Hapag-Lloyd und CSAV Bei Reederei-Fusion prallen unterschiedliche Unternehmertypen aufeinander

Der Zusammenschluss von Hapag-Lloyd mit Chiles CSAV lässt zwei krass unterschiedliche Großaktionäre aufeinandertreffen: den kühl-sperrigen Logistiker Klaus-Michael Kühne und skandalumwitterten Milliardär Andrónico Luksic Craig.

Bei den Fusionsverhandlungen der deutschen Großreederei mit Chiles CSAV prallen zwei krass unterschiedliche Großaktionäre aufeinander. Quelle: dpa

Der Gipfeltag am Dach der Welt ist eine Tortur, auch für ihn. Er schwitzt und friert nun so wie die Arbeiter in seinen riesigen Kupferbergwerken daheim in den Anden. Er aber will keinen Felsen wegsprengen, sondern oben drauf stehen.

Jahrelang hat er dafür trainiert: das Zerren und Ziehen an den Seilen unter maximalem Sauerstoffmangel, das Gekratze im Fels mit den Steigeisen, stets die vereiste Sauerstoffmaske im Gesicht. Von Viertel vor elf in der Nacht bis in den Abend des nächsten Tages quält er sich Zentimeter für Zentimeter. Ja, der Mount Everest war seine längste, seine härteste Schicht. Aber wozu braucht ein Unternehmer so etwas?

Die Antwort kennt nur, wer sich die Tortur selbst angetan hat: Andrónico Luksic Craig. Der 59-Jährige ist nicht irgendein Unternehmer, sondern der Patriarch des mit schätzungsweise 17,4 Milliarden Dollar Vermögen reichsten Clans in Chile. Neben Bergbau, Banken, Nudeln, Bier, allerlei Industrie und Medien gehört dem Gipfelstürmer der überwiegende Teil der chilenischen Reederei CSAV, der Compañía Sud americana de Vapores.

Wissenswertes zu Hapag-Lloyd

Die schließt sich nun mit der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd zusammen. Nach wochenlangen Verhandlungen haben beide Seiten am Mittwoch die Fusionsverträge unterzeichnet. Stimmt die Wettbewerbsbehörde zu, soll das Containergeschäft von CSAV vollständig in Hapag-Lloyd aufgehen. Die Chilenen würden zunächst mit 30 und nach einer Kapitalerhöhung mit 34 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt.

Bei einem der größten Zusammenschlüsse in der Schifffahrt seit Jahren entsteht so die viertgrößte Container-Reederei der Welt - mit Gesamtumsatz von rund 8,7 Milliarden Euro.

Surreale Züge

Gemeinsam finden Hapag-Lloyd und CSAV damit in der von einem ruinösen Preiskampf gezeichneten Branche Anschluss an die Marktführer Maersk (Dänemark), MSC (Schweiz) und CMA CGM (Frankreich), die sich zur Allianz P3 zusammenschließen wollen. „In der Branche ist es schwer, sich zu differenzieren, Kostenvorteile aufgrund der Unternehmensgröße sind daher wichtig“, sagt Logistikexperte Jens Riedl von der Boston Consulting Group in München. „Hapag-Lloyd ist sicherlich ein gutes Unternehmen, hat aber Größennachteile gegenüber den drei Branchenführern und ihrer geplanten Allianz.“

Wissenswertes zu CSAV

Nun hat Hapag-Lloyd mit der CSAV einen starken Partner auf den Lateinamerikarouten nach Europa und Asien. 300 Millionen Dollar Einsparungen durch Synergien erhoffen sich die beiden Reedereien. Hapag-Lloyd-Miteigner TUI hat endlich eine realistische Chance, sich per Börsengang vom Ballast des Frachtgeschäfts zu trennen und sich ganz auf die Touristik zu konzentrieren.

Und ein anderer Großaktionär kann endlich sein Lebenswerk vollenden, auch wenn er den Stand als größter Hapag-Aktionär nach der Stadt Hamburg bei dem neuen Reedereiriesen verliert: Klaus-Michael Kühne.

Auch der 76-Jährige ist nicht irgendein Unternehmer, sondern eine der alten großen Unternehmergestalten Deutschlands, der Grandseigneur der hiesigen Logistikbranche: mit rund 56 Prozent Mehrheitseigner der internationalen Spedition Kühne + Nagel und mit gut 28 Prozent bislang größter Privataktionär von Hapag-Lloyd. Vor fünf Jahren hatte er sich mit anderen Investoren sowie der Stadt Hamburg bei der Reederei eingekauft.

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