Gründer verlässt Konzern: Signa braucht diesen Neuanfang ohne René Benko

René Benko hat die Signa-Gruppe zu einem der wichtigsten Player im europäischen Immobilienmarkt gemacht. Doch nun wachsen die Zweifel am Gründer.
Foto: dpaMan mag zu René Benko stehen, wie man will. Fest steht: Er hat Großes geschaffen. Aus dem Nichts machte er seine Signa-Gruppe zu einem der wichtigsten Player im europäischen Immobilienmarkt. Areale wie das Goldene Quartier oder das Park Hyatt Hotel in Wien gehören zu seinem Reich, ebenso Handelsunternehmen wie Galeria, die KaDeWe-Gruppe oder die Schweizer Globus-Warenhäuser. Doch so wichtig Benko für den Aufbau der Signa-Gruppe auch war, so sehr bedroht er nun deren Erhalt. Zu viel Vertrauen hat der 46-Jährige zuletzt verspielt, zu angeschlagen ist sein Image, als dass er Signa noch aus der Krise führen könnte.
Angesichts der Lage am Immobilienmarkt und des Finanzbedarfs der Gruppe kann das nur eines heißen: Signa braucht einen Neuanfang – ohne Benko.
Ein externer Aufräumer muss ran
Rein formal hatte der Gründer zwar schon vor seinem jetzigen Ausscheiden bei Signa nichts mehr zu sagen. Er war lediglich noch Vorsitzender des Beirats. Doch auch wenn Benko kein operatives Amt innehat, liefen bei ihm nach wie vor alle Fäden zusammen. Kaum etwas ging gegen seinen Widerstand – das wissen Signas Gesellschafter, Kreditgeber und Geschäftspartner. Wenig hilfreich dürfte es da zuletzt gewesen sein, dass die Staatsanwaltschaft Wien ihn verdächtigt, einen Mitarbeiter des österreichischen Finanzministeriums bestochen zu haben.
Auch wenn Benko den Vorwurf bestreitet: Allein, dass der Verdacht im Raum steht, förderte nicht unbedingt das Vertrauen in den Signa-Gründer. Hinzu kommt, dass die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) nach früheren Medienberichten die Engagements europäischer Banken bei Signa genauer unter die Lupe nehmen. Wie sie mit der Situation umgehen, werden Banker derzeit wohl sehr genau prüfen. Und nicht zuletzt seine Mitgesellschafter bei Signa dürften die herausgehobene Rolle Benkos zunehmend kritisch gesehen haben.
Kurzum: Ein Neustart war überfällig.
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Transparenzhinweis: Dieser Kommentar erschien erstmals am 23. Oktober bei der WirtschaftsWoche. Er wurde im Zuge der aktuellen Entwicklungen am 8. November redaktionell aktualisiert.