Hapag-Lloyd auf Börsenkurs Hamburger Reederei widersteht dem Abwärtssog

Seit Monaten springen die Preise in der Containerschifffahrt auf und ab. Darunter leiden selbst die größten Reedereien, auch Hapag-Lloyd. Doch die Hamburger steuern gegen - und halten ihren Kurs für einen Börsengang.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd steuert auf einen Börsengang zu. Doch die Bedingungen sind schwierig: Die Preise für die transportierten Container sinken weltweit.

Eigentlich ist die Stimmung auf den Weltmeeren schlecht. Seit Anfang des Jahres sind die Transportpreise - in der Schifffahrt Raten genannt - auf unterstem Niveau. Egal, was die Reedereien auch versuchen, nach jeder neuen Preiserhöhung stürzen die Raten wieder nach unten. Die Kurve des Preisindex für die Route zwischen Shanghai und Rotterdam hüpft deshalb auf und ab. Vor einigen Wochen lag es auf einen historischen Tiefstand. Selbst große Reedereien werden von den Schwankungen der Preise langsam seekrank.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd aber steuert gegen: Nach sieben Krisen-Jahren machte die Reederei im zweiten Quartal einen Gewinn von 157,2 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum schrieb Hapag-Lloyd noch einen Verlust von 173,3 Millionen Euro. "Auch wenn das Marktumfeld herausfordernd bleibt, sind wir sehr gut im Markt positioniert", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen.

Die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Schiffe: 1111871 gründeten elf Hamburger Handelshäuser die Reederei Hamburg Süd. Das auf Containerschifffahrt spezialisierte Unternehmen ist Teil der Oetker-Gruppe. Der Jahresumsatz der Reederei beträgt 5257 Milliarden Euro. Mit 111 Containerschiffen ist Hamburg Süd – gemessen an der Zahl der Containerschiffe – die zehntgrößte Reederei der Welt. Quelle: Alphaliner Stand: Januar 2015 Quelle: dpa
Platz 9: MOLSchiffe: 112Die Mitsui O.S.K. Lines wurde 1872 als Teil des über 300 Jahre alten Familienunternehmens Mitsui-Zaibatsu gegründet – der heutigen Mitsui-Group. 1964 fusionierte die Reederei mit der Osaka Shosen Kaisha zu Mol. In Deutschland verfügt die Reederei über Niederlassungen in Bremen, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Quelle: Creative Commons
Platz 8: CSCLSchiffe: 136Die China Shipping Container Lines gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und ist Teil der China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv - und steuert alleine in China über 40 Häfen an. Quelle: dpa
Platz 7: PIL Schiffe: 157Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen. Quelle: REUTERS
Platz 6: Cosco Container Schiffe: 164Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus für 35 Jahre übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut. Quelle: dpa
Platz 5: Hapag LloydSchiffe: 184Durch die Fusion der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und Norddeutscher Lloyd entstand 1970 einer der größten deutsche Logistik- und Transportunternehmen. Im Laufe der Unternehmensgeschichte, ging auch das Containergeschäft im Tui-Konzern auf. Mittlerweile gehört nur noch das Touristikgeschäft dem einstigen Mutterkonzern. Quelle: dapd
Platz 4: Evergreen LineSchiffe: 196Anders als der Name vermuten lässt, kommt auch die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zur Reedereien gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel. Quelle: REUTERS

Hapag-Lloyd galt lange als Sorgenkind der Branche. Für das vergangene Geschäftsjahr noch musste der neue Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen unter dem Strich einen Verlust von 604 Millionen Euro rechtfertigen - den zweithöchsten in der Konzerngeschichte. Seit dem hat sich die Hamburger Reederei wieder aufgerappelt. Auch wenn der durchschnittliche Preis pro transportiertem Standardcontainer um neun Prozent sank, die Reederei hielt Kurs. Damit nähert sich Hapag-Lloyd langsam einem wichtigen Ziel dem Börsengang.

Die Hamburger verkrafteten die sinkenden Ratenpreise damit weitaus besser als manche ihrer Konkurrenten, selbst als das Branchenvorbild Maersk. Bei der weltgrößte Reederei, die zum dänischen Konzern A. P. Møller-Mærsk gehört, sanken die Raten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent. Der Gewinn nach Steuern ging deshalb um 40 Millionen Dollar auf 507 Millionen Dollar zurück.

Schuld an den niedrigen Raten ist die Überkapazität auf den Weltmeeren. Vor allem auf den Routen zwischen Asien und Europa sind mehr Schiffe unterwegs, als benötigt werden. Die Raten auf dieser Strecke schwankten in den vergangenen Monaten besonders stark, auch weil die Reedereien immer wieder gezielt versuchten, zum Monatsanfang die Preise hochzusetzen. Der Effekt hielt meist nur ein paar Tage an. Maersk ist auf dieser Route besonders stark - Hapag-Lloyd hingegen konzentriert sich eher auf die Routen Richtung Amerika. Außerdem konzentriert sich Hapap-Lloyd unter dem neuen Chef Habben Jansen auf ertragsstärkere Transporte, zum Beispiel von besonders schweren Maschinen oder Bauteilen, aber auch von Nahrungsmitteln, die in speziellen Kühlcontainern über die Weltmeere reisen. Doch diese Geschäfte dürften keine allzu große Wirkung auf den Gewinn haben.

Die zehn größten Containerschiffe der Welt
Platz 10: Gudrun MærskContainer:          9.024 TEU Länge:                367,28 Meter Breite:                42,8 Meter Reederei:           Maersk Line, Dänemark Bauwerft:           Odense Staalskibsvaerft, Dänemark Baujahr:             2005 Quelle: Cuxclipper, Creative Commons, CC BY 2.0
Platz 9: MSC PamelaContainer:          9.200 TEU Länge:                336,64 Meter Breite:                45,6 Meter Reederei:           Mediterranean Shipping Company, Schweiz Bauwerft:           Samsung Heavy Industries, Südkorea Baujahr:              2005 Quelle: dpa/dpaweb
Platz 8: Cosco GuangzhouContainer:          9.383 TEU Länge:                350,56 Meter Breite:                42,8 Meter Reederei:           Rena Maritime Corp., Liberia Bauwerft:           Hyundai Heavy Industries, Südkorea Baujahr:              2005 Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7: Xin Los AngelesContainer:          9.580 TEU Länge:                336,7 Meter Breite:                45,6 Meter Reederei:           China Shipping Container Linees Bauwerft:           Samsung Heavy Industries, Südkorea Baujahr:              2006 Quelle: Sparklemotion, Creative Commons, CC BY-SA 2.0
Platz 6: Cosco AsiaContainer:          10.060 TEU Länge:                 3.349,07 Meter Breite:                45,66 Meter Reederei:           China Ocean Shipping Company, China Bauwerft:           Hyundai Heavy Industries, Südkorea Baujahr:              2007 Quelle: Aad Born, Creative Commons, CC BY-NC-SA 2.0
Platz 5: CMA CGM Christophe Colomb  Container:          13.344 TEU Länge:                 365,5 Meter Breite:                51,2 Meter Reederei:           CMA CGM, Frankreich Bauwerft:           Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering, Südkorea Baujahr:              2009 Quelle: Stefan Jürgensen, Creative Commons, CC BY-NC-ND 2.0
Platz 4: MSC IreneContainer:          13.800 TEU Länge:                 365,5 Meter Breite:                51,2 Meter Reederei:           Mediterranean Shipping Company, Schweiz Bauwerft:           Samsung Heavy Industries, Südkorea Baujahr:             2010 Quelle: dapd

Hapag-Lloyd vor dem Börsengang

Der wichtigste Fakrot für die guten Zahlen von Hapag Lloyd ist jedoch der Zusammenschluss mit der chilenischen Reederei CSAV im vergangenem Jahr. Die Fusion bringt viele Vorteile: Mehr Größe, mehr Macht, niedrigere Kosten. So stieg die Menge der transportierten Container und Ladungen bei Hapag-Lloyd in diesem Quartal fast um 30 Prozent an, weil die Reederei dank der Schiffe von CSAV nun über eine größere Flotte verfügt.

Vor allem aber wollen die Unternehmen durch den Zusammenschluss ihre Kostenstruktur verschlanken: Rund 300 Millionen Dollar pro Jahr wollte Hapag-Lloyd dadurch ursprünglich einsparen. Nach den ersten beiden guten Quartalen zeigt sich die Reederei sogar noch optimistischer und verspricht bereits 400 Millionen Dollar Synergien ab dem Jahr 2017.

Der Optimismus dürfte vor allem die Großaktionäre der lange kriselnden Reederei erfreuen. Vor allem das Tourismusunternehmen Tui, das knapp 14 Prozent an Hapag-Lloyd hält, drängt auf einen schnellen Börsengang. Aber auch der Speditionsmagnat Klaus Michael Kühne, mit 20,75 Prozent beteiligt, und die Stadt Hamburg, die 23,23 Prozent hält, warten schon lange darauf, dass sich ihre Investitionen in Hapag-Lloyd auch mal auszahlen.

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Doch an einen Börsengang wage er sich erst nach drei bis fünf guten Quartalen, hat Reederei-Chef Rolf Habben Jansen oft genug gesagt. Nun kann er bereits zwei gute Quartale abhaken. Damit steigern sich die Chancen, dass die Reederei bereits in diesem Herbst den Schritt an das Parkett wagt. In Frankfurt wird darüber schon lange spekuliert, bestätigt hat die Reederei die Gerüchte bisher nicht.

Die Mitarbeiter am Hamburger Ballindamm wissen aus Erfahrung, dass bei einem Börsengang auch viel schiefgehen kann: Für die Reederei wäre es bereits der dritte Versuch. 2011 scheiterte der Plan, weil die Unsicherheit nach der Katastrophe im japanischen Fukushima die Stimmung an der Börse verdarb. Und ein Jahrzehnt zuvor sagte Großaktionär Tui den Börsengang ab, weil der Reiseveranstalter mit dem erzielten Preis nicht zufrieden war. Das könnte in diesem Jahr wieder passieren: Wegen dem Aktiencrash an den chinesischen Börsen ist auch in Europa die Unsicherheit groß. Ein Hindernis aber hat Hapag-Lloyd schon mal überwunden: In den Abwärtssog der fallenden Preise ist die Reederei nicht geraten.

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