Grüne Hölle Rock Rock-Streit eskaliert, Deag-Aktie verliert

Der Zoff um das Rockfestival am Nürburgring Ende Mai wird schmutzig: Rennstreckenbetreiber CNG und Konzertveranstalter Deag überziehen sich mit Vorwürfen. Während die Deag einen Umzug nach Gelsenkirchen plant, wird der Festivalärger zur Belastung.

Für Peter Schwenkow, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutsche Entertainment AG, wird das Festival

Pietro Nuvoloni gab sich alle Mühe, die Lage schön zu reden. Man streite nicht miteinander, sondern spreche als Partner, sagte der Sprecher der Capricorn Nürburgring GmbH (CNG), nachdem die WirtschaftsWoche über Zoff zwischen dem Rennstreckenbetreiber und dem Konzertveranstalter Deag berichtet hatte.

Die beiden Partner haben sich über die Vorkosten für das Ende Mai geplante Rockfestival „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ in die Haare bekommen. Nuvoloni sah das zunächst noch ganz anders und betonte: „Wir haben mit der Deag einen starken Partner.“ Wenige Tage später ist davon keine Rede mehr, der Zoff eskaliert, CNG und Deag  überziehen sich mit gegenseitigen Vorwürfen.

Der Ticketverkauf läuft miserabel, es geht ums Geld, vor allem aber auch um die Verantwortung. Während die Deag dem Nürburgring Vertragsbruch vorhält, sieht man an der Rennstrecke die Schuld für die desaströse Vorverkaufssituation beim Partner Deag und dessen aus CNG-Sicht mieser Performance. Die Deag treibt derweil schon ihre Alternativplanung voran.

Heftige gegenseitige Vorwürfe

Die Option ist eine Verlegung des Festivals vom Nürburgring nach Gelsenkirchen, dort haben die Berliner die Fußballarena von Bundesligist FC Schalke 04 reserviert.  Einen entsprechenden Bericht der WirtschaftsWoche hat die Deag inzwischen in einer Ad-Hoc-Meldung bestätigt.

Die Meldung hat es in sich. Denn der Berliner Veranstalter greift die CNG scharf an: „Die Deag […] stellt fest, dass die CNG ihren vertraglichen Verpflichtungen als Mitveranstalter und ihren Zahlungsverpflichtungen für das geplante Rock-Festival am Nürburgring nicht nachgekommen ist und damit Vertragsbruch begangen hat.“ Am Nürburgring will man diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen.

„Den Vorwurf des Vertragsbruchs weisen wir entschieden Zurück“, sagt Nuvoloni nun, die DEAG habe die „erwarteten Leistungen nicht erbracht“. Und weiter: „Die DEAG ist als Veranstalter für die gesamten Marketingaktivitäten und die Ticketverkäufe verantwortlich und hat letztlich die gesetzten Ziele eklatant verfehlt.“ Der Vorwurf des Vertragsbruchs sei „ein durchsichtiger Versuch der DEAG, von dem eigenen Misserfolg bei der Vermarktung abzulenken.“

CNG will raus aus dem Vertrag mit der Deag

Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Festivals ist noch nicht gefallen, doch nach den öffentlichen Auseinandersetzungen scheint eine gütliche Einigung kaum möglich. Stein des Anstoßes sind die Kosten für das Festival, das eigentlich vom 29.-31. Mai am Nürburgring stattfinden soll. Wegen des schwachen Ticketvorverkaufs – Anfang Februar waren erst rund 7500 Karten für „Der Ring“ verkauft – reichen die Erlöse nicht aus, um die Vorkosten in Millionenhöhe zu decken.

Deag-Chef Peter Schwenkow listet in einem Schreiben an die CNG vom 17. März auf, dass nur knapp 800 000 Euro an Vorverkaufserlösen für „Der Ring“ eingegangen sind. Das Schreiben liegt der WirtschaftsWoche vor. Demgegenüber stehen bereits aufgelaufene Kosten von mehr als 3,5 Millionen Euro – und Schwenkow weist darauf hin, dass bis Ende März weitere Vorauszahlungen für Künstlergagen von fast 1,27 Millionen fällig werden.

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Schwenkow fordert die CNG in dem Schreiben mit Frist bis vergangenen Freitag auf, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen – nach Angaben der Deag hat die CNG allerdings nicht gezahlt. Die Rennstreckenbetreiber wiederum sehen sich dazu gar nicht verpflichtet – und wollen aus dem Fünfjahresangebot mit der Deag raus. Ein Auflösungsvorschlag liegt vor, für Schwenkow allerdings zu inakzeptablen Konditionen. „Den Bedingungen der von Ihnen vorgeschlagenen Vertragsaufhebung“, heißt es in dem Schreiben, könne er nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat „nicht zustimmen“.

Fragezeichen über Gelsenkirchen

Angesichts des Zerwürfnisses mit der CNG hatte Schwenkow der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche bereits bestätigt, dass er eine Verlegung des Festivals in Erwägung zieht und alternative Ausrichtungsorte prüft. Ob es zu einer Absage oder Verlegung kommt, wird sich voraussichtlich in dieser Woche entscheiden. Mit der Alternative Gelsenkirchen hat sich Deag eine Spielstätte ausgeguckt, die ihre Konzerttauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat.

Zahlreiche Konzerte fanden hier bereits statt, im Juni tritt Schlagerstar Helene Fischer in der Arena auf, im Juli die Rocklegenden von AC/DC. Sollte es zur Verlegung kommen, würde das Festival im Ruhrgebiet deutlich zentraler veranstaltet als in der abgelegenen Eifel, im Einzugsgebiet des Ruhrpotts leben Millionen Menschen. Die Hoffnung dürfte sein, damit den lahmenden Ticketvorverkauf ankurbeln zu können – insbesondere mit Tagestickets. Und auch mit den Fußballern dürfte es keine Probleme geben: Der FC Schalke 04 bestreitet sein letztes Bundesligaspiel schon eine Woche vor dem Festival gegen den Hamburger SV – und das auch noch auswärts.

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