Hauptversammlung "Die Lufthansa muss endlich liefern"

Wie geht es nach dem Chefwechsel weiter mit der Lufthansa? Dazu schweigt Carsten Spohr vorerst. Doch Worte allein hätten ihm die Gunst der Anleger ohnehin nicht zurückgebracht. Sie freuen sich zwar über den Aktienkurs, fordern aber, dass d ie Lufthansa den Ankündigungsmodus verlässt.

Bei der Hauptversammlung der Lufthansa steht der Chefwechsel im Fokus. Die Aktionäre erwarten viel vom neuen Chef Carsten Spohr. Quelle: dpa

Bei Lufthansa sieht der scheidende Chef Christoph Franz pünktlich zu seinem Abgang die Trendwende erreicht. Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte der zum Schweizer Pharma-Konzern Roche wechselnde Manager die Prognose eines operativen Gewinns zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Euro. Das wäre in etwa eine Verdoppelung des Ergebnisses von 2013, das den Aktionären am Dienstag auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Hamburg erläutert wurde. Mit Hilfe des von Franz eingeleiteten Sparprogramms „Score“ soll das operative Ergebnis des Luftverkehrskonzerns schon 2015 auf rund 2,65 Milliarden Euro steigen. 2013 habe man die Basis für weitere Gewinnsteigerungen in den Folgejahren gelegt, erklärte Franz. Trotz eines auf 313 Millionen Euro gesunkenen Reingewinns empfahlen Vorstand und Aufsichtsrat den Anteilseignern nach einer Nullrunde 2012 nun eine Dividende von 45 Cent pro Anteil. Sämtliche Passagier-Fluggesellschaften des Konzerns hätten ihre Ergebnisse verbessert. Die Töchter für Technik und Catering glänzten sogar mit Rekordergebnissen. An sich ein großer Erfolg.

So schlank fliegt die Lufthansa in die Zukunft
DividendenstreichungDer Sparkurs der Lufthansa erreicht die Aktionäre. Für das abgelaufene Jahr behält Deutschlands größte Airline die Dividende ein. Für 2011 hatte die Lufthansa noch 25 Cent je Anteilschein ausgeschüttet. Es sei momentan wichtiger, alle verfügbaren Mittel ins Unternehmen zu investieren, begründete Konzernchef Christoph Franz die Streichung der Dividende. Quelle: dpa
FlotteFranz hält das Geld zusammen, um die Flotte zu erneuern. So soll die Flugzeug-Einkaufstour deutlich größer ausfallen als bislang geplant. Die Lufthansa beabsichtige, zusätzlich 108 neue Flugzeuge zum Listenpreis von rund neun Milliarden Euro zu bestellen. Die Verhandlungen mit den beiden Herstellern Airbus und Boeing liefen derzeit. Der Aufsichtsrat müsse die Ordern aber noch absegnen. Zusammen mit den bereits bestellten Maschinen steckt die Lufthansa damit bis 2025 rund 23 Milliarden Euro in die Anschaffung 239 neuer Flugzeuge. Moderne Maschinen fliegen deutlich sparsamer als ältere und sind in Zeiten, in denen die Tankrechnung einer der größten Kostenposten in den Bilanzen der Airlines sind, von Vorteil. Quelle: dpa
Obwohl Christoph Franz bereits vor seiner Berufung zum Lufthansa-Chef einen grundlegenden Umbau der Fluglinie anmahnte, kam die Renovierung von Europas größter Airline zunächst kaum voran. Und was kam, wirkte nicht wie der von Franz versprochene Kulturwandel in Richtung der schlankeren Billigflieger wie Easyjet oder Emirates aus Dubai, sondern eher wie klassische Kostensenkungen, etwa die Entlassung von bis zu 3.500 Mitarbeitern. Inzwischen hat Score jedoch Fuß gefasst. Dabei arbeitet das Renovierungsteam auf drei Ebenen: innerhalb der einzelnen Tochtergesellschaften, übergreifend bei den fünf großen Fluglinien und schließlich mit Projekten quer durch den ganzen Konzern. Quelle: REUTERS
GermanwingsDas in Deutschland sichtbarste Score-Projekt ist der Umbau des Fluggeschäfts innerhalb Europas. Hier beschränkt sich die Lufthansa künftig auf die Flüge von und nach Frankfurt und München. Alle anderen Strecken soll künftig der konzerneigene Billigflieger Germanwings übernehmen. Das soll ab dem kommenden Jahr mindestens 300 Millionen Euro pro Jahr sparen, weil die Kölner Discountlinie effizienter arbeitet und pro Passagier und Flugkilometer nur rund die Hälfte der großen Mutter ausgibt. Dafür sorgen eine kleinere Verwaltung, mehr Berufsanfänger mit niedrigeren Gehältern und weniger teure Wartezeiten an den Flughäfen. Der Kunde soll davon nichts merken, weil Germanwings künftig eine Art Business Class erhält, deren Passagiere wie bei der Mutter Gratisverpflegung sowie Bonusmeilen bekommen und in die Lounges dürfen. Doch die Kunden sehen den Wechsel als Rohrkrepierer. Denn den besseren Service bietet Germanwings 2.0 erst ab Juli. Doch um Geld zu sparen hat sich Lufthansa an vielen Flughäfen bereits zurückgezogen, so dass die bisher umsorgten Vielflieger mit Silber- und Goldkarten in Köln oder Hamburg plötzlich zwischen gewöhnlichen Touristen am Check-in, Sicherheitskontrolle oder Flugsteig warten müssen. Doch das soll sich ändern. BRINGT: bis zu 300 Millionen Euro Quelle: dpa
AustrianBei Sparprogrammen ging die Lufthansa mit ihren Mitarbeitern bisher eher freundlich um. Dass die Linie nicht nur Ponyhof kann, zeigte sie bei der Score-Renovierung von Austrian Airlines. Als die Belegschaft der chronisch defizitären Tochter nicht mitzog, packte der neue Austrian-Chef Jaan Albrecht alle Beschäftigten kurzer Hand in die Regionaltochter Tyrolean Airways, die ihren Leuten im Schnitt etwa 30 Prozent weniger zahlte. Gleichzeitig kappte er die Flotte und das Streckennetz beträchtlich und nötigte den Lieferanten deutliche Rabatte ab.  Darum flog die neue Austrian im vergangenen Sommer sogar profitabler als die Lufthansa selbst. Der Peitsche folgen nun Investitionen in neue Sitze und ein besseres Unterhaltungsprogramm. BRINGT: Mindestens 100 Millionen Euro  Quelle: REUTERS
SwissWeil die Swiss seit ihrer Übernahme durch die Lufthansa vor gut sechs Jahren immer profitabler flog als der Rest des Lufthansa-Konzerns, kommt die Schweizer Tochter fast ungeschoren davon. Sie soll vor allem im Frachtgeschäft durch eine engere Zusammenarbeit mit Lufthansa-Logistik-Tochter Synergien heben. Stattdessen darf sie zeigen, dass Score nicht nur Kostensenkung ist. Sie holte Teile der Wartung von Zulieferern ins Unternehmen zurück, weil das dank mehr Flexibilität letztlich für niedrigere Kosten  sorgt. Dazu dürfen die Eidgenossen in Genf eine Art kleine Airline aufmachen, die dann mit einem Service à la Romande um die zahlungskräftigen Kunden aus den internationalen Organisationen oder der Finanzbranche wirbt. BRINGT: Bis zu 50 Millionen Euro Quelle: REUTERS
LSG SKY ChefsDie Flugküchen der Lufthansa haben schon vor dem Start des Score-Programms kräftig umgebaut. Doch weil die großen Fluglinien im Schnitt immer weniger für die Verpflegung ihrer Passagiere ausgeben, reicht das noch nicht. Darum schließt die LSG ihren Betrieb in Nürnberg und kocht für Flüge ab Franken künftig aus München. Darüber hinaus spezialisieren sich die Betriebe in Hannover sowie Hamburg stärker und lassen sich Teile von der jeweils anderen liefern. In Frankfurt prüft die größte Küche in den Arbeitgeberverband  des Logistikgewerbes zu wechseln, weil dort die Löhne niedriger sind. BRINGT: Gut 100 Millionen Euro Quelle: dpa

Franz habe den Konzern unermüdlich auf Zukunft getrimmt und übergebe ein bestelltes Feld an Spohr, bestätigt dementsprechend Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. Auch Aktionärsvertreter lobten den nach nur 40 Monaten an der Unternehmensspitze ausscheidenden Franz. So erklärte der Portfolio-Manager der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment, Ingo Speich, laut Redemanuskript: „Wir hätten Sie gerne weiter an Bord gehabt und auch die Früchte Ihrer Arbeit ernten sehen. (...) Sie haben Kostendisziplin zur Chefsache gemacht, das muss auch in Zukunft so bleiben.“

Was die Lufthansa beim Service verbessern will

Speich übte aber gleichzeitig auch starke Kritik. Er monierte die langwierige Suche des Franz-Nachfolgers, die er auf fehlende Unabhängigkeit des Aufsichtsrats zurückführte. Ohne den langjährigen Lufthansa-Chef Jürgen Weber namentlich zu nennen, schimpfte Speich über „mächtige Schatteneminenzen“, die im Hintergrund ihre eigene Agenda verfolgten. Außerdem ermahnte er Spohr, sich nun nicht auf den Erfolgen von Franz auszuruhen: "Die Lufthansa muss endlich den Ankündigungsmodus verlassen und liefern: Die Lufthansa darf nicht wieder zum Sanierungsfall werden, sie wird immer noch zwischen den Golf-Fluglinien auf der Langstrecke und den Billigfluglinien auf der Kurzstrecke aufgerieben", sagte Speich.

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Die Flotte sei zu alt, verbrauche zu viel Kerosin und sei damit zu teuer. Die operative Marge sei mit 2,3 Prozent immer noch viel zu dünn, um im knallharten Wettbewerb der Luftfahrtbranche dauerhaft bestehen zu können. "Wenn die Marge so niedrig bleiben sollte, sind Abstürze bei größeren Turbulenzen unausweichlich. Die Lufthansa muss endlich ein normales Unternehmen mit auskömmlicher Marge werden", fordert Speich, dessen Unternehmen einer der größten Lufthansa-Aktionäre ist. Harte Worte, die dem neuen Lufthansa-Chef Carsten Spohr da um die Ohren fliegen. Spohr war bis dato zuständig für das Passagiergeschäft und übernimmt nun den Job von Christoph Franz. Entgegen vielfältiger Erwartungen hat Spohr sich aber aber noch nicht zu seinen strategischen Zielen geäußert. Die Aktionäre wollen ja ohnehin lieber Taten als Worte.

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