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Hapag Lloyd Ungewissheit voraus

Hapag Lloyd in Turbulenzen: Das FBI hat die größte deutsche Reederei wegen möglicher Preisabsprachen im Visier, die Fusion mit UASC verzögert sich. Reederei-Chef Rolf Habben Jansen bemüht sich um Optimismus in der Ungewissheit.

Ein Containerschiff von Hapag Lloyd. Quelle: REUTERS

Jedes halbe Jahr treffen sich die Chefs der 20 größten Reedereien zu einem verschwiegenen Treffen und das seit 40 Jahren. Im sogenannten Box Club sprechen sie über das Containergeschäft und alle Probleme, die damit einhergehen.

Als sich die Reeder am vergangenen Mittwoch in San Francisco versammelt haben, wollten sie eigentlich über Piraterie, die Gewichte von Containern oder die Verschrottung von Schiffen sprechen. Doch dann brachten Ermittler der US-Bundespolizei FBI die Tagesordnung durcheinander. Sie platzten in das Treffen, händigten den überraschten Vorstandschefs Schreiben aus und ließ sich gleich auch noch per Unterschrift bestätigen, dass die Reeder die Papiere erhalten hatten. Damit setzten die Beamten ein neues Thema auf die Agenda: Ermittlungen wegen wettbewerbswidriger Absprachen.

So oder so ähnlich muss sich die Szene abgespielt haben. Rolf Habben Jansen, Vorstandschef von Deutschlands größter Reederei Hapag Lloyd, möchte zu dem Vorfall nicht viel sagen. „Das Schreiben wurde dort zugestellt“ ist der einzige Kommentar, den er zu dem Vorfall abgibt. Doch worum geht es in den Ermittlungen, und wie lange werden sie sich hinziehen? Habben Jansens Antwort lautet immer gleich: Wir wissen es noch nicht.

Die größten Reedereien der Welt
Platz 10Mit einer einer Transportkapazität von knapp 600.000 TEU und einem Marktanteil von 2,8 Prozent hat es die taiwanesische Yang Ming Marine Transport Corp. in die Top 10 der weltweit größten Reedereien geschafft. Yang Ming ist mit 172 Niederlassungen in 73 Ländern vertreten und gehört damit zu den größten Transportunternehmen weltweit. Quelle: Alphaliner, Stand: Juni 2016 Quelle: dpa
Platz 10Die Orient Overseas Container Line, kurz OOCL, kann mehr als 570.000 Standardcontainer transportieren, ergibt eine Auswertung des Branchendienstes Alphaliner von Februar 2016. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Hongkong auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Quelle: Alphaliner, Stand: Februar 2016 Quelle: dpa
Platz 8Mit einem Transportvolumen von rund 625.000 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem achten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Mittlerweile ist Hanjin Shipping pleite. Quelle: AP
Platz 8Auf Rang Acht landet die Deutsche Reederei Hamburg Süd mit einer Kapazität von knapp 650.000 Standardcontainern. Das Unternehmen wurde 1871 von elf Hamburger Handelshäusern gegründet. Heute ist es im Besitz der Oetker-Gruppe. Quelle: dpa
Platz 5Auf Position fünf des Rankings: Die Reederei Hapag-Lloyd mit Sitz in Hamburg besitzt am 22. Februar 2016 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 920.559 Standardcontainern. Das sind fast sechs Prozent Weltmarktanteil. Die tief gefallenen Ölpreise sorgten auch bei der größten Reederei Deutschlands für Probleme: Eine Gewinnwarnung des Weltmarktführers Møller-Maersk hatte im vergangenen Jahr den Börsengang erschwert. Die Hamburger mussten ihre Aktien billiger anbieten, um Investoren zu finden. Darunter litten auch die Großaktionäre - Tui, die Stadt Hamburg, und der Großspediteur Klaus Michael-Kühne. Quelle: AP
Platz 4Mit 927.428 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line aus China auf Position vier. Damit hat Evergreen Hapag-Lloyd eingeholt. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen. Quelle: REUTERS
Platz 4Durch die Fusion der China Ocean Shipping Company (COSCO) mit der China Shipping Container Lines (CSCL) ist Anfang des Jahres der Anbieter mit der weltweit größten hauseigenen Flotte im Reich der Mitte entstanden. Mit einem Transportvolumen von 1.573.498 und einem Marktanteil von 7,6% hat sich der neue chinesische Container-Riese auf Platz vier katapultiert. Quelle: dpa

Ungewissheit gehört zu seinem Geschäft. Hapag Lloyd schickt seine Schiffe mit Containern um die ganze Welt, getrieben von Welthandel und Ölpreis, von Politik und Wettbewerb, vor allem aber von der Krise. Seit neun Jahren kämpft die Branche mit sich selbst, trotz zahlreicher Fusionen gelingt es den Reedern nicht, auskömmliche Preise mit ihren Auftraggebern zu vereinbaren. Es gibt einfach zu viele Schiffe auf den Weltmeeren.

Im vergangenen Jahr konnte Hapag Lloyd nur durchschnittlich 1026 Dollar pro Container verlangen, noch mal 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Reederei macht deshalb wieder Verlust: Unter dem Strich fehlten 93 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Und damit steht Hapag Lloyd im Vergleich zur Konkurrenz sogar noch gut da.

Habben Jansen bemüht sich um Optimismus. Die Reeder ordern kaum noch neue Schiffe und entsorgen ihre alten Kähne. Im kommenden Jahr sollen sich die Frachtraten bessern und damit auch die Gewinne wieder steigern. Das Ende der Krise sei in Sicht, sagt Habben Jansen. Doch kann er damit die Zweifel und die Ungewissheit bei seinen Aktionären vertreiben, die das FBI mit seinen Briefen ausgelöst hat?

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