Glücksspiel Merkur-Chef will Glücksspielvertrag zu Fall bringen

Exklusiv

Paul Gauselmann, Deutschlands größter Glückspielautomatenhersteller und Inhaber der Spielhallenkette Merkur, will spätestens 2014 den neuen Glückspielstaatsvertrag kippen.

„Wenn ich zehn Millionen im Lotto gewänne...“
Die meisten der 1001 Befragten ginge sehr zurückhaltend mit dem neuen Reichtum um: 46 Prozent würden sich eine Weltreise gönnen, 32 Prozent würden gar nichts Grundlegendes am Leben ändern, 31 Prozent ihren Wohnsitz verlegen. Noch ein Prozent der Befragten gab an, im Falle eines zehn Millionen Euro-Gewinnes den Partner verlassen zu wollen. Quelle: dpa
Aber nur 15 Prozent würden als Multimillionäre ihren Job aufgeben oder ihn wechseln. Für Dr. Johannes Ullrich, Psychologe an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, bestätigen sich damit langjährige Forschungsergebnisse: „Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass Arbeit nicht nur wichtig ist, um materiell abgesichert zu sein, sondern auch, um dem Tag Struktur zu geben und um soziale Beziehungen über die Familie hinaus zu etablieren.“ Quelle: dpa
Die Umfrage, die Emnid für die Zeitschrift Reader‘s Digest durchgeführt hat, zeigt, wie die Deutschen mit einem Lottogewinn umgingen. So gaben 45 Prozent an, sie würden einen Großteil des Geldes für die private Vorsorge anlegen, 34 Prozent würden ihren persönlichen Lebensstandard erhöhen, weitere 17 Prozent würden eine Geschäftsidee verwirklichen. Quelle: dpa
Die große Mehrheit der Befragten würde den Zehn-Millionen-Gewinn geheim halten. 79 Prozent der Befragten informieren den Partner oder die Partnerin, 60 Prozent könnten sich auch vorstellen, den Eltern, Geschwistern und nahen Verwandten davon zu erzählen. Aber nur 32 Prozent würden Freunde über den Lotteriegewinn informieren, gar nur elf Prozent würden es den Kollegen am Arbeitsplatz erzählen. Quelle: dpa
„Dass man Freunden nichts erzählt, ist nicht so sehr der Angst geschuldet, die könnten etwas abhaben wollen. Man will vermeiden, dass man sich in den Augen der anderen verändert“, erklärt Psychologie Ullrich dieses Phänomen des Verschweigens. Freunde suche man sich nach dem Gleichheitsprinzip aus und ein riesiger Lottogewinn verändere diese Balance. Quelle: obs
Dazu passt auch der Aspekt der Umfrage, mit wem man den Gewinn denn teilen würde. An erster Stelle rangiert mit 92 Prozent die Familie, in großem Abstand folgen mit 41 Prozent die Freunde. Dafür behaupten 87 Prozent, sie würden zumindest Teile der Millionen für einen guten Zweck spenden. Quelle: dapd
Auf die entsprechende Frage, ob Geld glücklich macht, antworteten 62 Prozent denn auch mit Nein und 37 Prozent mit Ja. Dabei glauben eher sehr junge und alte Befragte, daran, dass Geld einen Anteil am Glücklichsein hat. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 43 Prozent, bei den 60+-Jährigen 39-Prozent. Quelle: obs
Befragte mittleren Alters sind da kritischer: 34 Prozent der 30- bis 39-Jährigen und nur 28 Prozent der 40- bis 49-Jährigen glauben an Glück durch Geldsegen. Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 37 Prozent. Quelle: dpa
Auch diese Überzeugung ist wissenschaftlich gestützt: „Forschungsergebnisse zeigen, dass es die Lebenszufriedenheit nicht nachhaltig beeinflusst, wenn man ein Vermögen erbt oder im Lotto gewinnt“, sagt Ullrich. Im Moment des Gewinnens sei die Freude zwar groß, doch nach etwa vier Wochen sei die Zufriedenheit im Vergleich zum Zeitraum vor dem Gewinn kaum größer. Quelle: dpa
Stattdessen würden die meisten den neuen Reichtum offenbar dazu nutzen, mehr Zeit zu haben. 68 Prozent gaben an, sich ehrenamtlich zu engagieren, 84 Prozent würden die gewonnene Freizeit in die Familie investieren, 90 Prozent würden sich mehr als bisher ihren Hobbies widmen. Quelle: ap

„Ich sage voraus, dass es den Glücksspielstaatsvertrag 2014 nicht mehr geben wird“, sagte Gauselmann der WirtschaftsWoche. „Wir haben bereits die besten Anwälte in ganz Deutschland auf die Sache angesetzt. Klagen laufen.“
Nach Angaben von Gauselmann spüre die Branche bereits die Einschränkungen durch das neue Gesetz. Weil künftig maximal zwölf Automaten pro Spielhalle erlaubt sind, müsse die Branche in den nächsten fünf Jahren über 50 Prozent der Automaten abbauen. Insgesamt 8.000 Arbeitsplätze seien dadurch bedroht. „Ich muss jetzt auf Anhieb 500 Leute entlassen“, sagte Gauselmann dem Magazin.

Der Merkur-Chef wehrt sich gegen die Einschränkungen auch deshalb, weil Glückspiele im Internet davon unberührt bleiben. „An unseren Automaten können Spieler maximal 80 Euro pro Stunde verlieren, in der Praxis sind es durchschnittlich 10,85 Euro pro Stunde. Im Internet sind die 80 Euro schnell nach zwei Minuten weg, meistens handelt es sich um genau die gleichen Spiele“, kritisiert Gauselmann. Die Politik begründet die Einschränkungen für die Spielhallen mit der grassierenden Spielsucht in Deutschland.

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