausfälle - werden wohl leer ausgehen.

Die Chronik von Air Berlin

Nach Flöthers kurzem Vortrag beginnt die Fragerunde. Ein Anwalt nominiert sich als Vertreter von Kleingläubigern für den Gläubigerausschuss, die dort bislang nicht vertreten seien. Details zu den möglichen Ansprüchen gegen Etihad werden abgefragt. Noch sei aber alles offen, sagt Flöther. Ob es mögliche Klagen geben wird, wie diese finanziert werden könnten und wo geklagt werden würde, muss in den nächsten Monaten geklärt werden. Auch die Krankmeldungen zahlreicher Piloten nach dem Insolvenzantrag sind Thema. Schäden von rund fünf Millionen Euro seien durch diese sogenannten "sick-outs" entstanden, rechnet Kebekus vor.

Die meiste Zeit nehmen indes Fragen zum Abstimmungsprozedere bei der Wahl zum Gläubigerausschuss in Anspruch. Sollen sieben oder fünf Mitglieder in dem Gremium sitzen? Ist ein Begrenzung der Mitgliederzahl überhaupt zulässig und wie soll darüber abgestimmt werden. Immer wieder werden neue Vorschläge gemacht. Um 13.20 Uhr sind alle Fragen beantwortet, die Gläubiger haben sich für fünf Mitglieder im Ausschuss entschieden, die Versammlung schließt - und damit wohl auch das Kapitel Air Berlin.

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