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Griechenland-Tourismus Die Regierung tut nicht, was sie müsste

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Höhere Mehrwertsteuer

Die Einigung Athens mit den Gläubigern brachte dennoch schlechte Nachrichten für die Hoteliers. Vom 1. Oktober an steigt die Mehrwertsteuer für Restaurants auf 23 Prozent. Der Satz für Unterkünfte verdoppelt sich auf 13 Prozent, womit Griechenland den höchsten Satz in Südeuropa hat: In Portugal zahlen Hotels nur sechs Prozent, in der Türkei acht.

Der Tourismusverband Sete hatte gehofft, dass die Regierung die höhere Mehrwertsteuer vermeiden könnte. Aber die Troika blieb hart. „Immerhin kommt der Aufschlag nicht mitten in der Saison“, sagt Andreadis. „Und nach einem Jahr soll überprüft werden, ob dadurch mehr Geld in die Staatskasse kommt.“ Er zweifelt daran sehr.

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Weder die Gläubiger noch die Regierung in Athen haben offenbar die Bedeutung des Tourismus für Griechenland erkannt. Die Troika attestiert dem Sektor zwar hohe Wettbewerbsfähigkeit und sieht in ihm einen wichtigen Faktor, der ausländisches Geld in ein sonst extrem exportschwaches Land bringt. Aber ausgerechnet eine Branche zu belasten, die im internationalen Wettbewerb steht, zeigt, dass es der Troika mitunter an Fingerspitzengefühl fehlt.

Griechenlands Regierung tut nicht, was sie müsste

Ex-Premier Alexis Tsipras, der in den von ihm ausgerufenen Neuwahlen am 20. September wieder antritt, ist immerhin von seiner Forderung abgerückt, All-Inclusive-Resorts zu verbieten. Die hatte er beschuldigt, Einheimische und Gäste von einander zu „entfremden“. Aber von einer Strategie für die Branche kann in Athen keine Rede sein. „Die Regierung sieht Tourismus nur als Cashcow“, sagt Sete-Chef Andreadis. „Vieles von dem, was die Regierung machen müsste, tut sie nicht.“

Dazu zählt etwa, die Vielzahl von absurden Regulierungen zu durchforsten, die die Branche überzieht. Zwar wurde auf Betreiben der Troika ein Gesetz abgeschafft, dass Privatleuten die Vermietung von Ferienhäuser für weniger als drei Monate verbot. Aber noch immer sind Fährtickets nicht systematisch im Internet buchbar, weil die Reisebüros auf den Inseln um ihren Umsatz fürchten.

Aus ideologischen Gründen hatte die Regierung Tsipras auch die Privatisierung von Flughäfen verschleppt, wo Reisende teilweise verheerende Zustände vorfinden. Auf Rhodos etwa, einem Flughafen mit dem Charme einer Ostblockbehörde, sind die Toiletten von weitem am Geruch zu erkennen. Neben den Toiletten quellen offene Abfallkörbe mit benütztem Klopapier über, das wegen der schmalen Rohre nicht herunter gespült werden kann. Investitionen wären nicht nur in die Infrastruktur notwendig, sondern auch beim Umweltschutz. Abwasser fließt oft ungeklärt ins Meer.

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