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Hans Barlach Suhrkamp-Miteigentümer gestorben

Galerist, Immobilieninvestor, Medienmacher und schließlich Minderheitsgesellschafter beim Suhrkamp Verlag: Hans Barlach ist im Alter von 59 Jahren gestorben.

Suhrkamp-Miteigentümer Hans Barlach Quelle: dpa

Er war Hauptfigur im spektakulärsten Verlagsstreit der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach lieferte sich als Miteigentümer des Suhrkamp Verlags jahrelang einen beispiellosen Machtkampf mit Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz. In der Nacht zum Mittwoch ist Barlach mit 59 Jahren in Hamburg gestorben. Er erlag einer schweren Lungenentzündung, wie seine Familie mitteilte.

Der Enkel des bedeutenden expressionistischen Bildhauers Ernst Barlach war 2006 gegen den erklärten Willen von Unseld-Berkéwicz in den Verlag eingestiegen - er übernahm die Anteile eines früheren stillen Teilhabers aus der Schweiz. Die Verlagschefin, Witwe des einstigen Firmenpatriarchen Siegfried Unseld, sprach von einer „feindlichen Übernahme“, umgehend ließ sie die Rechtmäßigkeit der Beteiligung prüfen. Er warf ihr im Gegenzug Unfähigkeit vor - ein jahrelanger Rechtsstreit durch alle Instanzen entbrannte.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Bild eine Szene aus dem aktuellen Film „Spider-Man“. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2013 hat Lutz Hachmeister, Direktor des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, ein Ranking der 50 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10. Quelle: AP
Platz 10: Cox EnterprisesMit fast 12 Milliarden Euro Umsatz zählt Cox Enterprises zu den zehn größten Unternehmen der Branche. Das Hauptquartier liegt in Atlanta (Georgia). Der Konzern gehört fast vollständig der Familie Cox beziehungsweise Kennedy und beherbergt unter anderem 17 Tages- und 25 Wochenzeitungen sowie 15 regionale Fernsehsender. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 9: BertelsmannBertelsmann ist der größte deutsche Medienkonzern, auch dank der RTL-Gruppe mit ihren Fernsehsendern. Weltweit rangiert der Konzern auf Rang 9, mit einem Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. Vorstandschef Thomas Rabe will die Erlöse bis 2016, spätestens aber bis 2017 auf 20 Milliarden Euro steigern. Quelle: dpa
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern befindet sich weiterhin in der Krise. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten: Bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern Sony ist in vielen Sparten aktiv: Er hat ein Filmstudio, baut Fernseher und Audiogeräte, hat aber auch die Spielkonsole Playstation im Angebot – im Bild eine Brille, die Spiele in einer virtuellen Realität ermöglicht. Allerdings tut sich das Traditionsunternehmen schwer. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten, bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 7: Viacom CBSDer US-Medienkonzern Viacom CBS, Mutter der Fernsehsender MTV, Nickelodeon und des Hollywood-Filmstudios Paramount, verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz 21,894 Milliarden Euro – Rang sieben. Der Hauptsitz ist der Broadway in New York City. Quelle: AP
Platz 6: Time WarnerUnter dem Dach von Time Warner sind diverse Medienunternehmen versammelt – etwa der Bezahlsender HBO, der derzeit mit der Serie „Game of Thrones“ für Furore sorgt. Auch das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktionen New Line Cinema und Warner Bros. Entertainment sowie die TV-Kette Turner zählen zum früheren Branchenprimus. 2009 gliederte das Unternehmen den Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable Inc. aus und zog zudem einen Schlussstrich unter die erfolglose Fusion mit AOL. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 22,4 Milliarden Euro. Quelle: AP

Erst Ende des vergangenen Jahres sorgte das Bundesverfassungsgericht für eine Art Waffenstillstand: Die obersten Richter gaben grünes Licht für die von Unseld-Berkéwicz angestrebte Umwandlung des Traditionshauses in eine Aktiengesellschaft. Mit diesem Coup, durch ein Insolvenzverfahren auf den Weg gebracht, wurde Barlach weitgehend entmachtet, er verlor wichtige Mitspracherechte. Seither herrschte Ruhe um den Vorzeigeverlag, der einst geistige Heimat von Größen wie Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht und Christa Wolf war.

Der Suhrkamp-Verlag auf einen Blick

Für Barlach muss diese Lösung ein schwerer Schlag gewesen sein, auch wenn er sich öffentlich nicht äußerte. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt, dürfte zudem in der unüberschaubaren Menge von Prozessen und Verfahren viel Geld verloren haben. Die Sympathien der renommierten Suhrkamp-Autoren hatte er ohnedies nicht gewinnen können - sie stellten sich klar auf die Seite der Verlegerin, drohten zum Teil gar mit Abwanderung, sollte Barlach das Sagen bekommen.

Am Schluss blieb der Unternehmer mit seiner Schweizer Medienholding und der ursprünglichen 39-Prozent-Beteiligung zwar Aktionär, aber seine Schlacht war geschlagen. „Bis zum Schluss hat Herr Barlach dazu beigetragen, die Streitigkeiten friedlich beizulegen“, sagte sein Vertrauter, Medienholding-Verwaltungsratspräsident Carl Ulrich Mayer, der dpa. „Wir sind mit den Vergleichsgesprächen auf einem guten Weg.“

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Schon immer hatte Barlach einen Hang zu den schönen Künsten. Bereits mit Anfang 20 war der gebürtige Schleswig-Holsteiner in die Betreuung des umfangreichen künstlerischen Nachlasses seines Großvaters eingebunden. Mit der Gründung mehrerer Galerien betätigte er sich später fast 20 Jahre lang im Kunsthandel, daneben auch in Immobilienprojekten.

Nach der gescheiterten Rettung der „Hamburger Rundschau“ kaufte er von 1999 an schrittweise die angeschlagene „Hamburger Morgenpost“, die er zeitweise auch redaktionell leitete. 2004 übernahm er als Eigentümer und Herausgeber zudem die Fernsehzeitschrift „TV Today“. Beide Blätter verkaufte er 2006 wieder und erwarb - zunächst mit einem später verstorbenen Partner - die Anteile am Suhrkamp Verlag.

Unseld-Berkéwicz wollte sich am Mittwoch nicht zum Tod ihres langjährigen Widersachers äußern. Was hätte sie auch sagen sollen?

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