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Grüne Hölle Rock Nürburgring-Festival vor Verlegung auf Schalke

Exklusiv

Am Nürburgring zoffen sich Rennstreckenbetreiber CNG und Konzertveranstalter Deag wegen der Kosten für das Rockfestival „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ Ende Mai. Eine Absage oder Verlegung sind im Gespräch – jetzt zeigt sich: Die Reise könnte nach Gelsenkirchen gehen.

Plakat für die Veranstaltung

Im Streit um die Zukunft des Rockfestivals am Nürburgring zeichnet sich eine Alternative im Ruhrpott ab: Wie die WirtschaftsWoche aus Branchenkreisen erfuhr, hat der Berliner Konzertveranstalter Deag für das letzte Mai-Wochenende die Veltins-Arena auf Schalke reserviert – das Stadion in Gelsenkirchen, in dem sonst Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 seine Heimspiele austrägt. Nachdem Deag-Chef Peter Schwenkow die Information auf Anfrage zunächst nicht kommentieren wollte, hat das Unternehmen den Bericht der WirtschaftsWoche mittlerweile in einer Ad-Hoc-Mitteilung bestätigt.

Die Deag treibt damit eine Alternative voran, sollte es an der Rennstrecke nicht zu einer Einigung  mit dem Betreiber Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) kommen. Beide Seiten streiten um die Kosten für das Festival, dass eigentlich vom 29.-31. Mai unter dem Namen „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ am Nürburgring stattfinden soll. Weil der Ticketvorverkauf miserabel läuft, sind Vorkosten in Millionenhöhe zu bedienen.

Deag-Chef Peter Schwenkow listet in einem Schreiben an die CNG vom 17. März auf, dass nur knapp 800 000 Euro an Vorverkaufserlösen für „Der Ring“ eingegangen sind. Das Schreiben liegt der WirtschaftsWoche vor. Demgegenüber stehen bereits aufgelaufene Kosten von mehr als 3,5 Millionen Euro – und Schwenkow weist darauf hin, dass bis Ende März weitere Vorauszahlungen für Künstlergagen von fast 1,27 Millionen fällig werden.

CNG hat Vertragsauflösung vorgeschlagen

Da die Vorverkaufserlöse nicht ausreichen, um die Vorkosten zu decken, fordert Schwenkow die CNG mit einer kurzen Frist auf, „Liquidität zur Verfügung zu stellen.“ Seiner Ansicht nach muss sich die CNG an den Kosten beteiligen, weil eine hälftige Aufteilung der Kosten vereinbart sei. Die Frist lief am Freitag ab, ob die CNG gezahlt hat, ist bisher nicht bekannt.

Die CNG wiederum hat der Deag bereits ein Angebot für eine Auflösung des Fünfjahresvertrags für das Festival gemacht, was Schwenkow aber zurückweist. „Den Bedingungen der von Ihnen vorgeschlagenen Vertragsaufhebung“, heißt es in dem Schreiben, könne er nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat „nicht zustimmen“.

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Angesichts des Zerwürfnisses mit der CNG hatte Schwenkow der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche bereits bestätigt, dass er eine Verlegung des Festivals in Erwägung zieht und alternative Ausrichtungsorte prüft. Ob es zu einer Absage oder Verlegung kommt, wird sich voraussichtlich in dieser Woche entscheiden. 

Arena ist konzerttauglich – aber auch für Festivals?

Mit der Arena in Gelsenkirchen bereitet die Deag aber eine Option vor. Sollte es zur Verlegung kommen, würde das Festival im Ruhrgebiet deutlich zentraler veranstaltet als in der abgelegenen Eifel, im Einzugsgebiet des Ruhrpotts leben Millionen Menschen. Die Hoffnung dürfte sein, damit den lahmenden Ticketvorverkauf ankurbeln zu können.

Probleme mit dem Fußballclub dürfte es nicht geben: Der FC Schalke 04 bestreitet sein letztes Bundesligaspiel eine Woche vor dem Festival gegen den Hamburger SV – und das auch noch auswärts. Das letzte Heimspiel in der Arena findet bereits zwei Wochen vor dem Festival gegen den SC Paderborn statt.

Auch als Konzertstätte hat die Arena ihre Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt. Zahlreiche Konzerte fanden hier bereits statt, im Juni tritt Schlagerstar Helene Fischer in der Arena auf, im Juli die Rocklegenden von AC/DC. Ob die Arena deswegen für ein dreitägiges Festival zieht, bleibt aber dennoch abzuwarten.

Für viele Fans gehört das Campen zum Festival wie die Gitarre zum Rock. Campingplätze rund um die Arena bereit zu stellen dürfte schwierig werden. Zudem war es bei „Der Ring“ geplant, die zahlreichen Bands auf drei Bühnen zu verteilen. Drei Spielorte für parallel laufende Auftritte zu finden stellt bei der Arena ebenfalls eine Herausforderung dar.

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