Griechenland Fraport darf griechische Flughäfen übernehmen

Athen drückt in Sachen Privatisierungen aufs Tempo: Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bekommt nach langem Zögern wohl den Zuschlag für 14 griechische Regionalflughäfen.

Diese Verkäufe sollen Athens Kassen füllen
Im vergangenen Herbst bekam der deutsche Flughafenkonzern Fraport den Zuschlag für eine auf 40 Jahre laufende Konzession zum Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen, einer davon ist der Flughafen " Macedonia" in Thessaloniki (Foto). Die neue Regierung war zunächst dagegen, will die Vergabe aber jetzt bis zum Spätherbst abschließen. Athen setzt den Erlös der Konzession bei 1,4 Milliarden an. Weitere 240 Millionen sollen durch eine Gewinnbeteiligung hereinkommen. Quelle: dpa
Die Betreibergesellschaften der Häfen von Piräus (Foto) und Thessaloniki sollen privatisiert werden. Die Regierung erwartet Erlöse von 610 Millionen Euro. Zu den Interessenten gehört auch der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco. Er betreibt in Piräus bereits eines der größten Containerterminals im Mittelmeer. Es dient als Drehscheibe für den Containerverkehr zwischen Asien und Mitteleuropa. Quelle: dpa
Der Staat sucht einen Käufer für den Bahnbetreiber Trainose. Das Unternehmen erwirtschaftete zwar nach einer Sanierung 2013 einen Gewinn, gilt aber wegen des veralteten Schienennetzes als wenig profitabel. Interesse an Trainose zeigen unter anderem die russischen Staatsbahnen RZD. Erhoffter Erlös: 50 Millionen Euro. Quelle: AP
Die Gläubiger fordern die Privatisierung des staatlichen Stromkonzerns DEI und der Verteilungsnetze, wogegen sich die Syriza-Regierung aber bisher sträubt. Kein Wunder: Bei DEI haben Syriza-nahe Gewerkschaften das Sagen. Bei einer Privatisierung fürchten sie um die Privilegien der Belegschaft. Quelle: REUTERS
Filetstück im staatseigenen Liegenschaften-Portfolio ist das seit über einem Jahrzehnt ungenutzte Gelände des früheren Athener Flughafens Ellinikon (Foto), Griechenlands wertvollstes Grundstück. Daneben gehören dem Privatisierungsfonds rund 1000 weitere Grundstücke und die staatliche Immobiliengesellschaft ETAD mit rund 78.000 Liegenschaften. Unter dem Strich sollen die Grundstücke und Gebäude 3,2 Milliarden Euro einbringen. Quelle: dpa

Nach monatelanger Hängepartie bekommt der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport den Zuschlag für den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen. Die entsprechende Entscheidung der linksgeführten Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras wurde am Dienstagmorgen bekannt. Der Gesamtkaufpreis für die Betreiberkonzessionen beträgt 1,234 Milliarden Euro. "Die griechische Regierung hat einen Beschluss gefasst, der Grundlage für weitere Verhandlungen über den Betrieb von 14 Regionalflughäfen sind", sagte ein Fraport-Sprecher am Dienstag. Verträge seien aber noch nicht unterschrieben.

Der Verkauf an Fraport ist eine der Bedingungen für das dritte Hilfsprogramm für Griechenland im Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro. Die Frankfurter hatten im November 2014 zusammen mit einem örtlichen Partner für 1,2 Milliarden Euro den Zuschlag für die Airports erhalten und verhandelten seitdem über die Konditionen. Unübersichtlich wurde die Lage, als die neue griechische Regierung viele Privatisierungsprojekte infrage stellte.

Die Regierung von Tsipras hatte die Privatisierung jedoch danach infrage gestellt und später Änderungen an den Verträgen gefordert. Eine Übernahme des Betriebs durch Fraport noch in diesem Jahr scheint angesichts der Verzögerungen nicht realistisch.

Unter den Flughäfen, die die Fraport AG übernehmen soll, sind die der Jet-Set-Inseln Mykonos, Santorini und Skiathos sowie der Touristeninseln Rhodos, Korfu und Kos und einer auf dem Westen der Mittelmeerinsel Kreta bei Chania. Das von Fraport mehrheitlich geführte Konsortium übernimmt auch den Flughafen der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki.

Es ist eine der größten Privatinvestitionen seit Ausbruch der Finanzkrise in dem hoch verschuldeten Land vor gut fünf Jahren, hieß es aus Kreisen des Privatisierungsfonds (TAIPED) in Athen. Durch den Verkauf des griechischen Tafelsilbers sollen langfristig 50 Milliarden Euro zusammenkommen.

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