Hahnenkamm-Rennen Das größte Skispektakel der Welt kämpft gegen die Pandemie

Bereits im vergangenen Jahr durften keine Zuschauer an die Strecke des Hahnenkamm-Rennen. Wie es in diesem Jahr aussieht, ist noch unklar. Quelle: imago images

Das Hahnenkamm-Rennen im österreichischen Kitzbühel lockt jedes Jahr ein Millionenpublikum vor die Fernseher und Zehntausende Fans in die Tiroler Alpen. Doch die Pandemie setzt dem Skispektakel zu – auch finanziell.

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Es gibt Skirennabfahrten, es gibt spektakuläre Skirennabfahrten, und es gibt die „Streif“. Wer bei dieser Abfahrt im Tiroler Skiort Kitzbühel unversehrt ins Ziel kommt, gilt als Held. Wer das sogenannte Hahnenkamm-Rennen gewinnt, dessen Name wird im Skirennsport unvergesslich. Die örtlichen Seilbahnen gravieren die Namen der Sieger sogar auf Gondeln.

Die Abfahrt im Tiroler Skiort Kitzbühel gilt als Mutter aller Skirennen. Mit einem Gefälle von bis zu 85 Prozent und Sprüngen von über 80 Metern bannt die TV-Übertragung des Rennens jeden Januar ein Millionenpublikum. Im Zuschauerbereich der Zieleinfahrt findet sich regelmäßig Prominenz von Filmstar Arnold Schwarzenegger bis zu Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Zumindest war das vor der Pandemie so.

Denn Zuschauer wird es bei den diesjährigen Hahnenkamm-Rennen - neben zwei Abfahrten wird auch Slalom gefahren - möglicherweise keine geben. Die Stadt Kitzbühel hat sogar einen Security-Dienst engagiert, um Partys am Pistenrand zu unterbinden. Doch wie lässt sich ein Skispektakel von der Dimension des Hahnenkammrennens ohne Einnahmen durch die Zuschauer überhaupt finanzieren? Könnte die „Streif“ zum nächsten sportlichen Opfer der Pandemie werden?

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Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs (KSC), dem Veranstalter des Rennens, kennt jeden Quadratzentimeter der Hahnenkamm-Piste. Und Huber kennt all die Stellen, die Zuschauern Wogen des Schauderns durch den Körper jagen: Die „Mausefalle“, die die Skiathleten schon kurz nach dem Starthäuschen auf einen 80-Meter-Flug schickt. Das Karussell, eine wilde Abfolge extremer Kurven, die vor dem Rennen zusätzlich vereist werden. Und natürlich den Zielsprung. Mit bis zu 150 km/h donnern die Fahrer auf diese Schanze zu, die ihnen entweder zu Unsterblichkeit in der Skiwelt verhilft – oder sie auf die Intensivstation schickt. 2009 verunglückte der Schweizer Skiathlet Daniel Albrecht an dieser Stelle schwer und musste in der Folge sogar seine Skikarriere beenden.

So funktioniert er eben, der Mythos Hahnenkamm. Trotz schlimmster Stürze – Albrecht lag drei Wochen nach seinem drastischen Sturz im Koma – und entsprechender Kritik am Schwierigkeitsgrad der Piste, fielen die Entschärfungen stets übersichtlich aus. „Ich kann den Berg ja nicht wegsprengen. Der Hahnenkamm ist nun einmal eine steile Abfahrt“, sagt Rennveranstalter Huber. Es wirkt, als würde er gar nicht erst probieren zu rechtfertigen, warum die „Streif“ gar so brutal präpariert ist. Auch das gehört offenbar zur Arbeit am Mythos dieser Strecke: Wer ihr nicht gewachsen ist, der möge sich eben nicht ins Starthäuschen begeben.

Seit Wochen läuft die Präparierung der „Streif“. Ob Zuschauer bei den diesjährigen Rennen von 21. bis 23. Januar zugelassen sind, ist noch unklar. Mittlerweile rechnet Huber bereits alle fünf Tage mit „wesentlichen Änderungen“ der Corona-Maßnahmen. Momentan ist sich Huber nicht einmal sicher, ob es bis zum 10. Januar eine Entscheidung über die Zulassung von Zuschauern bei der Veranstaltung geben wird.

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Wie sich ein Hahnenkamm-Rennen ohne Zuschauer anfühlt, weiß Huber bereits aus dem Vorjahr. Schon damals hatte die Stadt einen Security-Dienst engagiert, um die Gäste von der Strecke fernzuhalten und Partys zu unterbinden. Das Skispektakel fand trotzdem statt – wenn auch ausschließlich für die TV-Kameras.

Doch wie geht Huber mit den Ausfällen durch die Ticket-Verkäufe um? Immerhin lockt das Rennen jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Lässt sich das Event ohne die zahlenden Fans überhaupt finanzieren?

„Die Hahnenkamm-Veranstaltung steht auf drei Beinen“, sagt Huber, „neben den Ticket-Verkäufen verdienen wird an den TV-Rechten und den Marketing-Rechten. Wenn eine Säule davon wegbricht, können wir immer noch durch gleichzeitige Kostenreduktion profitabel wirtschaften“, so Huber.

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Dabei sind die Kosten für die Veranstaltung enorm, gerade in Zeiten des Klimawandels und ausbleibenden Schnees. So musste der Kitzbüheler Ski Club als Veranstalter des Rennens schon Helikopter einsetzen, um Schnee von anderen Bergen auf die Piste fliegen zu lassen. Das österreichische Bundesheer ist jährlich zur Hilfestellung dabei, wenn auf der Piste zu wenig oder zu viel Schnee liegt. Die Hahnenkamm-Abfahrt kommt in Österreich eben fast einem Staatsakt gleich.
Die Unwägbarkeiten der Schneelage haben Huber zumindest einigermaßen auf die Pandemie vorbereitet. „Mit der Pandemie ist es ja wie mit dem Wetter. Man weiß nie, was auf einen zukommt“, sagt Huber, „man muss eben flexibel sein“.

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