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Griechenland-Tourismus boomt Entspannen im Schuldenstaat

Finanzkrise und drohende Staatspleite: Politiker regagieren beim Thema Griechland derzeit reichlich angespannt. Touristen hingegen nutzen das Ägäis-Land so häufig zum Relaxen wie nie zuvor.

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In der griechischen Tourismuswirtschaft ist von der Krise nichts zu spüren. Quelle: dpa

Schuldenstreit? Staatspleite? Rausschmiss aus dem Euro? Streit mit der EU? In der griechischen Tourismuswirtschaft ist von alle dem nichts zu spüren: Hellas boomt als Reiseland, der Abwärtstrend ist längst gestoppt, "dieses Jahr wird noch besser als das vergangene", hofft die stellvertretende griechische Wirtschaftsministerin Elena Kountoura. Auch bei deutschen Urlaubern steht das Ägäis-Land wieder hoch im Kurs.

Der Tourismus ist der erfolgreichste Wachstumstreiber des von Finanzkrise, Überschuldung und Staatspleite bedrohten Landes im Süden Europas: Nach ersten Schätzungen des Verbandes der Griechischen Tourismusunternehmen (SETE) und der Marketing-Organisation Marketing Greece werden in diesem Jahr rund 25 Millionen Gäste nach Griechenland reisen - mehr Touristen denn je. Nach Berechnungen  der SETE wird die Reiseindustrie damit rund 14 Milliarden Euro zum Bruttosozialprodukt des Landes beisteuern.

Reiseziel für kaufkräftige Russen

Grundlage für die zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin vorgestellten Prognosen ist das bestätigte Frühbucher-Aufkommen für die diesjährige Reisesaison und der deutlichen Anstieg der für 2015 geplanten Linienflüge nach Griechenland. Bleibt es bei der erwarteten Entwicklung, wird die Rekordzahl des vergangenen Jahres in Höhe von 24,5 Millionen Reisenden – inklusive der rund 2,5 Millionen Gäste, die das mit Kreuzfahrtschiffen besuchen – in der laufenden Saison nochmals um eine halbe Millionen übertroffen.

Die Urlaubs-Trends 2015

2014 lief für die hellenischen Hotel- und Restaurantbetreiber, Reiseveranstalter und sonstige touristische Dienstleister schon super: Im Vergleich zu 2013 erhöhte sich die Zahl der Reisenden um 23 Prozent, der Beitrag der Tourismusbranche zum griechischen Sozialprodukt stieg auf rund 13,5 Milliarden Euro. Insgesamt sichert die Branche rund 100.000 Arbeitsplätze im Land.

Die Erlöse aus dem Urlaubergeschäft hätten sogar noch höher ausfallen können, wenn mehr Flugkapazitäten zur Verfügung gestanden hätten. Dimitris Gerogiannis, Vorstandsvorsitzender der griechischen Fluggesellschaft Aegean Airlines, bietet seinen Kunden aus Deutschland darum mehr Direktflüge an als jemals zuvor.

"Wir verbinden in der Sommersaison sieben deutsche Städte mit Athen sowie mit unseren regionalen Flughäfen in Heraklion, Kalamata, Korfu, Rhodos und Thessaloniki", sagt Gerogiannis. "Insgesamt bedienen wir 25 Routen zwischen Deutschland und Griechenland. Über Athen erreichen unsere Gäste aus Deutschland 33 verschiedene Inlandszielen, darunter zahlreiche kleine Inseln.“       

Griechenland-Urlaub wird günstiger

Über den Aufschwung freut sich die auch für die Reiseindustrie ihres Heimatlandes zuständige Ministerin Kountoura um so mehr, weil es durchaus auch Probleme gibt: Griechenland war in den vergangenen Jahren immer mehr zum beliebten Reiseziel kaufkräftiger Russen geworden. Durch die Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts läuft die russische Wirtschaft inzwischen im Rezessionsmodus, der Rubel-Wechselkurs ist auf ein Rekordtief gesunken - viele Russen können sich keine Auslandsurlaube mehr leisten, eine Entwicklung, die auch Griechenland deutlich spürt.

Das sind die zehn beliebtesten Urlaubsländer
10. Platz: Dominikanische RepublikZwischen Atlantik und der Karibik liegt eine der beliebtesten Inseln für Touristen und Urlauber. Die Dominikanische Republik lockt mit endlos weißen Stränden, heißen Temperaturen und rhythmischer Musik. Aber Vorsicht: Die Kriminalität im Lande ist laut des Auswärtigen Amts hoch. Die Behörde warnt Reisende deswegen vor möglichen Gefahren. Quelle: Das Ranking beruht auf einer Auswertung des Online-Vergleichsportals Check24.de aller gebuchten Pauschalreisen für die Sommerferien 2014. Berücksichtigt wurden Daten zu Reiseziel, -dauer, -zeitraum und Verpflegung. Quelle: dpa
9. Platz: Vereinigte Arabische EmirateNeun Millionen Menschen leben in dem Land am Persischen Golf, das durch seinen Reichtum, seine Scheichs und Ölvorkommen bekannt ist. Vor allem für Urlauber ist die stetig wachsende Skyline der Hauptstadt Abu Dhabi ein Muss. Wem das tagsüber zu viel Trubel bei knapp 40 Grad werden, der taucht am Abend in die muslimische Kultur ein. Sorgen machen müssen sich Reisende nicht: Der Staat gilt als einer der sichersten im Mittleren Osten. Quelle: AP
8. Platz: PortugalDer Staat an der Iberischen Halbinsel ist der westlichste Punkt Europas und lockt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Ob Lissabon oder die Hafenstadt Porto: Ein Besuch in den Altstädten lohnt sich für Touristen. Beliebt ist Portugal vor allem bei den Badetouristen. 25 Millionen Ausländer lassen sich jährlich im Sommer an den Stränden der Algarve nieder. Quelle: dpa
7. Platz: ItalienDie mittelalterliche Stadt San Gimignano liegt auf einem 324 Meter hohen Hügel im Chianti-Land und ist umgeben von Weinbergen und Olivenhainen. Beliebte Ziele in Italien sind aber auch die Alpen, die Küstengebiete sowie die Toskana und Sizilien – auch in diesem Sommer. Jährlich reisen mehr als 40 Millionen Touristen nach Italien. Quelle: dpa
7. Platz: TunesienWie so viele Nationen lebt auch der nordafrikanische Staat Tunesien von seinen Urlaubern. Und die kommen jährlich in Scharen. Kein Wunder: Die Küste ist 1300 Kilometer lang, zumeist mit Sandstränden. 816 Herbergen mit fast 230.000 Betten stehen den Reisenden während der Hauptsaison zur Verfügung. Quelle: dpa
5. Platz: BulgarienDer Tourismus in Bulgarien ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und gliedert sich in mehrere Bereiche: Erholungs- und Badetourismus, Jagdtourismus, Wintersport und Kulturtourismus. Seit Ende der 1990er Jahre sind vor allem Ziele an der Schwarzmeerküste sehr beliebt. 2011 kamen 8,5 Millionen Urlauber nach Bulgarien. Quelle: dpa
4. Platz: ÄgyptenVorbei ist die Zeit der Stille an den Pyramiden: Nachdem das Auswärtige Amt mehrere Reisewarnungen für Ägypten zurückgenommen hat, werden einige ägyptische Urlaubsgebiete wieder angesteuert. Große Anziehungskraft erfreut sich vor allem das letzte erhaltene der Antiken Sieben Weltwunder, die Pyramiden von Gizeh. Doch auch die Sphinx, eine Gestalt mit Löwenkörper und Menschengesicht, wird immer wieder gerne besichtigt. Ägypten ist allerdings auch für Badeurlauber wie geschaffen. Quelle: dpa

"Aber wir sehen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und anderen Märkten Zuwächse", freut sich Kountoura. Die Zahl der Reisenden aus Deutschland etwa stieg 2014 gegenüber 2013 um 8,6 Prozent auf rund 2,5 Millionen Gäste. Mit rund zwei Milliarden Euro nahmen die Ausgaben deutscher Urlauber gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent zu.

Deutschland als wichtiger Quellmarkt dürfte nach den jüngsten Erhebungen des Markforschungsinstituts GfK von Ende Januar 2015 nochmal zulegen: Die Griechenland-Buchungen aus Deutschland steigen demnach im laufenden Jahr um zwölf Prozent - beflügelt wird die Entscheidung deutscher Urlauber für das Land auch, weil der durchschnittliche Reisepreis um ein Prozent günstiger ausfällt als im Vorjahr.

Politik verdirbt die Lust am Urlaub nicht

Die Neuwahlen in Griechenland und der seitdem in der medialen Öffentlichkeit mit aller Härte ausgetragene Schuldenstreit zwischen dem griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis und seinem deutschen Ressortkollegen Wolfgang Schäuble sowie die überwiegend schlechte Presse für das strauchelnde Land am Südrand der EU haben daran nichts geändert.

"Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, das die Deutschen aufgrund der veränderten politischen Situation in Griechenland weniger Lust auf Reisen dorthin hätten", sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). "Wir sind wieder auf dem Niveau von vor der Krise angelangt, nachdem wir zwischendurch Rückgänge von über 30 Prozent hatten."

Die großen deutschen Reiseveranstalter stützen Fiebigs Aussage, nach ihren Beobachtungen sei die Nachfrage nach Hellas-Urlaub ungebrochen hoch. "Wir sehen starke Vorausbuchungen für die Sommersaison, Griechenland gehört weiterhin zu den fünf Top-Zielen unserer Gäste, heißt es bei Thomas Cook.

"Die aktuellen politischen Debatten haben bis heute keinen Einfluss auf der Buchungsverhalten", sagt auch Marktführer TUI. Die DER Touristik, die Reisesparte des Einzelhandelskonzerns Rewe, spürt ebenfalls kein Nachlassen der Nachfrage.

Länder in die keiner fährt
Platz 10: PalauDer pazifische Inselstaat hatte im Jahr 2013 nur 105.000 Besucher. Die besten Verbindungen nach Palau gibt es von Australien und Neuseeland aus. Touristisch ist die Republik kaum erschlossen, es gibt nur kleinere Bungalow- und Appartement-Anlagen. Beliebt sind Tauchen und Schnorcheln vor der Insel. "Forbes Traveller" wählte die Blue Corner in Palau zum besten Tauchgebiet der Welt. Es überzeugt mit farbenprächtigen Korallenriffen, einer vielfältigen Tierwelt und Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Quelle: World Tourism OrganizationFoto: Peter R. Binter. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz 9: Moldawien2013 besuchten 96.000 Menschen von außerhalb das Land, das sich zwischen Rumänien und der Ukraine befindet. In dem christlich-orthodox geprägten Land gibt es viele Klöster, Kathedralen und Kirchen zu besichtigen. Im Bild: das Kloster Capriani aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Joergsam. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons
Platz 8: Ost-Timor78.000 Menschen kamen nach Ost-Timor (auch: Timor-Leste). Das Land im Südosten Asiens wird von traumhaften Inseln umgeben, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben. Neben schönen Stränden bietet das Land auch Gelegenheit zu Wanderurlaub und Tauchgebiete. Die Korallenriffe gehören zu den artenreichsten der Welt. In unmittelbarer Nähe liegen die beliebten Touristenziele Bali und Australien. Bisher ist das Land vor allem bei Rucksacktouristen beliebt, da es relativ teuer ist und kaum Infrastruktur bietet. Quelle: AP
Platz 7: DominicaEbenfalls rund 78.000 Besucher fanden im vergangenen Jahr den Weg nach Dominica. Es handelt sich um einen karibischen Inselstaat zwischen den französischen Karibikinseln der Übersee-Départements Guadeloupe im Norden und Martinique im Süden. Wegen der üppigen Tier- und Pflanzenwelt heißt Dominica auch "die Naturinsel". Versuche, den Tourismus zu fördern, scheiterten bisher. Millionen flossen in den Ausbau eines Flughafens, der aber bislang keine internationale Zulassung hat und nur kleine Maschinen von umliegenden Inseln dort landen können. Foto: Hans Hillewaert - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons
Platz 6: St. Vincent und die Grenadinen2013 kamen 72.000 Touristen hierher. St. Vincent und die Grenadinen ist ein unabhängiger Inselstaat in der westindischen Karibik. In der Nähe liegen beliebte Inseln wie Barbados und Grenada. Foto: Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons
Platz 5: AnguillaAuch diese Karibik-Insel ist touristisch noch kaum erschlossen. 69.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr. Die Insel aus Korallen und Kalkstein ist nur 96 Quadratkilometer groß. Die Insel hat zwei Häfen und einen Flughafen. Die Hoffnungen der Wirtschaft ruhen hauptsächlich auf dem Luxus-Tourismus. Foto: Seebeer. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons Quelle: Creative Commons
Platz 4: Liechtenstein Klein und übersichtlich: Das 160 Quadratkilometer große Liechtenstein liegt eingepfercht zwischen der Schweiz und Österreich. Flächenmäßig handelt es sich um den sechstkleinsten Staat der Welt. Das malerische Alpenland war vor allem als Steueroase bekannt, bis 2013 ein internationales Abkommen zur Verhinderung von Steuerflucht unterzeichnet wurde. 60.000 Menschen besuchten 2013 Liechtenstein. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Beim Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours legt Griechenland sogar im dritten Jahr in Folge zu. Im vergangenen Sommer steigerte das Unternehmen die Gästezahl um 17 Prozent, auf Rhodos und Kreta sogar um 50 Prozent.

In der laufenden Saison erwartet Alltours-Chef Willi Verhuven nochmals Buchungszuwächse von rund 20 Prozent, sowohl auf dem Festland als auch auf den griechischen Inseln. Seit der Wahl ist der tägliche Buchungseingang sogar noch gestiegen, Verhuven hat die Zahl seiner Vertragshotels darum auf mehr als 320 Häuser aufgestockt, gut zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

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Grexit wäre den Reiseunternehmen egal

Selbst ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro sehen die großen deutschen Reiseveranstalter gelassen. "Die Verträge mit Hoteliers und Partnern sind verbindlich in Euro geschlossen", sagt Thomas Cook. Sollte Griechenland sich nicht mit den übrigen Euro-Ländern auf eine Lösung des Schuldenproblems einigen können, aus dem Euro ausscheiden und die Drachme wieder einführen, würde sich an den Euro-Reisepreisen nichts ändern - zumindest nicht kurzfristig in der laufenden Saison.

Dennoch könnten Urlauber womöglich von einem Euro-Grexit profitieren, weil die in Drachmen zu zahlenden Nebenkosten vor Ort - etwa für Restaurants, Ausflüge oder Souvenirs wegen der vermuteten Abwertung der griechischen Währung gegenüber dem Euro tendenziell sinken. Das würde auch solchen Touristen nützen, die ihr Hotel auf eigene Faust und nicht im Rahmen eines Pauschalangebots buchen.

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